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Schneller, höher, weiter: Wie Ausstiegsklauseln bei Trainern das Hamsterrad noch rasanter drehen

Simon Zimmermann
Ausstiegsklauseln sind auch bei Trainern üblich geworden
Ausstiegsklauseln sind auch bei Trainern üblich geworden / THOMAS KIENZLE/Getty Images
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Die meisten Topspieler haben sie schon längst, und auch unter den Trainern findet sie immer mehr Einzug: die Ausstiegsklausel. Welche Probleme die festgeschriebene Möglichkeit, den Verein vorzeitig zu verlassen, für die Klubs bedeutet, zeigt das Beispiel Gladbach. Doch einfach weglassen ist nicht mehr. Vielmehr scheint sie notwendiges Übel mit riesengroßem Gefahrenpotenzial.

"Marktüblich" sei es mittlerweile, dass auch Cheftrainer in ihren neuen Verträgen eine Ausstiegsklausel bekommen - schreibt die Bild in ihrem Bericht über die sich anbahnende Verlängerung von VfB-Coach Pellegrino Matarazzo.

Was bei vielen Spielern längst Usus ist, scheint auch bei den Übungsleitern Gang und Gäbe geworden zu sein. Eine Klausel im eigentlich bis Zeitpunkt xy datierten Arbeitspapier, die einen vorzeitigen Abschied ermöglicht. Eine Klausel, um vorzeitig den Abgang machen zu können, sollte sich eine bessere Gelegenheit bieten.

Laufzeit egal: Verträge dienen nur als Sprungbrett für den nächsten Schritt

Schneller, höher, weiter lautet das Motto im Profifußball. Nüchtern betrachtet wahrscheinlich nicht viel anders als in allen anderen Arbeitsmärkten dieser Welt. Im Business Profifußball ist für Romantik längst kein Platz (mit der ein oder anderen Ausnahme - Grüße in den Breisgau).

Immer deutlicher wird: Verträge werden nicht geschlossen, um sich bis zum Vertragsende an den aktuellen Arbeitgeber zu binden. Das war schon vor der inflationären Verbreitung der Ausstiegsklauseln der Fall - und zwar seit einem gewissen Bosman-Urteil!

Konnten die abgebenden Klubs zumindest noch die Ablöse frei verhandeln, steht diese mittlerweile aber häufig schon fest. Und auch das Denken der Angestellten, die eine solche Klausel im Vertrag stehen haben, ist klar: Kommt eine bessere Gelegenheit, ein besseres Angebot, kann ich den Abflug machen.

Die Crux der Ausstiegsklausel: Für den Klub ein Spiel mit dem Feuer

Besonders schwer trifft diese Klausel aktuell Borussia Mönchengladbach. Am Niederrhein träumte Manager Max Eberl vom nächsten Schritt. Der solide, aber nicht all zu innovative Dieter Hecking wurde für den "heißen Scheiß" Marco Rose vor die Tür gesetzt. Der Salzburg-Coach galt als aufstrebender Mann am Trainerhimmel. Einer vom Kaliber Julian Nagelsmann, der eine Mannschaft in neue Spähren entwickeln kann.

Geschafft mag Rose das haben. Der Preis, den Gladbach zahlt, ist hoch. Denn mitten in dieser Entwicklung nach oben, folgt nun - dank Ausstiegsklausel - der abrupte Cut. Rose zieht weiter - und hinterlässt verbrannte Erde. Wie sehr diese in Mönchengladbach verbrannt wird, bleibt abzuwarten. Gut möglich, dass mit Rose auch eine Reihe von Stammspielern gehen. Und Gladbach die Uhren wieder zurückdrehen muss.

Hamsterrad statt nachhaltige Entwicklung nach oben. Am Ende muss man sich auch die Frage stellen, ob Rose - der offensichtlich auf eine Ausstiegsklausel bestand - überhaupt hätte verpflichtet werden sollen. Doch hier ist die Crux: Offenbar sind solche Klauseln auch bei Trainern mittlerweile marktüblich. Und so gibt es gar keine Kandidaten der Marke Rose, die einen Klub weiterbringen können, die nicht auf eine Klausel bestehen.

Was das für den Fußball im Allgemeinen bedeutet? Die Fluktuation wird auch inmitten und nach der Corona-Krise nicht weniger, sondern eher zunehmen. Nicht nur auf dem Spielermarkt, sondern auch unter den Trainern. Denn die streben zum Großteil - ähnlich wie ihre Spieler - nach dem nächsten Karriereschritt. Das Hamsterrad dreht sich immer schneller und schneller!

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