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FC Schalke 04

Mehr als bloße Tormaschine: Deshalb ist Terodde so wichtig für Schalke

Yannik Möller
Simon Terodde ist die Lebensversicherung von Schalke
Simon Terodde ist die Lebensversicherung von Schalke / BSR Agency/Getty Images
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Simon Terodde kristallisiert sich - wenig überraschend - als die Schalker Verpflichtung des Sommers heraus. Das liegt zwar auch, aber nicht nur an seinen zahlreichen Treffern. Der Zweitliga-Routinier bringt bei S04 sehr viel mehr ein.


Als es Simon Terodde vor Beginn der Saison zu Schalke 04 zog, befürchteten einige Fans einen Leistungseinbruch des begnadeten Zweitliga-Torjägers. Immerhin war die S04-Offensive der letzten Jahre nicht gerade für ein furioses Aufspielen mit zahlreichen Torchancen bekannt - um es freundlich zu formulieren.

Als Mittelstürmer schien es also die Gefahr zu geben, dass er bei den Gelsenkirchenern erstmalig nicht in der 2. Bundesliga funktioniert. Sorgen, die sich längst in Staub aufgelöst haben. Seine Quote zum Saisonstart ist schon jetzt sehr beeindruckend: In den bisherigen sechs Liga-Partien konnte er bereits sieben Tore erzielen und zwei weitere vorbereiten.

Inzwischen wird er regelmäßig als Lebensversicherung für Schalke, aber auch für Dimitrios Grammozis bezeichnet. Schließlich verdecken seine Tore und die damit verbundenen Punkte die noch immer fehlenden Fortschritte im eigenen Ballbesitz. Noch immer ist die Mannschaft zu sehr auf ihre hohe, individuelle Qualität angewiesen.

Natürlich sind es primär die Treffer, die Terodde für Königsblau so wichtig machen. Philipp Hofmann, Stürmer beim Karlsruher SC, führte es dieser Tage angesichts des Duells am Freitagabend passend aus (via WAZ): "Auf Schalke hat er gute Mitspieler, aber manchmal hat man das Gefühl, Terodde kann aus Scheiße Gold machen."

Mehr als "nur" die Tore: Terodde geht auf Schalke vorweg

Und genau an dieser Stelle liegt auch schon der nächste Punkt. Der 33-Jährige ist nicht auf zahlreiche oder zentimetergenaue Zuspiele angewiesen. Längst hat er gezeigt, dass er nicht nur derjenige ist, der einen Meter vor dem Tor seinen Fuß hinhält.

Das beste Beispiel beim 3:1-Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf. Er bekommt den Ball vor dem Sechzehner halb hoch und etwas ungenau zugespielt, kann ihn aber direkt verarbeiten und scheinbar problemlos abziehen. Der Ball fliegt platziert ins Eck, das Spiel ist entschieden.

Simon Terodde
Vor dem 3:1-Treffer: Simon Terodde kann unter schwierigen Bedingungen abziehen / Frederic Scheidemann/Getty Images

Dass er derartige Zuspiele so gut verarbeiten kann, ist aber nicht nur für den Torschuss von Bedeutung. Für seine Mitspieler ist er als Anspielstation eine sichere Bank. Mehrmals pro Spiel ist zu beobachten, wie Terodde als Zielspieler in der Spitze agiert - selbst beim eigenen Spielaufbau. Sein Team weiß: bei ihm ist der Ball sicher.

Er kontrolliert die Zuspiele dann, schirmt sie vorbildlich von teils mehreren Gegenspielern ab und kann sie im richtigen Moment weitergeben. So hat er wettbewerbsübergreifend auch schon drei Assists sammeln und einige Angriffe initiieren können. Das macht ihn auf dem Feld nicht nur als Torjäger, sondern auch als Anspielstation sehr wichtig.

Selbstverständlich ist seine Erfahrung auch ein Aspekt, der ihm und dadurch auch der Mannschaft hilft. Es gibt nichts, was der Angreifer nicht schon erlebt hätte - insbesondere in der 2. Liga. So wird er nicht unsicher, kann besonnen bleiben und die Spiele, Verläufe, Formkurven richtig einschätzen.

Simon Terodde, Rodrigo Zalazar
Simon Terodde funktioniert auch auf Schalke sehr gut / Christof Koepsel/Getty Images

Dahingehend gab es zuletzt auch Lob vom Trainer: "Bei Simon spielt die Gelassenheit des Alters eine Rolle. Er weiß, dass er geduldig bleiben muss, auch wenn er mal eine Halbzeit lang nicht so im Spiel ist."

Vereint man all diese Aspekte, so ist es nicht verwunderlich, dass Terodde auf Schalke auch als Anführer agiert. Er schweißt eine fast gänzlich neue Mannschaft zusammen, kann ihr wortwörtlich mit Rat und Tat beiseitestehen. Also auf dem Platz, durch seine Leistungen, Spielrollen und vor allem Tore. Aber auch abseits des Feldes, durch seine Erfahrung, Mentalität und Ruhe.

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