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Die internationalen Gewinner und Verlierer der Transferphase

Dominik Hager
Ronaldo und Messi werden im kommenden Jahr bei Manchester United und Paris Saint-Germain auflaufen
Ronaldo und Messi werden im kommenden Jahr bei Manchester United und Paris Saint-Germain auflaufen / David Ramos/Getty Images
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Selten sind binnen einer Transferperiode derart viele Topstars gewechselt wie in diesem Sommer. Besonders bemerkenswert waren natürlich die Wechsel der beiden besten Spielern der letzten 15 Jahre, Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. Doch auch durch andere Transfers hat sich das Kräfteverhältnis der europäischen Topteams ein wenig verschoben.

Wir blicken auf die internationalen Gewinner und Verlierer des Transferfensters.

Die Gewinner der Transferphase:

1. Paris Saint-Germain

Messi
FRANCK FIFE/Getty Images

Wichtige Zugänge:

- Gianluigi Donnarumma: ablösefrei
- Achraf Hakimi: 60 Mio. Euro
- Sergio Ramos: ablösefrei
- Georginio Wijnaldum: ablösefrei
- Lionel Messi: ablösefrei
- Nuno Mendes: 7 Mio. Euro Leihgebühr

Wichtige Abgänge:

- Mitchel Bakker: 7 Mio. Euro
- Alphonse Areola: 2 Mio. Euro Leihgebühr

Noch nie hat sich ein Fußballklub innerhalb einer Transferphase derart prominent verstärkt wie PSG in diesem Sommer. Der ganz große Coup ist natürlich die Verpflichtung von Lionel Messi.

Zudem haben die Pariser mit Ginaluigi Donnarumma einen der besten Keeper der Welt verpflichtet. Für die Abwehr kam kein Geringerer als Sergio Ramos, der dem Team mit seiner Erfahrung und Sieger-Mentalität helfen soll.

Wie auch der frühere Liverpool-Star Wijnaldum kamen die drei genannten Spieler dann auch noch ablösefrei. Etwas tiefer in die Tasche greifen musste Paris lediglich bei Achraf Hakimi. Der offensivstarke Rechtsverteidiger soll die kleine Schwachstelle des französischen Topklubs auf der rechten Seite beheben.

Per Leihe kam zudem mit Nuno Mendes einer der talentiertesten Linksverteidiger der Welt. Für den Youngster gibt es auch eine Kaufklausel, die jedoch stolze 40 Millionen beträgt.

Schmerzhafte Abgänge muss PSG nicht verdauen. Hier droht nur bei Kylian Mbappé im nächsten Jahr ein ablösefreier Wechsel, was selbst für den reichen Ligue-1-Klub nicht gerade erfreulich wäre.

2. Manchester United

Cristiano Ronaldo
Gualter Fatia/Getty Images

Wichtige Zugänge:

- Raphaël Varane: 40 Mio. Euro
- Jadon Sancho: 85 Mio. Euro
- Cristiano Ronaldo: 15 Mio. Euro

Wichtige Abgänge:

- Daniel James: 29,1 Mio. Euro

Rein zahlenmäßig ist bei den Red Devils eigentlich gar nicht so viel passiert. Allerdings sind mit Varane, Sancho und Ronaldo drei Topspieler hinzugekommen, die die Qualität des Teams deutlich verbessern.

Dank des Varane-Transfers ist endlich ein zweiter Top-Innenverteidiger an Bord, was insbesondere im Hinblick auf die Königsklasse von entscheidender Bedeutung sein könnte. Der junge Engländer Jadon Sancho gehört zu den größten Offensiv-Talenten Europas und wird das Spiel des amtierenden Vize-Meisters noch variabler machen.

Der Paukenschlag ist jedoch die Rückkehr von Cristiano Ronaldo, der trotz seines Alters noch Tore am Fließband garantiert und die United-Fans von den ganz großen Erfolgen träumen lässt.

Der einzige namenhafte Abgang ist Daniel James. Dieser wäre aber voraussichtlich ohnehin nur Ergänzung gewesen. Die geflossenen 29 Millionen Euro nimmt der Klub demnach gerne mit.

3. FC Chelsea

Romelu Lukaku
Michael Regan/Getty Images

Wichtige Zugänge:

- Romelu Lukaku: 115 Mio. Euro
- Saúl Ñíguez: 5 Mio. Euro Leihgebühr

Wichtige Abgänge:

- Tammy Abraham: 40 Mio. Euro
- Kurt Zouma: 35 Mio. Euro
- Fikayo Tomori: 29,2 Mio. Euro

Der FC Chelsea hat zwar nicht viele, dafür aber vielleicht entscheidende Transfers gelandet.

Romelu Lukaku wird in der laufenden Saison sicherlich besser knipsen als Timo Werner in der vergangenen Spielzeit. Mit dem Belgier haben die Blues einen absoluten Starstürmer und Torgaranten für sich gewinnen können. Da kann man schon mal 115 Millionen Euro zahlen. Geschickter wäre es aber natürlich gewesen, den Zentrum-Stürmer in der Vergangenheit erst gar nicht ziehen zu lassen.

Der zweite prominente Zugang ist Mittelfeld-Spieler Saúl Ñíguez, der per Leihe aus Madrid kam und dank einer Klausel auch langfristig bleiben könnte. Der Spanier hatte zwar zuletzt ein Tief, gehörte vor wenigen Jahren aber zu den besten Mittelfeldspielern Europas. Damit verfügen die Blues nun über eine weitere hochkarätige Alternative zu Kanté, Kovacic und Jorginho.

