Statistik zeigt: Geisterspiele als Vorteil für die Auswärtsmannschaft

Guido Müller
Mehr Auswärtssiege durch Geisterspiele?
Mehr Auswärtssiege durch Geisterspiele? / STUART FRANKLIN/Getty Images
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Gefühlt (und auch an den nackten Ergebnissen abgelesen) haben wir es schon in der letzten Woche: die Fußballspiele vor leeren Tribünen kommen vor allem den Auswärtsmannschaften zugute. Das geht nun - ganz offiziell - auch aus einer Untersuchung des
Instituts für Spielanalyse hervor. Für eine abschließende Bewertung der Corona-Effekte ist es aber noch zu früh.

Jeweils fünf der neun Bundesliga-Partien an den beiden bislang absolvierten Geister-Spieltagen gingen an den Gast. Nur drei dieser insgesamt achtzehn Spiele konnte die Heimmannschaft siegreich gestalten. Macht einen Anteil von nur 17 Prozent. Zum Vergleich: In den beiden letzten Spielzeiten, in denen alle Spiele bekanntlich vor vollen Rängen ausgetragen wurden, lag diese Ratio noch bei jeweils 45 Prozent. Und auch wenn wir uns die Spieltage der laufenden Saison vor der neuen Corona-Realität (also bis zum 25. Spieltag) anschauen, liegt der Anteil von Heimerfolgen bei immerhin noch 41 Prozent.

Für Peter Bosz kein Zufall

Heimschwäche als direkte Folge des Zuschauerausschlusses? Macht eigentlich Sinn, wenn man genauer drüber nachdenkt. Auch Bayer-Trainer Peter Bosz ist angesichts dieser Statistik nicht überrascht: "Ich glaube nicht, dass das Zufall ist. Es ist halt so, dass das Heimpublikum immer der Mannschaft hilft. Und wenn wir dann als Auswärtsmannschaft ohne Publikum spielen, ist das immer einfacher", so der Holländer laut Stuttgarter Nachrichten. Wie seine eigene Truppe zweimal glänzend unter Beweis gestellt hat - denn sowohl in Bremen vergangene Woche wie auch in Gladbach am letzten Wochenende konnte die Werkself jeweils drei Punkte aus dem fremden Stadion entführen.

Bewertungszeitraum zu kurz für endgültige Schlussfolgerungen

Für eine endgültige valide Bewertung ist der gemessene Zeitraum von zwei Spieltagen jedoch zu kurz. Spieltage mit einem großen Missverhältnis zwischen Heim-und Auswärtssiegen hat es auch in den vergangenen Jahren zuhauf gegeben. Allein am sechsten Spieltag dieser laufenden Saison kam es zu sage und schreibe acht Auswärtssiegen in neun Partien. Und auch die Entwicklung, dass die Anzahl der Heimerfolge unter dem Durchschnittswert der aktuellen Spielzeit liegt, ist nicht erst seit den beiden Corona-Spieltagen zu beobachten, sondern bereits seit dem 22. Spieltag, der ja noch - wie auch die drei folgenden - mit Publikum in allen Arenen über die Bühne ging.

Für Horst Heldt ist es eine Frage der Psychologie

Dennoch hat sich die Liga ohne die Zuschauer natürlich verändert. Vor allem die Mannschaften, die mangelnde Qualität durch die Begeisterung ihrer Fans kompensieren müssen, sehen sich jetzt dieses Vorteils beraubt. Bestätigt auch Kölns Sportdirektor Horst Heldt, der diesen Umstand aber auch nicht als Entschuldigung gelten lassen will. "Der Wettbewerb", so Heldt, "hat sich durch die fehlenden Zuschauer verändert. Wenn der Heimvorteil nicht mehr da ist, muss man sich darauf einstellen. Wir versuchen, aus unseren beiden Heimspielen zu lernen und herauszufinden, was man an den Abläufen vielleicht verändern kann. Das ist Psychologie, was da momentan stattfindet.“

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