FC Schalke 04

Zalazar mit Debüt nach Maß: Er ist die Offensiv-Hoffnung für Schalke

Yannik Möller
FC St. Pauli v 1. FC Nürnberg - Second Bundesliga
FC St. Pauli v 1. FC Nürnberg - Second Bundesliga / Martin Rose/Getty Images
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In seinem ersten Spiel für Schalke zeigte sich Rodrigo Zalazar sehr engagiert, dazu erzielte er direkt ein Tor. Obwohl er noch gar nicht richtig angekommen ist, zeigt er bereits, weshalb er für viele Fans die neue Offensiv-Hoffnung ist.


Mit Simon Terodde hat Schalke 04 den Zweitliga-Torjäger schlechthin. Daneben mit Marius Bülter jemanden, der bislang als sehr gute Ergänzung zu ihm auftritt. Ein personell sehr starker Sturm für die 2. Bundesliga, daran bestehen wohl keine Zweifel. Zumal man mit Marvin Pieringer noch einen aufstrebenden Youngster in der Hinterhand hat.

Trotzdem gibt es noch immer viele berechtigte Sorgen, ob dieser nominell aussichtsreiche Angriff auch über weite Strecken funktionieren wird. Das liegt nicht an Terodde und Bülter, sondern zum einen am (bisherigen) Spielstil des S04 unter Dimitrios Grammozis und zum anderen an den fehlenden Kreativspielern im offensiven Mittelfeld.

Dimitrios Grammozis
Dem Team von Dimitrios Grammozis fehlt es noch an Durchschlagskraft / Selim Sudheimer/Getty Images

Mit Danny Latza hatte man einen Kapitän, der sowohl hinten mitarbeitet, aber auch nach vorne wichtige Akzente setzen kann. Mit Dominick Drexler jemanden, der zwar auch zentral aufspielen kann, sich jedoch ebenso gut als Außenspieler versteht. Daneben mehrere junge Spieler ohne große Erfahrung. Von Yaroslav Mikhailov, über Blendi Idrizi bis zu Can Bozdogan.

In der vergangenen Woche konnte sich Königsblau zudem die Dienste von Rodrigo Zalazar sichern. Ein großer und nicht zu unterschätzender Deal, den Rouven Schröder bewältigt hat. Er ist zwar noch genauso jung wie die eben genannten Spieler, doch hat er sich bereits in der Vorsaison in der 2. Liga gut zurechtgefunden. Er kennt den Wettbewerb und die Gegner, muss sich dahingehend nicht erst noch finden.

Zalazar kommt mit Zweitliga-Erfahrung und Spielwitz: Deshalb ist er die Fan-Hoffnung für die Offensive

In der letzten Saison war er an den FC St. Pauli ausgeliehen. Mit frischen 21 Jahren, kaum Spielpraxis und in einer für ihn gänzlich neuen Umgebung kam er direkt auf sechs Tore und sechs Vorlagen. Er war so unersetzlich, dass er in jedem einzelnen Pflichtspiel des Klubs auf dem Platz stand. Im Liga-Betrieb sogar in 32 von 34 Partien in der Startelf.

Überraschend war das nicht. Der Uruguayer zeichnet sich durch seine klare Rolle auf dem Platz aus. Er spielt im zentralen (offensiven) Mittelfeld, ist dort primär für die Bewegungen in der Offensive verantwortlich. Er hat einen feinen Fuß, eine gute Übersicht, eine gute Arbeitsrate. Zusammen mit seiner Kreativität und seiner Unbekümmertheit ist er erfolgreich.

Eigentlich sind das Aspekte, die den Vorurteilen über die 2. Bundesliga nach nicht sonderlich erfolgreich sein dürften. Immerhin wird doch immer gesagt, diese Liga sei rau, sehr umkämpft und bissig. Zalazar hat direkt unter Beweis stellen können, dass er dennoch durch das Spielen herausragen kann.

Und genau das ist der Punkt, weshalb auf Schalke so viele Fan-Hoffnungen auf ihn ruhen. Was sich über die letzten Jahre zeigte, ist bisher auch in dieser Saison erkennbar: die größten Schwächen haben die Knappen, wenn sie viel Ballbesitz haben und sich selbst viele Torchancen erarbeiten müssen.

Das war auch im DFB-Pokal gegen den Fünftligisten Villingen gut zu erkennen. Es war das erste Pflichtspiel dieser Spielzeit, in dem S04 mehr Ballbesitz hatte als der Gegner. Wenige Tage nach seiner Ankunft in Gelsenkirchen stand der gebürtige Spanier direkt in der Startelf.

Er machte ein sehr ordentliches Spiel, gekrönt von mehreren Torchancen und seinem Debüt-Treffer. Grammozis betonte anschließend seine Stärken, erinnerte jedoch auch an die Kurzfristigkeit seines Einsatzes (via WAZ): "Der Junge ist erst einige Tage bei uns, kennt die Abläufe nicht, so muss man einige Aktionen sehen. Das Tor, das er gemacht hat, zeigt die Qualität, die er hat."

Aus wenig kann Zalazar mit dem Ball am Fuß viel machen. Das wird voraussichtlich die Stärke sein, die er auf Schalke möglichst häufig zeigen muss. Denn es ist nicht zu erwarten, dass die Mannschaft über die nächsten paar Spieltage ein berauschendes Offensivspiel zeigt.

In dieser Nische soll der ausgeliehene und mit einer Kaufoption ausgestattete Youngster zuschlagen. Viele S04-Anhänger wollen dominantere Auftritte sehen, erspielte Torchancen und gute Kombinationen. Dafür ist Rodrigo Zalazar der Hoffnungsträger.

Dass er sich nach seinem Treffer direkt auf das Wappen geschlagen hat, kurz bevor er an den Zaun zu den Fans gesprungen ist, sorgte natürlich für noch mehr Sympathien. Wobei natürlich gerade bei Liebesbekundungen zu Vereinen eine grundsätzliche Vorsicht vorherrschen sollte. Vorerst würde es mehr als genügen, wenn er der Offensive den notwendigen Schub gibt. Das Potenzial und Können dazu hat er zweifelsohne.

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