FC Schalke 04

Kiel machte das Spiel, aber Schalke die Tore: Erkenntnisse zum S04-Sieg

Yannik Möller
Marius Bülter erzielte seinen Debüt-Treffer für Schalke
Marius Bülter erzielte seinen Debüt-Treffer für Schalke / Selim Sudheimer/Getty Images
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Schalke konnte den groben Fehlstart vermeiden und auswärts in Kiel mit 0:3 gewinnen. Die Gäste machten zwar nicht das Spiel und traten größtenteils erneut passiv auf, zeigten aber wichtige Effektivität und Standard-Gefahr. Die Erkenntnisse zum S04-Sieg in der Übersicht.


1. Schalke entwickelt Standard-Gefahr: Ouwejan auf Terodde

Holstein Kiel v FC Schalke 04 - Second Bundesliga
Der Jubel bei allen Schalker Toren war groß / Selim Sudheimer/Getty Images

Schon bei der Auftaktniederlage schien abzusehen, dass die eigenen Standards eine gefährliche Waffe werden können. Gegen den HSV gab es dadurch die ein oder andere gute Torchance, gegen Kiel gelang Schalke so der frühe Führungstreffer.

Nach einer gespielten Minute konnte Simon Terodde das präzise und mit der notwendigen Wucht hereingebrachte Zuspiel von Thomas Ouwejan ausnutzen und zuschlagen. Das gleiche Spiel 20 Minuten später, erneut der Niederländer auf den Zweitliga-Torjäger.

In der letzten Saison begannen die S04-Fans bei jeder Standardsituation gegen die Knappen zu zittern, nun könnte es umgekehrt laufen. Terodde kann hohe wie flache Zuspiele sehr gut verwerten und Ouwejan diese anscheinend sehr zuverlässig auf ihn schlagen.

Gerade angesichts der weiter mauen Torgefahr aus eigenem Ballbesitz heraus kann eine solche Standardgefahr sehr wertvoll sein.

2. Kiel machte das Spiel - Schalke ließ sich erneut fallen

Holstein Kiel v FC Schalke 04 - Second Bundesliga
Fabian Reese und seine Kieler zeigten einen mutigen und beherzten Auftritt / Selim Sudheimer/Getty Images

So deutlich das Resultat schlussendlich auch ist, der Spielverlauf war grundsätzlich ein anderer - an dieser Beurteilung führt kein Weg vorbei. Obwohl S04 als Favorit in die Zweitliga-Partien geht war zu erwarten, dass Kiel das Spiel mindestens mit- oder alleine bestimmen möchte.

Das taten die Störche auch. Insgesamt hatten die Gastgeber 63 Prozent Ballbesitz. Dass sie eher agierten und Schalke eher reagierte, lässt sich gut an weiteren Statistiken ablesen: So spielte die KSV über 200 Pässe mehr (547 zu 326), hatte auch einen spürbar größeren Anteil an angekommenen Pässen (89 zu 80 Prozent), deutlich mehr Flanken (30 zu zehn) und auch eine Hand voll mehr Dribblings.

Dimitrios Grammozis ließ sein Team also - wie schon gegen den HSV - ziemlich passiv auftreten. Angesichts seiner Aussagen auf der Pressekonferenz vor dem Spiel war diese Herangehensweise aber zu erwarten.

Dennoch spielte Königsblau über die vollen 90 Minuten mit dem Feuer. Kiel kombinierte sich teilweise sehr einfach durch die Schalker Linien, konnte zahlreiche Tiefenläufe in Richtung Sechzehner antreten. Die frühe Führung und hier und da ein Abpraller waren jedoch auf Seiten des S04.

3. Weiter wenig Torgefahr aus Schalker Ballbesitz

Dimitrios Grammozis
Dimitrios Grammozis muss sein Team noch torgefährlich nach Ballbesitz werden lassen / Selim Sudheimer/Getty Images

Es ist und es bleibt ein Faktor, der unter den Schalke-Anhängern für Diskussionen sorgt: durch die bislang vor allem passive Spielweise gibt es nur wenige sowie kurze Ballbesitzphasen. Dementsprechend schwer ist es, sich aus dem eigenen Spiel heraus gute Torchancen zu erspielen.

Das liegt an mehreren Aspekten. Natürlich ist die Mannschaft noch nicht allzu lange zusammen - das darf einerseits weder vergessen, noch andererseits zu hoch gewichtet werden. Durch die sich bildende Fünferkette fehlen beim Umschalten nach Ballgewinn oft die Außenspieler, um theoretisch gute Ausgangslagen richtig auszuspielen.

