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FC Schalke 04

Deshalb ist Terodde der Schlüssel zum Drexler-Transfer

Yannik Möller
Dominick Drexler soll die Schalker Offensive verbessern
Dominick Drexler soll die Schalker Offensive verbessern / Frederic Scheidemann/Getty Images
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Im Laufe dieser Woche wird sich Dominick Drexler Schalke anschließen, vermutlich geht noch am Dienstag alles über die Bühne. Über diesen Transfer gibt es einige strittige Meinungen unter den Fans. Eines ist jedoch klar: Es soll zur erhofften Connection zu Simon Terodde kommen.


Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, es scheint nur noch die offizielle Bestätigung zu fehlen. Dann wird sich Dominick Drexler zur neuen Saison dem FC Schalke 04 in der 2. Bundesliga anschließen. Am Montagabend machten die Berichte die Runde, angefangen beim Kölner Stadt-Anzeiger. Wenig später zogen sämtliche Medien rund um die Knappen nach.

Somit ist klar, dass der Offensivspieler des 1. FC Köln nach Gelsenkirchen wechseln wird. Ein weiterer Spieler, der noch vor dem Saisonauftakt verpflichtet wurde. Ohne die einzelnen Transfers und auch diesen zu beurteilen, eines ist klar: Dass Schalke den Kader vergleichsweise frühzeitig zusammen hat, kann ein Vorteil sein.

Drexler-Transfer wird kritisch beäugt - Schalke zahlt (noch) nichts und hofft auf Terodde

Unabhängig davon wird Drexler unter vielen S04-Fans sehr kritisch gesehen. Da spielt längst nicht nur die fehlende Sympathie ihm gegenüber eine Rolle, etwa nachdem das Video auftauchte, in dem er die eigenen Köln-Anhänger als "Spacken" bezeichnete. Einige sehen in ihm weder die Qualität, noch die Sinnhaftigkeit dieser Verpflichtung über die anstehende Saison hinaus.

31 Jahre alt, dahingehend selbst bei einer erfolgreichen Saison ohne Wiederverkaufswert und bereits in der letzten Spielzeit beim Effzeh eher ein Anhängsel als ein Spieler, auf den in der Startelf gebaut wurde. In 27 Einsätzen (davon elf aus der Startelf heraus) konnte er lediglich zwei Tore erzielen und zwei weitere vorbereiten. Nicht gerade die Zahlen, die Hoffnung auf ein Aufleben der S04-Offensive durch ihn machen würden.

Dominick Drexler
In Köln hätte Dominick Drexler in der kommenden Saison keine Rolle mehr gespielt / Lars Baron/Getty Images

Immerhin sind die Transfer-Modalitäten von Sportdirektor Rouven Schröder vernünftig ausgehandelt. Der Zweitligist zahlt trotz des noch bis 2022 laufenden Vertrags keine Ablösesumme. Es werden nur 100.000 Euro gezahlt, wenn Königsblau aufsteigt. Das berichten verschiedene Medien übereinstimmend. Insgesamt also ein finanziell guter Deal, der weitere Möglichkeiten kaum einschränken sollte.

Doch warum wird Drexler überhaupt unter Vertrag genommen, wenn man sich augenscheinlich nur wenig von ihm versprechen kann? Das hat zwei Gründe. Zum einen war er in der 2. Liga ein ganzes Stück erfolgreicher als im Oberhaus des deutschen Fußballs. Bislang kommt er in 97 Einsätzen auf 23 Treffer und 32 Vorlagen - alles andere als eine schlechte Quote.

Der zweite Grund, der im Vordergrund steht, heißt Simon Terodde. Der vom HSV verpflichtete Stürmer kann gut und gerne als Schlüssel zur bevorstehenden Drexler-Verpflichtung angesehen werden. Zu sagen, dass sich die beiden kennen, wäre ziemlich untertrieben.

Simon Terodde
Die erfolgreiche Zweitliga-Zeit in Köln von Simon Terodde ist der Schlüssel / Thomas Eisenhuth/Getty Images

Die Statistiken zeigen: Drexler und Terodde funktionierten als Duo, und zwar sehr gut. Für Köln standen sie in 49 Partien gemeinsam auf den Platz. Das Resultat darin: 44 Tore sowie 31 Vorlagen (nicht nur untereinander). Das entspricht satten 1,53 Scorerpunkten pro Spiel.

Dementsprechend erhofft man sich, dass die teilweise auch in den Testspielen noch etwas lahmende S04-Offensive durch diesen Transfer verstärkt, flexibler und gefährlicher gemacht wird. Untereinander hatten die beiden ein sehr gutes Spielverständnis. Neun Tore kamen in den angesprochenen Spielen alleine durch die Kombination von Drexler auf Terodde zustande.

Gelingt es, diese Zusammenarbeit wieder zum Leben zu erwecken, sind die möglicherweise zu zahlenden 100.000 Euro selbst für die finanziell angeschlagenen Schalker eine Summe, die man gerne zahlt.

Und damit sind die Vorteile wie die Nachteile dieses Transfers auch schon gegeneinandergestellt. Das Problem an dieser Personalie: So groß, toll und aussichtsreich die Vorteile insbesondere durch die Zusammenarbeit mit Terodde auch sein mögen - sie sind und bleiben spekulativ. Niemand kann auch nur im Ansatz zusichern, dass die beiden erneut so erfolgreich zusammenspielen können oder werden.

Ein anderer Verein, ein anderes Umfeld, eine andere taktische Herangehensweise. All das sind Dinge, die der sehr guten Scorer-Ausbeute aus gemeinsamen Effzeh-Tagen im Weg stehen können. Der Drexler-Transfer lohnt sich wohl nur, wenn diese Partnerschaft voll aufgeht. Und dafür ist das Risiko eigentlich zu groß.

Nicht falsch verstehen: es kann funktionieren, es kann Schalke durchaus unter die ersten Drei der Liga bringen, sodass um den Wiederaufstieg gespielt wird. Zusammen mit den anderen Spielern und den weiteren Möglichkeiten, wie man die Offensive und damit das Spiel in Ballbesitz richtig ans Laufen bekommt, kann das Früchte tragen. Es ist auch erst wenige Jahre her, dass sie zusammengespielt haben.

Und dennoch bleibt es beim "kann". Dass dieser Plan aufgeht, ist nicht einmal wahrscheinlich. Es bleibt beim "möglich". Angesichts dessen muss sich Schalke fragen, inwieweit diese Verpflichtung auch mittelfristig gesehen Sinn ergibt. Die meisten Einkäufe, so wie Drexler, gehen ohne Wiederverkaufswert einher. Das kann schnell für einen erneut notwendigen Kaderumbruch sorgen. Das gilt es dringend zu verhindern.

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