Noch geschickter als die Käufe der Blues waren jedoch die Verkäufe. Die Londoner haben keinen wichtigen Spieler verloren, dennoch in Summe ein Transferplus erzielt. Dies lag insbesondere an den Verkäufen von Abraham, Zouma und Tomori.

Die Verlierer der Transferphase

4. Inter Mailand

Calhanoglu
Pier Marco Tacca/Getty Images

Wichtige Zugänge:

- Denzel Dumfries: 12,5 Mio. Euro
- Hakan Çalhanoğlu: ablösefrei
- Joaquín Correa: 5 Mio. Euro Leihgebühr
- Edin Dzeko: ablösefrei

Wichtige Abgänge:

- Romelu Lukaku: 115 Mio. Euro
- Achraf Hakimi: 60 Mio. Euro
- Ashley Young: ablösefrei

Finanzielle Probleme haben dafür gesorgt, dass Inter Mailand auf dem Transfermarkt Geld erwirtschaften musste. Zumindest das ist mit den Verkäufen von Romelu Lukaku und Achraf Hakimi gelungen. Allerdings hat der Serie-A-Titelträger dadurch natürlich gewaltig an Qualität eingebüßt. Insbesondere die belgische Sturmkante wird man in Mailand sicherlich vermissen.

Der wohl prominenteste Neuzugang ist Hakan Çalhanoğlu, der ablösefrei vom Lokalrivalen AC Mailand transferiert werden konnte. Der türkische Nationalspieler wird Christian Eriksen ersetzen, der nach seinem Herzinfarkt bei der EM laut Regularien nicht mehr in der Serie A auflaufen darf. Für die Offensive ist zudem Joaquín Correa neu dabei, der zunächst auf Leihbasis von Lazio Rom kam.

Als Lukaku-Ersatz soll Edin Dzeko auflaufen, der jedoch inzwischen 35 Jahre alt ist. Den belgischen Topstürmer wird er mit Sicherheit nicht alleine ersetzen können. Für Hakimi kam Dumfries, der ein ähnlicher Spielertyp wie Hakimi, allerdings doch eine Klasse schwächer ist.

Für die nötige Breite hat Inter durch die Verpflichtungen durchaus gesorgt. Die Mega-Qualität von Hakimi und Lukaku konnte jedoch nicht ersetzt werden.

5. Juventus Turin

Cristiano Ronaldo
Thananuwat Srirasant/Getty Images

Wichtige Zugänge:

Manuel Locatelli: Leihe+Kaufpflicht (25 Mio. Euro + Bonus-Zahlungen)
Moise Kean: 7 Mio. Euro Leihgebühr

Wichtige Abgänge:

Cristiano Ronaldo: 15 Mio. Euro
Gianluigi Buffon: ablösefrei
Merih Demiral: 3 Mio. Euro Leihgebühr

Über allem steht bei Juventus Turin natürlich der Verkauf von Cristiano Ronaldo. Der Offensivspieler ist trotz seines Alters ein enormer Verlust.

Für die Offensive kam lediglich Moise Kean zurück, der aber noch kein internationales Topniveau verkörpert. Mit Gianluigi Buffon ist zudem die Legende schlechthin endgültig weg. Ein großer Verlust, selbst wenn der 43-Jährige in den letzten Jahren kaum noch spielte.

Mit Manuel Locatelli konnte der Klub immerhin einen ambitionierten Spieler an Land ziehen, der das Mittelfeld beleben wird und Torgefahr ausstrahlen soll.

Ansonsten hat sich eigentlich wenig getan. Nach der enttäuschenden letzten Saison hätte man mit mehr Transfers rechnen können. Der Ausgang der Sommer-Transferphase ist sicherlich ein wenig ernüchternd.

6. FC Arsenal

Ben White
Matthew Ashton - AMA/Getty Images

Wichtige Zugänge:

- Ben White: 58,5 Mio. Euro
- Martin Ödegaard: 35 Mio. Euro
- Aaron Ramsdale: 28 Mio. Euro
- Takehiro Tomiyasu: 18,6 Mio. Euro
- Nuno Tavares: 8 Mio. Euro
- Albert Sambi Lokonga: 17,5 Mio. Euro


Wichtige Abgänge:

- Joe Willock: 29,4 Mio. Euro
- Lucas Torreira: 1,5 Mio. Euro Leihgebühr
- Willian: ablösefrei

Der FC Arsenal hat nach zuletzt enttäuschenden Jahren richtig tief in die eigene Tasche gegriffen und insgesamt 165 Millionen Euro für Neuzugänge ausgegeben! Wow!

Bei solchen Ausgaben sollte man denken, dass darunter einige Topstars dabei waren, die die Qualität des Teams sofort auf die nächsten ein, zwei Stufen heben. Doch dem war nicht so.

Sicherlich sind White, Ramsdale und Co. Spieler, die in Zukunft eine wichtige Rolle bei den Gunners einnehmen können, doch internationale Klasse verkörpert keiner der Neuzugänge. Nahezu alle Neuzugänge müssen erst noch beweisen, dass sie das Geld auch wert sind. Ob das mal nicht nach hinten losgeht?

Das einzig Positive dieser Transferperiode: Der enttäuschende Topverdiener Willian konnte von der Gehaltsliste gestrichen werden.

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