Vuskovic-Entscheidung vertagt: Ärger um C-Probe

Mario Vuskovic hofft weiterhin auf einen Freispruch
Mario Vuskovic hofft weiterhin auf einen Freispruch / Thomas Lohnes/GettyImages
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Dopingfälle sind im Fußball eine echte Seltenheit. Vor einigen Monaten hat es jedoch HSV-Youngster Mario Vuskovic mit einem positiven Test erwischt. Der Innenverteidiger und seine Anwälte fordern einen Freispruch. Der Spieler hat sich in England sogar einem Lügendetektor-Test gestellt, den er mit einem sehr guten Ergebnis bestanden hat. Nutzen tut ihm das vor Gericht jedoch nichts. Die dritte Verhandlungsrunde vor Gericht hat kein Ergebnis ergeben und die Angelegenheit dreht sich ein Stück weit im Kreis.

Inzwischen liefern sich Naturwissenschaftler auf höchster Ebene einen Glaubenskrieg über die Frage, ob Mario Vuskovic wegen eines positiven Doping-Tests gesperrt gehört oder nicht. Im Zentrum steht noch immer die Frage, ob das angewandte SAR-PAGE-Verfahren als Nachweis eines Epo-Vergehens wasserdicht oder eben nicht ist. Die Verteidigung beantwortet dies mit einem klaren “Nein“, jedoch gäbe es aktuell kein besseres zur Verfügung stehendes Verfahren. Der Kontrollausschussvorsitzende Dr. Anton Nachreiner legt jedoch den Finger in die Wunde: "Wenn SAR-PAGE nicht mehr anerkannt würde, könnte man einen Fall wie den vorliegenden überhaupt nicht aufklären“, zitiert der Kicker Nachreiner.

Ein absichtliches Vergehen mit Epo sieht ein Strafmaß von vier Jahren vor, was Nachreiner für falsch hält. "Mich stört, dass es keinen Strafrahmen gibt", ärgerte er sich und gab an, auch gegen ein milderes Urteil keine Einwände haben zu würden. Zwar hält er gemäß WADA-Standards “den Tatbestand für unproblematisch erwiesen“, jedoch müsse man dennoch differenzieren, zumal es keinerlei “Anhaltspunkte für systematisches Dopring“ gäbe. “Systematisches Doping oder ein einmaliger Fehler eines jungen Mannes wären ein elementarer Unterschied“, hält er fest. Im Falle von fehlender Absicht wäre auch eine Halbierung auf zwei Jahre möglich. Dies müsste jedoch damit einhergehen, dass Vuskovic die Substanz injiziert wurde, ohne davon gewusst zu haben. Was dem Spieler zudem helfen könnte wäre ein Schuldeingeständnis. Dieses würde laut Kicker das Strafmaß reduzieren. Darauf lässt sich der Spieler jedoch nicht ein, da er weiterhin seine Unschuld beteuert. „Ich bin unschuldig. Ich habe im Sport niemals betrogen, und das werde ich auch niemals tun. Jeden Tag wünsche ich, dass dieser Albtraum zu Ende geht“, erklärte Vuskovic vor Gericht.

Vuskovic wird C-Probe verweigert: Handelt es sich um Beweisvereitelung?

Allzu gut sieht es für den HSV-Profi allerdings nicht aus. Dies liegt mitunter auch an Jean-Francois Naud. Der Gutachter hat am Analyse-Verfahren des Labors in Kreischa nichts zu beanstanden und lehnt daher die Durchführung einer C-Probe ab. Dies sei "seiner Ansicht nach nicht notwendig, da im vorherigen Verfahren keinerlei Fehler“ festzustellen sind. Es ist für Vuskovic nicht das erste Mal, dass eine Durchführung der C-Probe scheitert. Eigentlich gab es bereits die Zustimmung der NADA (Nationale Anti Doping Agentur) für eine C-Probe, jedoch scheiterte das Unterfangen am Veto der WADA. Die Vuskovic-Seite nimmt die Ablehnung der C-Probe als Beweisvereitelung auf und stößt im Gericht damit offenbar auf Unterstützung. Dieses werde sich laut Richter und DFB-Gremiums-Vorsitzdender Oberholz “mit der Frage der Beweisvereitelung intensiv befassen." Vuskovic-Anwalt hofft darauf, dass die Staatswanwaltschaft eine Wende bewirken kann.

"Wir beurteilen es als haltlos, dass sich die WADA erdreistet, dem Gericht Vorgaben zu machen - und dass sich ein Gutachter aussucht, welche Aufträge er erfüllt und welche nicht, verdeutlichte er. “Wenn wir hier keine C-Probe bekommen, werden wir es über die Staatsanwaltschaft machen. Wir gehen davon aus, dass diese nicht WADA-hörig ist“, so seine Erwartung. Auch der Kontrollausschussvorsitzende Dr. Nachreiner zeigte sich mit dem Verhalten der WADA nicht einverstanden.

Entscheidung binnen der nächsten 14 Tage

Mario Vuskovic, der bereits die letzte Verhandlungsrunde unter Tränen beigewohnt hat, hofft auf ein baldiges Ende des Verfahrens. Oberholz kündigte eine Entscheidung in spätestens zwei Wochen an. Selbst dann ist womöglich aber noch nicht alles geklärt. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, könnte er vor das DFB-Bundesgericht ziehen. Im Falle eines Freispruches könnten WADA und NADA beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) Einspruch einlegen.