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FC Schalke 04

Die Jugend lässt Schalke jubeln - verdienter Sieg gegen Frankfurt

Yannik Möller
Florian Flick brüllt die Freude über sein Tor-Debüt heraus
Florian Flick brüllt die Freude über sein Tor-Debüt heraus / Lars Baron/Getty Images
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Es war die große Überraschung des Bundesliga-Samstags: Entgegen aller Erwartungen gewinnt Schalke das Heimspiel gegen Königsklassen-Aspiranten Frankfurt. Allen voran im Fokus: Mehrere Jugendspieler, die auch persönliche Erfolge feiern durften. Selten genug in dieser Saison, aber man muss auch loben können.


"Wenn eine Mannschaft, die bereits abgestiegen ist, den Sieg mehr will als eine Mannschaft, die noch um die Champions League kämpft, ist das ernüchternd", zog Sebastian Rode nach dem Schlusspfiff ein ehrliches Fazit. Den Auftritt von Eintracht Frankfurt am Samstagnachmittag fasste er ebenso treffend zusammen: "Wir haben versagt."

Anders kann man es wohl auch nicht formulieren. Dass Schalke 04 dieses vorerst letzte Heimspiel in der Bundesliga mit 4:3 gewinnen konnte, war schon jetzt die Überraschung des Spieltages. Die bis vor dem Spiel schlechteste Offensive der Liga schießt vier Tore gegen den Königsklassen-Aspiranten. Ein solches Szenario hätte im Sinne der Eintracht keinesfalls passieren dürfen. Ein herber Schlag, der so gut wie sicher das Aus der Champions-League-Träume auf der Zielgeraden bedeutet.

Djibril Slow
Die Eintracht zeigte sich nach dem Spiel zurecht sehr enttäuscht / LEON KUEGELER/Getty Images

Und wie Rode bereits sagte: Schalke wollte diesen Sieg mehr. Sowohl in der ersten, als auch in der zweiten Halbzeit gab es gute Torchancen auf beiden Seiten. Schlussendlich hatten die Gäste zwar den ein oder anderen Torschuss mehr, doch von einem unverdienten Heimsieg der Knappen konnte man nicht wirklich sprechen.

Der S04 zeigte sich in weiten Teilen des Spiels engagiert, in anderen weiterhin sehr anfällig - was wiederum zu erwarten war. Dennoch konnte man der Elf, die Dimitrios Grammozis aufbot, guten Gewissens abkaufen, dass sie sich für einen den Umständen entsprechend soliden Abschied aus der Veltins-Arena aufbäumen wollten. Die Führung durch dem Elfmeter-Nachschuss von Klaas-Jan Huntelaar half dabei als Dosenöffner und sorgte erneut früh für ein kleines Erfolgserlebnis.

Gegen Frankfurt im Fokus: Schalker Nachwuchsspieler belohnen sich für den Vorstoß zu den Profis

Während des ganzen Spiels im Fokus: Die Jugendspieler von Königsblau, die sich über die letzten Wochen in die Mannschaft spielen konnten. Durch den katastrophalen Saisonverlauf, viele Ausfälle und die Corona-Quarantäne einiger Profis selbstverständlich begünstigt, doch danach kräht nach dem Sieg kein Hahn mehr.

So war es Blendi Idrizi, der in der 52. Minute den sehr schnellen Ausgleichstreffer zum zwischenzeitlichen 2:2 erzielen konnte. Sein erstes Tor im zweiten Profi-Spiel, sehenswert vorbereitet vom Hunter. Direkt sprintete der 23-Jährige zur Seitenlinie, wo er zunächst Mike Büskens abklatschte und dann Gerald Asamoah umarmte. Beide kennen sich bestens aus der U23.

Blendi Idrizi
Blendi Idrizi freut sich mit Gerald Asamoah über sein erstes Profi-Tor / LEON KUEGELER/Getty Images

Nur acht Minuten später war es Florian Flick, der ebenfalls sein Tor-Debüt feiern durfte. Auch er bekam seinen Treffer ansehnlich aufgelegt, allerdings von Matthew Hoppe, der in der Halbzeitpause ins Spiel gekommen war und einen sehr guten Eindruck hinterließ. Flick fackelte im Strafraum nicht lange und schob den Ball ins linke Eck - Kevin Trapp blieb ohne Chance. Auch er freute sich sichtlich über diesen Meilenstein, der schon im dritten Auftritt wartete.

Wiederum vier Minuten darauf durfte sich ein weiterer Youngster in die Torschützen-Liste eintragen: Hoppe, der das 2:2 auf Vorbereiter Huntelaar einleitete und das 3:2 direkt vorbereitete, traf nach einem 30-Meter-Dribbling selbst. Der 20-Jährige hätte sich durchaus auch zu einem Abspiel in die Mitte entscheiden können, schloss mit einer gewissen Portion Selbstbewusstsein aber selbst ab.

Matthew Hoppe
Auch Matthew Hoppe konnte erneut für Schalke treffen / Lars Baron/Getty Images

Es war ein Spiel, in dem die blau-weißen Youngster im Mittelpunkt standen. Timo Becker stand erneut die vollen 90 Minuten auf dem Feld und Mehmet-Can Aydin kehrte in die Startelf zurück. Aufgrund von Oberschenkelproblemen wurde er etwa 25 Minuten vor dem Abpfiff ausgewechselt. Henning Matriciani, ebenfalls aus der U23, kam dadurch zu seinem Bundesliga-Debüt. Er setzte den Tor-Debüt-Trend des Tages allerdings nicht weiter fort.


"Die Zukunft hat bereits begonnen" - vorsichtiger Optimismus für die neue S04-Generation

Auch wenn es nur ein einzelnes Spiel war, das keineswegs überbewertet werden darf: Viele S04-Fans freuten sich für und mit den jungen Spielern. Wohlwissend, dass man in der nächsten Saison noch mehr von ihnen sehen wird. Einerseits, weil mehr auf die Jugend gesetzt werden soll. Andererseits, weil nicht allzu viele Spieler von außerhalb (für Geld) verpflichtet werden können.

Und dennoch kann man es wohl als ein erstes kleines Aufblitzen des Ziels bezeichnen, das es in der 2. Bundesliga zu verfolgen gilt: Eine erfolgreiche Truppe, die Wille und Leidenschaft als Grundtugend begreift, mit starkem Zug in den gegnerischen Strafraum vorstoßen möchte und dabei auf die neue Generation (aus der eigenen Knappenschmiede) setzt.

Das Ziel am letzten Spieltag wird ebenso einfach zu formulieren wie schwer umzusetzen sein: Den engagierten, oftmals mutigen (aber längst nicht fehlerfreien oder souveränen) Auftritt gegen Frankfurt wiederholen, wenn es gegen den 1. FC Köln geht.

Die Vorbereitung auf die nächste Saison, sie hat längst begonnen. Einige Fragen sind noch offen, insbesondere die Trainerfrage. Wenngleich ein einzelnes Spiel keinen allzu großen Einfluss auf eine so bedeutsame Personalie haben sollte, so dürfte die Gunst für Grammozis durch diesen 4:3-Erfolg doch deutlich gestiegen sein.

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