FC Schalke 04

Schalke: Fan-Stimmungsbild zu Grammozis-Zukunft

Yannik Möller
Dimitrios Grammozis steht in der Kritik
Dimitrios Grammozis steht in der Kritik / Dean Mouhtaropoulos/GettyImages
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Nach drei verlorenen Spielen in Folge wird auf Schalke die Kritik an Dimitrios Grammozis spürbar lauter. Während die Verantwortlichen die notwendige Kontinuität betonen, werden viele Fans immer nervöser. 90min zeigt ein kleines Stimmungsbild der S04-Anhängerschaft.


Die letzten drei Pflichtspiele hat Schalke 04 allesamt verdient verloren. Angefangen beim Pokal-Aus bei 1860 München, über die 0:1-Niederlage in Heidenheim bis zur 2:4-Pleite vor heimischem Publikum gegen Darmstadt 98. Wenig verwunderlich also, dass der Ton bei den Gelsenkirchenern mal wieder deutlich rauer wird.

Das ist aber kein plötzlich auftretender Effekt, weil zuletzt die Punkte fehlten. Dimitrios Grammozis steht im Kern der weiter anwachsenden Kritik. Diese Kritik kommt zwar bislang nur von den Fans und nicht den Vereinsverantwortlichen, doch wird sie spürbar lauter.

Schalke will Kontinuität: Schröder und Knäbel stärken Grammozis

Sportdirektor Rouven Schröder antwortete nach dem Darmstadt-Spiel mit einem klaren "nein" auf die Frage, ob über den Trainer diskutiert werde. Man werde "die Dinge beim Namen nennen", so Schröder, aber das große Ganze werde sicher nicht infrage gestellt.

Ähnlich die Aussagen von Sportvorstand Peter Knäbel (via Sky): "Der Auftritt gegen Darmstadt war insgesamt enttäuschend. Diese Leistung reicht nicht, um in der 2. Bundesliga Spiele zu gewinnen, das muss allen klar sein. Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit, um uns bestmöglich auf ein schwieriges Auswärtsspiel in Bremen vorzubereiten. [...] Spieler, Trainerteam und Staff, alle gemeinsam sind gefragt." Er nimmt Grammozis und sein Team zwar in die Pflicht, betont zugleich aber die gemeinsame Verantwortung.

Aussagen, die bei einigen Fans für noch mehr Unverständnis gesorgt haben. Für die meisten, so der Eindruck in den zahlreichen Kommentarspalten der sozialen Netzwerke, ist der 43-Jährige gescheitert. Oder zumindest müsse er als stark angezählt gelten.


Fan-Stimmungsbild zur Grammozis-Zukunft auf Schalke

Ein kleines Fan-Stimmungsbild zeigt, wie manche S04-Anhänger über den Coach und dessen Zukunft im Verein denken. So wird klar, was genau die Vorwürfe sind und wie schwer sie wiegen. Allerdings gibt es auch noch Fans, die dem Trainer positive Entwicklungen anheften und von einer erneuten Trainerdiskussion absehen.

1. Fabian zieht Parallelen zum falschen Festhalten an David Wagner und sieht keine langfristige Zukunft:

"Laut den Aussagen von Rouven Schröder und den Medienberichten scheint Grammozis zumindest vorerst fest im Sattel zu sitzen. Ich persönlich sehe einen ähnlichen Fehler wie bei David Wagner: Grammozis hat schon zu viel Kredit verloren, um langfristig das Vertrauen der Fans zurückzugewinnen, auch bei einem Aufstieg. Ich hoffe, dass er diesen packt, eine Zukunft mit ihm in der Bundesliga kann es meiner Meinung nach allerdings nicht geben."

- @Kukoranyi


2. Lukas sieht keine spielerische Entwicklung und kritisiert das in der Öffentlichkeit abgegebene Bild:

"Schröder betont in der Trainerfrage den 'Blick auf das Große und Ganze'. Grade hinsichtlich dieses Blickwinkels liefert Grammozis für meinen Geschmack nicht ab. Ja, er hat eine Mannschaft und eine Einheit geformt, grenzenloser Jubel beim Tor von Terodde gegen Düsseldorf oder der Last-Minute-Sieg in Hannover waren schöne Beispiele, die dem Schalker Fan-Herz natürlich gut tun.