Das dominante, torchancen-reiche Auftreten, das Grammozis vor der Saison angekündigt hat, ist somit noch nicht zu sehen. Noch ist S04 auf Fehler des Gegners oder auf die Gefahr aus ruhenden Bällen angewiesen.

So geschehen bei bisher allen Toren: Teroddes Treffer gegen den HSV - ein Ballgewinn im Mittelfeld zuvor. Seine beiden Tore gegen Kiel aus Standardsituationen. Der Debüt-Treffer von Marius Bülter erneut ein Ballgewinn durch Kiel-Fehler im Aufbauspiel.

In den nächsten Spielen muss es diesbezüglich Verbesserungen geben. Sonst wird es Schalke vergleichsweise früh schwer fallen, zu klaren Torchancen zu kommen.

4. Effektivität nun ein Freund von Königsblau

Marius Bülter
Marius Bülter traf nach Kieler Druckphase zum 0:3-Entstand / Selim Sudheimer/Getty Images

Die Torchancen, die Schalke am Sonntag hatte, haben sie genutzt. Aus ihren fünf Schüssen aufs gegnerische Tor wurden drei genutzt. Kiel hatte zwar insgesamt deutlich mehr Schüsse, doch fanden diese zu selten den Weg auf das Gehäuse von Michael Langer.

Ein sich erneut insbesondere durch Terodde entwickelnder Faktor: Der Absteiger scheint nicht mehr allzu viele Torschüsse zu benötigen, um zu treffen. In Anbetracht der bisweilen noch verbesserungswürdigen Gefahr aus dem Spiel heraus ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Gegen tiefstehende Gegner kann ein frühes oder überraschendes Tor dafür sorgen, dass sich dieser aus der Abwehrhaltung wagen muss. Auch das würde zum Vorteil für Schalke werden. Bei aller berechtigten Kritik über die Herangehensweise und die Interpretation der Spieler: diese Effektivität ist sehr viel wert.

5. Ranftl überzeugt noch nicht: Aydin wieder im Fokus

Holstein Kiel v FC Schalke 04 - Second Bundesliga
Mehmed Aydin im Duell mit Ex-Knappe Steven Skrzybski / Selim Sudheimer/Getty Images

Bereits vor den ersten Testspielen war klar, dass auf den beiden Außenspielern ein besonderer Fokus liegen würde. Alleine schon aufgrund des anvisierten 3-5-2. Sie müssen mitverteidigen, aber auch zu Torchancen führen können.

Während Ouwejan auf links einen bisher sehr guten Job erledigt, konnte sich Reinhold Ranftl auf rechts noch nicht auszeichnen. Schon gegen Hamburg nicht, gegen Kiel ebenso wenig. Vor allem offensiv kann er sich bisher noch nicht zeigen.

Folgerichtig der Wechsel zur zweiten Hälfte: Ranftl musste für Mehmet Aydin Platz machen. Beide würden sich in der Trainingsleistung wenig tun, so Grammozis vor der Partie.

Und tatsächlich war der Youngster auch auffälliger. Zwar hatte auch Aydin den ein oder anderen Fehler in seinem Spiel, hätte auch ein Tor erzielen müssen. Doch gelang es ihm spürbar häufiger in Ballbesitz zu unterstützen und mehr Flexibilität einzubringen, als dem Österreicher. Damit dürfte sich Aydin wieder in den Fokus gespielt haben.

6. Aue als nächster Gegner

Dimitrios Grammozis
Der Spielplan führt Schalke ins Duell mit Aue / Selim Sudheimer/Getty Images

Mit dem HSV und Kiel hat Schalke nun zwei spielstarke Gegner hinter sich gebracht. Einen Aufstiegsfavoriten und einen zurecht erneut ambitionierten Klub. Am dritten Spieltag (nach der ersten Pokal-Runde) wartet mit Erzgebirge Aue ein Team, das sich vermutlich eher im unteren Tabellendrittel einfinden wird.

Aue wird ebenso voraussichtlich passiv und ohne große Lust auf viel Ballbesitz aufspielen. Somit hat S04 mit dieser Mannschaft alle drei Gegner-Typen einmal bespielen müssen. Anschließend wird sich ein erstes, kleines Fazit ziehen lassen.

Gegen die Sachsen wird das Team von Grammozis also zeigen müssen, wie sie selbst bei einem abwartendem Gegner agieren werden. Dann muss das Offensivspiel funktionieren, möchte man direkt den nächsten Sieg einfahren. Gelingt das nicht, droht ein ziemlich zähes Freitagabendspiel (13. August).

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