Fans diskutieren: Spart sich Schalke zurück in die 2. Liga?

Yannik Möller
FC Schalke 04
FC Schalke 04 / Christof Koepsel/GettyImages
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Angesichts der tabellarischen Ausgangslage bei Schalke 04 sehen einige Fans die Winter-Transferphase als letzte Hoffnung im Sinne des anvisierten Klassenerhalts an. Die geringen finanziellen Mittel, wegen des strengen Sparkurses, sorgen dabei für Diskussionen. Doch ist der (zumindest indirekte) Vorwürf, S04 spare sich zurück in Liga zwei, überhaupt haltbar? Ein Kommentar.


So wie es aussieht, wird Schalke im Transfer-Winter nur zwei externe Spieler ausleihen. Niklas Tauer, der für das defensive Mittelfeld geholt wurde, ist schon da. Zeitnah soll mit Tim Skarke auch ein neuer Flügelspieler folgen. Und das war es dann aller Voraussicht nach auch schon.

Weil die Rückkehr von Sepp van den Berg wohl etwas früher erfolgen kann, als zunächst angedacht, sollen die Bosse der Verteidigung keine Priorität mehr beimessen. Dazu soll Soichiro Kozuki, der aus der U23 kommt, zuletzt bei den Profis überzeugen konnte und nun einen Profi-Vertrag unterschreiben durfte, ebenfalls auf der Außenbahn für frischen Wind sorgen.

Damit ist die Geschichte des Transfer-Januars vermutlich auch schon erzählt. Ein dritter externer Spieler wäre viel eher eine Überraschung, als das Erwartbare. Das enttäuscht so manchen Fan, der sich durch die Transferphase eine letzte Hoffnung hinsichtlich der miserablen Ausgangslage in der Tabelle ausgemalt hat. Ein Vorwurf, der hier und da durch die Kommentarspalten saust: Schalke spart sich zurück in die 2. Bundesliga.

Spar-Vorwurf in Richtung Abstieg: Blickt lieber auf den fehlerhaften Sommer zurück!

Ein Vorwurf, der durchaus interessant zu beobachten und grundsätzlich auch nicht allzu weit hergeholt ist. Immerhin fährt Königsblau wirklich einen strengen Sparkurs. Finanz-Chefin Christina Rühl-Hamers ist um die finanzielle Zukunft des Klubs besorgt. Insbesondere im Falle des erneuten Wiederabstiegs.

Gerade deshalb, so einige Fan-Stimmen, müsste alles für den Klassenerhalt getan werden. Das würde auch bedeuten, aus der Not heraus zwei, drei Millionen Euro für Transfers freizugeben, die der Klub eigentlich nicht zur Verfügung stehen hat. Das lehnt der Vorstand jedoch kategorisch ab. Die gesetzten Grenzen werden eingehalten.

Und tatsächlich ist dieser Vorwurf auch viel zu kurz gegriffen. Nicht der Sparkurs hat die Gelsenkirchener auf den 18. Tabellenplatz gebracht, mit fünf Punkten Abstand auf den Vorletzten.

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Christina Rühl-Hamers mit Bernd Schröder / INA FASSBENDER/GettyImages

Viel eher waren es wichtige Entscheidungen im Sommer, die völlig in die Hose gegangen sind. Neben so manchem Fehler in der Kaderzusammenstellung, etwa dem traditionellen Fehlen von (schnellen) Flügelspielern, ist dabei vor allem Frank Kramer als Cheftrainer zu betrachten. Kritik, die sich an Rouven Schröder richten müsste.

Die Entscheidung für Kramer war eine grundlegend falsche - und das mit Ansage. Schalke hat mit ihm genau das bekommen, was zu erwarten war: Zu Saisonbeginn zwar durchaus repektablen Kampf, schlussendlich aber keine Konkurrenzfähigkeit, keinerlei Offensivspiel und viel zu wenig Punkte.

Schalke kann und sollte die finanzielle Stabilität nicht gefährden - eine Lehre aus den letzten Jahren

Das ist es, was S04 in die nun mehr als komplizierte Ausgangslage gebracht hat. Nun einfach mit ein wenig Geld auf Probleme zu schmeißen, wird nicht helfen. Rühl-Hamers indirekt vorzuwerfen, den Verein in den direkten Wiederabstieg zu steuern, ist mehr Populismus als gerechte Analyse.

Dass ein schlichtweg höherer Einsatz von Geld und das Spiel mit der finanziellen Stabilität des Vereins nicht nur keinen Erfolg hat, sondern enorm große Risiken mit sich bringt, dürfte jedem Schalker über die letzten Jahre aufgefallen sein. Zumal ja nicht einmal gesagt ist, dass potenzielle weitere Transfers auch so einschlagen würden, dass der Klassenerhalt wahrscheinlicher wird.

Es würde auch die Möglichkeit bestehen, dass mehr Geld eingesetzt wird und am Ende steigt Schalke trotzdem ab. Immerhin steht man nicht nur auf dem Relegationsplatz, wo der Abstieg droht. Man ist der bereits etwas abgeschlagene Tabellenletzte und muss einiges aufarbeiten. Das ist keine Situation, in der man blindlinks die Sicherheit des Klubs und somit auch zahlreicher Mitarbeiter auf das Spiel setzt.

Der finanzielle Sparkurs an sich bleibt also richtig. Der Transfer-Winter kann Königsblau punktuell helfen, das ist richtig. Der geringere Geld-Einsatz im Januar wird schlussendlich aber keine Schuld am etwaigen Abstieg tragen. Selbstverständlich wäre der Wiederaufstieg wieder extrem schwierig zu erreichen. Doch kann nur deshalb kein finanzielles Risiko eingegangen werden.


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