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FC Schalke 04

Schalke zahlt bei Serdar die Zeche - Bozdogan als neue Chance

Yannik Möller
Can Bozdogan kann schon zur nächsten Saison einen wichtigen Schritt gehen
Can Bozdogan kann schon zur nächsten Saison einen wichtigen Schritt gehen / Lars Baron/Getty Images
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Mit Suat Serdar hat Schalke ein finanzielles Minusgeschäft eingefahren. Und das entgegen aller Wahrscheinlichkeiten und trotz der guten Ausgangslage für alle Beteiligten. Die Chance, sportlich zu profitieren und im Nachhinein eine sehr gute Ablösesumme zu generieren, müsste sich bald mit Can Bozdogan ergeben.


Die Spatzen pfiffen es bereits von den Dächern, am Freitagnachmittag wurde es auch bestätigt: Suat Serdar wird Schalke 04 zur neuen Saison verlassen. Die letzten Tage wurde von einer Ablösesumme von etwa acht Millionen Euro gesprochen, die Hertha BSC als Abnehmer zahlt. Durch Boni könnte die Summe wahrscheinlich zweistellig werden.

Sollten diese zusätzlichen Bedingungen eintreten, dann hätte S04 gerade einmal die eigens im Sommer 2018 an Mainz 05 gezahlte Summe von elf Millionen Euro wieder reingeholt. Dass das bei Serdar drei Jahre später der Fall sein sollte, damit hätte wohl kaum jemand gerechnet. Schon gar nicht in der Hinrunde der Saison 2019/20.

Somit steht, das Gehalt mit einbezogen, ein Minusgeschäft für den Absteiger. Der unwahrscheinliche Fall ist tatsächlich eingetreten. Mal wieder eine symptomatische Entwicklung für den Klub aus Gelsenkirchen: Durch zahlreiche Krisen, Fehlentscheidungen und interne Probleme werden Chancen, die zu viel Geld werden könnten, nicht genutzt. Oder besser: Sie können häufig erst gar nicht genutzt werden.

In einem Team, das einfach formuliert kaputt ist, das mit Ballbesitz- oder Offensivfußball überhaupt nichts am Hut hat, können sich junge Spieler heutzutage nicht (mehr) richtig entwickeln. So verliert Schalke entweder frühzeitig die eigenen Talente, weil sie diesem System nicht auch zum Opfer fallen wollen. Oder man hindert sie an Fortschritten, kann dadurch weder sportlich noch später finanziell profitieren. Serdar ist dafür wieder einmal ein passendes Beispiel - S04 bietet dahingehend ein ungesundes Umfeld.

Suat Serdar
In einem gesunden Umfeld hätte Suat Serdar Schalke so viel mehr Spaß und Geld bringen können / INA FASSBENDER/Getty Images

Mit dem Wechsel nach Berlin erfolgt auch Häme. Sein vor einigen Wochen erklärtes Ziel für die Zukunft, langfristig in der Champions League spielen zu wollen, hat mit der Hertha natürlich nichts zu tun. Und dennoch kann sich der 24-Jährige ohne Sorgen dieses Ziel setzen. Dass er diesen Anspruch haben kann, hat er gezeigt. Nun muss er sich erst einmal wieder beweisen, weil er durch Schalke einen schwierigen Stand hat.

Bei Serdar verpasste Schalke die finanziell wertvolle Entwicklung - bei Bozdogan kann und müsste es endlich anders laufen

Es ist ein Szenario, dass selbstredend ausbleiben sollte. Insbesondere bei einem Verein, der sich durch das Entwickeln und Verkaufen von Spielern gesund halten muss. Ein Szenario, in das demnächst beispielsweise Can Bozdogan fallen kann. Der erst 20-Jährige hat gegenüber anderen Youngstern wie zum Beispiel Florian Flick den Vorteil, dass er in der Mannschaft bereits mehr oder sicher gesetzt ist.

Nicht in der Startelf, aber im Team an sich. Seine 17 Einsätze in der Bundesliga unterstreichen das. Mit der bereits nächste Woche startenden Saisonvorbereitung hat der offensive Mittelfeldspieler eine große Chance: Noch hat Königsblau keinen richtigen Spielmacher im Kader, dieser wird noch gesucht. Die Gelegenheit, sich in dieser Rolle zu zeigen.

Can Bozdogan
Can Bozdogan kann auf Schalke schon zur neuen Saison den Durchbruch schaffen / Christof Koepsel/Getty Images

Von seinem Können und Talent her hat er definitiv das Potenzial, schon zur kommenden Saison regelmäßig für den Klub aufzulaufen. Bozdogan ist ein Spieler, der gerne den Ball am Fuß hat. Der die Räume und Laufwege sieht, der sich traut ins Dribbling zu gehen und auch mal aus der Entfernung abzuschließen. Aspekte, die das Team brauchen wird, um in der 2. Bundesliga erfolgreich zu sein.

Bleibt es aber weiterhin beim Problem, dass S04 kaum Wert auf Ballbesitz legt, dass in der Offensive so gut wie gar nichts geht außer die ermüdenden langen Bälle - dann wiederholt sich bei jungen Spielern wie Bozdogan dieser Serdar-Fehler. Auch Rabbi Matondo beispielsweise leidet als Flügelspieler darunter. Bislang wurde er immer nur als schneller Sprinter in der Spitze für die geschlagenen Pässe missbraucht.


Tweet vom Juni 2020 - schon früh zeigte Bozdogan welches Potenzial er hat.


Selbst wenn noch ein weiterer Kreativspieler für das offensive Zentrum geholt wird: Die Saison in Liga zwei bietet für Bozdogan selbst, aber auch für Schalke die Möglichkeit, diesem jungen Spieler einen kräftigen Schub zu verpassen.

Im Vergleich zu Serdar sind es noch zwei unterschiedliche Positionen. Doch in der Ausgangslage geht es ums Prinzip. Und das war bei den Knappen über die letzten Jahre regelmäßig das Problem. Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ein Abgang von Matthew Hoppe trotz Verbundenheit zum Verein wahrscheinlicher zu werden scheint. Welcher junge Stürmer hätte sich die letzten drei, vier Jahre in den S04-Sturm stellen wollen? Richtig, niemand.

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