Dennoch fehlt mir die spielerische Entwicklung und das Konzept. Das jüngste Beispiel Darmstadt zeigt, dass wir abermals nur durch Standards gefährlich sind. Ballbesitzphasen und Kombinationsspiel im letzten Drittel? Fehlanzeige. Was zu Saisonbeginn schon deutlich wurde, bestätigt sich immer mehr. Schalke ist von gewissen Spielern enorm abhängig, mit dem Ball kopflos und vor allem ausrechenbar für gegnerische Teams. Und hier sehe ich das größte Problem! Grammozis' Plan ist nun bekannt, er hat es verpasst dem Team einen Plan B oder Plan C mitzugeben. 1860 München hat es eindrucksvoll vorgemacht, Heidenheim und Darmstadt haben nachgezogen. Schalke hoch anlaufen, sie zu Fehlern oder langen Bällen zwingen, sowie Terodde und Standards gut zu verteidigen scheint auszureichen. Die Siege, die man holte, sind zum Großteil auf individuelle Qualität einzelner Spieler zurückzuführen.

Hinzukommt, dass Grammozis in der Öffentlichkeitsarbeit ebenfalls keine gute Figur macht. Grade bei einem Verein wie Schalke muss er dieses Handwerk beherrschen. Zu oft flüchtet er sich in Ausreden oder Schönrederei und verschließt sich Fakten, die für jeden Fan augenscheinlich sind.

Für mich persönlich ist klar, dass wir mit dem Fußball nicht aufsteigen werden und uns auch für die weitere Entwicklung des Vereins keinen Gefallen tun, an Grammozis festzuhalten."

- @Dallotelli

Dimitrios Grammozis
Dimitrios Grammozis muss mit S04 zuverlässig punkten / Thomas Eisenhuth/GettyImages

3. Yannick sieht in Grammozis keinen schlechten, aber den für Schalke falschen Trainer:

"Grammozis ist ein Trainer, der eine Mannschaft zusammenbringen und zum Kämpfen bringen kann. Das hat er in Darmstadt hinbekommen und hier ebenfalls. Den Rücken der Mannschaft hat er, das hat man am Sonntag nochmal gesehen, als man bis zum Schluss versucht hat irgendwie ein Tor zu schießen. Das Innenleben der Mannschaft stimmt.

Mein Problem mit ihm ist, dass er es nicht schafft das Potenzial der Mannschaft zu nutzen. Schalke hat viele gute Einzelspieler für eine Mannschaft aus der 2. Liga. Diese können auch harmonieren. Aber offensiv sind die Standards von Ouwejan das Einzige, womit konstant Gefahr ausgestrahlt werden kann. Die Mannschaft wirkt im Ballbesitz komplett planlos, es sind keine Spielzüge einstudiert und man hat keinen Plan B, wenn der Gegner Ouwejan aus dem Spiel nimmt. Nach 13 Spieltagen muss da mehr kommen.

Dazu stellt er mit Palsson einen falschen Sechser auf. Wenn man mit drei Innenverteidigern spielt, braucht man einen spielstarken Sechser davor, der sich nicht im Spielaufbau versteckt. Dazu noch sein Schönreden nach Niederlagen und das krampfhafte Wehren gegen Kritik. Grundsätzlich halte ich ihn nicht für einen schlechten Trainer. Seine Philosophie passt aber eher zu einem kleinen Verein, der gegen Abstieg spielt."

- @19YP98


4. Andre plädiert für mehr Pragmatismus und Realismus statt sich in Wünschen zu verlieren:

"Hier mal ein paar positive Gedanken zu Grammozis:

- Er erreicht meiner Meinung nach immer noch die Mannschaft, die man deutlich als Einheit wahrnehmen kann. Und das war eines der Hauptkriterien, an denen ein neuer Trainer gemessen werden musste: Wieder eine Einheit formen, die füreinander kämpft!

- Er verfolgt einen klaren Plan, wie es auch schon in Darmstadt war. Dafür hat er sich die idealen Spieler zusammenstellen lassen. Den Plan mag nicht jeder, aber er könnte zum Aufstieg führen und nur das zählt.

- was ist der Plan? Defensiv das Zentrum dicht machen mit dem Sechser und drei Innenverteidigern; dazu Aufbau immer über die Außenverteidiger - die großen Lücken zwischen den Reihen sind gewollt, da das Spiel schnell überbrückt werden soll; es ist nicht der Plan die Gegner mürbe zu spielen

- auch Ouwejan und generell Standard-Spezialisten sind geholt worden, da diese in Liga 2 nun einmal noch essentieller sind!

Das alles halten viele nicht für attraktiv, mich eingeschlossen, aber darum geht es nun einmal nicht. Es geht um Erfolg in Form des Aufstiegs. Einige fordern erst ein 'Konzept' und meinen damit eine Idee für Offensivfußball. Das kann man sich aber nicht leisten, da das a) viel seltener zum Aufstieg führt und b) mehr als zwei Jahre im Unterhaus für Schalke finanziell nicht tragbar sind. Es kommt zurzeit auf Realismus an und nicht auf Romantik."

- @AndreVoller

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