SC Freiburg

Freiburg auf Champions-League-Kurs - und mal wieder unter dem Radar

Yannik Möller
Der SC Freiburg ist noch immer ungeschlagen
Der SC Freiburg ist noch immer ungeschlagen / Stuart Franklin/GettyImages
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Der SC Freiburg jagt den FC Bayern und den BVB, steht dabei völlig verdient auf einem Champions-League-Platz. So möchte Christian Streich diese Momentaufnahme natürlich nicht bewerten. Dennoch müsste der Klub aus dem Schwarzwald - mal wieder - gefeiert werden.


Zurzeit gehört der SC Freiburg einer höchst elitären Gemeinschaft an. Zutritt haben nur Vereine, die in der laufenden Saison noch kein einziges Ligaspiel verloren haben. Der eine oder andere mag nun verdutzt auf die Tabelle der Bundesliga schauen, aber es stimmt. Die Truppe von Christian Streich ist nach neun Spieltagen noch ungeschlagen.

Dahingehend steht der Liga-Dritte auf einer Linie mit Klubs wie Real Madrid, dem FC Liverpool oder auch AC Milan und SSC Neapel. Wie es sich gehört: Vereinsnamen, die man ja durchaus in einem Atemzug mit den Freiburgern nennen würde. Oder eher nicht.

Eine Serie, die auch längst nicht nur durch das Abgrasen der unteren Plätze zustande kommt. Gegen den BVB wurde beispielsweise gewonnen, gegen RB Leipzig gab es ein Remis - das mit etwas mehr Schiedsrichter-Glück sogar durchaus ein weiterer Dreier hätte werden können. Der dritte Platz ist es also, den der Sportclub derzeit belegt.

SC Freiburg
Passend zum neuen Stadion bekommen die SC-Fans ihren Erfolg / Alex Grimm/GettyImages

Freiburg verdient jedes Lob - Wertsteigerung des Teams durch eigene Erfolge

Dieser Erfolg wird zwar hier und da lobend erwähnt. Doch er erfährt nicht die Lobeshymnen, die eigentlich angebracht wären. Bei jedem Erfolg, über den in Verbindung mit Freiburg gesprochen wird, muss die sogenannte Herkunft des Klubs berücksichtigt werden. Was Streich und Co. über die letzten Jahre aufgebaut haben, sucht seinesgleichen.

Blickt man auf die aktuellen Kaderwerte, so hat man sich inzwischen auf den zehnten Platz vorkämpfen können. Etwas mehr als 130 Millionen Euro sind die Spieler zusammengerechnet ca. wert. Allerdings wäre es unfair, diese Summe und diesen Platz zu nehmen, um zu argumentieren, dass ein Platz in der oberen Tabellenhälfte mittlerweile gar keine so große Überraschung mehr ist.

Schließlich ist Freiburg selbst für diese Steigerung verantwortlich. Es gibt eine Hand voll Spieler, die diese Werte tragen. Roland Sallai etwa wird mit 16 Millionen Euro beziffert. Vor drei Jahren kam er zum Klub, damals mit lediglich zwei Millionen Euro beziffert. Philipp Lienhart spielte erstmals mit einem Wert von 800.000 Euro für den SC auf - heute steht er bei 14 Millionen Euro.

Philipp Lienhart, Nico Schlotterbeck
Philipp Lienhart und Nico Schlotterbeck gehören zu den wertvollsten Freiburgern / Stuart Franklin/GettyImages

Ähnliches gilt für Nico Schlotterbeck. Er kam aus der vereinseigenen U19 zu den Profis. Noch vor zwei Jahren lag sein Marktwert bei gerade einmal 300.000 Euro. Eine Saison und eine weitere Leihe zu Union Berlin später sind es 13 Millionen Euro bei ihm. Von der Sommerpause aus hat er diese Summe fast verdoppeln können (Daten via transfermarkt).

Ein wichtiger Aspekt, hat der SC Freiburg diese Werte doch selbst geschaffen. Der mit Abstand teuerste Transfer für diese Saison war Maximilian Eggestein, für fünf Millionen Euro. Im Liga-Vergleich eine beinahe schon lächerlich niedrige Summe. Die Breisgauer geben weiterhin wenig Geld aus, machen aus wenig viel und stehen nach etwa einem Viertel der Saison auf einem Champions-League-Platz - ungeschlagen.

Streich bleibt auf dem Teppich: "Wir müssen uns immer wieder verbessern"

Das hat viel mehr Respekt und Lob verdient, als das anerkennende Nicken hier und da, wie es zurzeit der Fall ist. Christian Streich holt als Trainer so häufig so viel aus der Mannschaft und dem ganzen Verein heraus, dass der aktuelle Run schon gar nicht mehr als besonders außergewöhnlich angesehen wird. Das allein ist schon ein großes Testament.

Christian Streich
Christian Streich möchte die aktuelle Serie richtig einordnen / Alexander Hassenstein/GettyImages

Er selbst möchte davon naturgemäß nichts wissen. "Wir müssen uns immer wieder verbessern, demütig bleiben und arbeiten", mahnte er nach dem 2:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg (via FAZ). "Ich lasse mich nicht blenden. Es ist jetzt wunderbar, sowas hatten wir noch nie nach neun Spieltagen. [...] Ich weiß aber auch, wie schnell es anders laufen kann. Wir wissen schon, woher wir kommen und wer wir sind."

Streich würde wohl am liebsten weiterhin primär auf das Erreichen des Klassenerhalts blicken, so wie man ihn kennt. Kann gerne gemacht werden: nach gerade einmal neun Spielen hat Freiburg schon mehr als die Hälfte der Punkte erreicht, die in den letzten Jahren für den sicheren Verbleib in der Liga gereicht hätten. So kann man es in SC-Manier, von einem Königsklassen-Platz aus, natürlich auch sehen.

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