System und Personal: Die Erkenntnisse zu Bayerns Remis gegen Atletico

Florian Bajus
Bei Atlético Madrid wagte der FC Bayern einige personelle und taktische Experimente
Bei Atlético Madrid wagte der FC Bayern einige personelle und taktische Experimente / Gonzalo Arroyo Moreno/Getty Images
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Mit personellen Veränderungen und einem neuen taktischen Grundgerüst erkämpfte sich der FC Bayern einen Punktgewinn bei Atlético Madrid. Hansi Flick und Alexander Nübel sahen nach der Partie noch Verbesserungsbedarf im Spiel mit einer Dreier- respektive Fünferkette, bei dem Nachwuchsspieler Jamal Musiala wieder einmal überzeugen konnte.

Bereits nach dem Schlusspfiff gegen RB Salzburg am vierten Spieltag der Champions-League-Gruppenphase war klar, dass der FC Bayern die letzten beiden Gruppenspiele entspannt angehen würde. Der deutsche Rekordmeister und Titelverteidiger steht seit dem 3:1-Sieg über die Österreicher als Sieger der Gruppe A fest, aufgrund der hohen Belastung kündigte Flick daher an, den Spielern aus der zweiten Garde sowie dem Nachwuchs ein paar Spielminuten schenken zu wollen, während die Leistungsträger ein paar Tage durchatmen können.

Gegen Atlético Madrid fehlten Manuel Neuer, Leon Goretzka und Robert Lewandowski, an ihrer Stelle begannen Alexander Nübel, Jamal Musiala und Eric Maxim Choupo-Moting in der Startformation. Diese kam allerdings nicht wie gewohnt im 4-2-3-1 daher, sondern in einem 3-4-2-1 respektive 5-4-1. Auch die taktische Herangehensweise war diesmal anders, statt dem typischen Angriffspressing gab Cheftrainer Hansi Flick ein tiefer gestaffeltes Mittelfeldpressing vor.

Wenig Akzente in der Offensive: Costa und Sané wussten nicht zu gefallen

Ein bajuwarisches Feuerwerk war nicht zu erwarten, stattdessen dominierte Atlético die Partie im ersten Durchgang. Die Mannschaft von Diego Simeone hat ihr Offensivspiel in den vergangenen Monaten erheblich verbessert, eine Schlüsselrolle spielt Rekordneuzugang Joao Felix, dessen Potenzial in seinem zweiten Jahr bei den Rojiblancos gänzlich zur Entfaltung kommt. In der 26. Minute brachte der 21-jährige Portugiese die Hausherren in Führung, es war bereits sein achtes Tor im vierzehnten Pflichtspiel.

Von den Münchner war dagegen wenig zu sehen. Eric Maxim Choupo-Moting wartete vergeblich auf Zuspiele und Kombinationsmöglichkeiten von und mit seinen Mitspielern, da insbesondere die Halbstürmer Douglas Costa und Leroy Sané auf ihren Positionen Schwierigkeiten hatten. Das Flügel-Duo konnte seine Stärken im Dribbling auf engem Raum nicht ausspielen und blieb überwiegend blass.

Gegen den Ball ordentlich, im Vorwärtsgang blass: Leroy Sané
Gegen den Ball ordentlich, im Vorwärtsgang blass: Leroy Sané / Gonzalo Arroyo Moreno/Getty Images

"In der ersten Halbzeit waren wir nach vorne nicht ganz so aktiv", monierte Flick laut Sport1 nach dem Spiel. Der auffälligste Akteur war Musiala, der auf der vertikalen Doppelsechs mit Tiefenläufen und mutigen Dribblings auffiel, im Abspiel aber noch einige Schwächen offenbarte. Nichtsdestotrotz war Flick voll des Lobes: "Er hat gezeigt, was er im Stande ist zu leisten und seine Stärken gezeigt. Das sind sehr gute Erkenntnisse."

Müller bringt die vermisste Dynamik

Mannschaftstaktisch sah allerdings auch Nübel Nachholbedarf: "Für die Zukunft glaube ich, dass man im Mittelfeldpressing oder auch mit einer Fünferkette vielleicht noch ein bisschen tiefer stehen kann, um so noch ein paar Meter sparen zu können", so der Ersatztorwart. Nichtsdestotrotz sei die Dreier-/Fünferkette "eine Variante, die wichtig ist, wenn man sehr viele Spiele hat".

Thomas Müller (l.) brachte Schwung in das Offensivspiel der Bayern. Der Ex-Weltmeister hat seinen Stellenwert noch einmal untermauert.
Thomas Müller (l.) brachte Schwung in das Offensivspiel der Bayern. Der Ex-Weltmeister hat seinen Stellenwert noch einmal untermauert. / Quality Sport Images/Getty Images

Erst nach Umstellungen in der zweiten Halbzeit wurden die Bayern forscher. Flick brachte Thomas Müller, Serge Gnabry und Chris Richards für Javi Martinez, Bright Arrey-Mbi und Bouna Sarr in die Partie, Erstgenannter erzielte in der 86. Minute per eigens herausgeholtem Strafstoß den Ausgleich. "Thomas hat die Räume, die er immer gut besetzen kann, besetzt", lobte Flick den Torschützen, "das hat uns gut getan, weil wir aus dem Druck herausgekommen sind."

Spielpraxis für die Jungen: Flick bleibt seiner Linie treu

Generell habe die Mannschaft nach dem Seitenwechsel "den einen oder anderen Angriff mit richtiger Dynamik" vorgetragen. "Wir haben einiges gesehen, dass uns für die Zukunft auch froh macht", so Flick, der selbst mit seiner Herangehensweise, den jungen Spielern Einsätze zu gewähren, wieder einmal zu gefallen wusste. Neben Arrey-Mbi, Musiala und Richards durfte sich auch Mittelfeld-Talent Angelo Stiller bei den Profis beweisen, zudem saßen mit Torwart Lukas Schneller und Mittelfeldspieler Maximilian Zaiser zwei weitere Talente auf der Bank.

Einzig Joshua Zirkzee hat unter dem 55-Jährigen das Nachsehen. Der junge Niederländer wurde erst in den Schlussminuten eingewechselt und bleibt hinter Lewandowski und Choupo-Moting nur die Nummer drei im Sturm. Eine Leihe im Winter scheint nicht ausgeschlossen, laut BILD ist der 1. FC Köln interessiert.

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