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FC Schalke 04

Nach Sané-Ausfall: Schalkes Wunsch-Abwehr zum Saisonstart

Yannik Möller
Dimitrios Grammozis muss erste Planungen für die Abwehr abändern
Dimitrios Grammozis muss erste Planungen für die Abwehr abändern / Christof Koepsel/Getty Images
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Mit dem Ausfall von Salif Sané müssen sich auf Schalke die Planungen zur Abwehrreihe ändern. Dimitrios Grammozis könnte dafür auf verschiedene Personal-Mixe zurückgreifen. Eines zeichnet sich ab: Die Verteidigung wird mehrere junge Spieler (in Führungspositionen) beinhalten.


Wie hätte es auch anders kommen sollen? Erneut wird Salif Sané dem FC Schalke 04 fehlen, erneut ist es ein Knie-Problem. Dieses Mal jedoch auf der anderen Seite. Mindestens eine längere Ausfallzeit wird befürchtet, der kicker sprach dieser Tage sogar von einzelnen internen Sorgen bezüglich potenzieller Sportinvalidität.

Für Dimitrios Grammozis heißt das vor allem eines: Den Senegalesen, den er überraschend doch für die 2. Bundesliga (im Falle ausbleibender Angebote) eingeplant hatte, muss er in seinen Gedankenspielen ersetzen. Besonders ärgerlich, will der Coach doch aus einer Dreierkette heraus spielen lassen.

Salif Sane, Victor Palsson
Salif Sané wird Schalke - erneut - auf unbestimmte Zeit fehlen / Christof Koepsel/Getty Images

Mit den bei S04 gebliebenen Timo Becker und Malick Thiaw, dem Neuzugang Marcin Kaminski und den Abgabe-Kandidaten Ozan Kabak sowie Matija Nastasic hat Königsblau derzeit nur fünf richtige Innenverteidiger im Kader. Sané bereits rausgerechnet und Victor Palsson als Not-Alternative (eigentlich defensives Mittelfeld) nicht inbegriffen.


Das wahrscheinlichste Trio

Den bisherigen Trainings- und Testspiel-Eindrücken zufolge dürfte das wahrscheinlichste Dreierketten-Trio aus Becker, Thiaw und Kaminski bestehen. Zum aktuellen Zeitpunkt wären diese drei auch die Besetzung im Liga-Alltag. Im Test gegen Zenit St. Petersburg, als Sané bereits ausfiel, spielten sie von Beginn an zusammen.

Natürlich gab es auch zwischen ihnen noch Unstimmigkeiten, alles andere wäre jedoch überraschend. Kaminski ist ganz neu dabei, Thiaw hat in der Vorsaison erst einmal nur 19 Liga-Einsätze gehabt. Jetzt soll sich das ändern, er wird in der Verantwortung stehen. Becker, der letzte Saison häufig als Außenverteidiger fungierte, muss sich auch noch etwas in der Rolle zurechtfinden.

Im Trainingslager in Mittersill arbeiteten die drei in Übungen ebenfalls zusammen. In einem Abschlussspiel komplettierte sogar ein Co-Trainer die Abwehr des Gegnerteams, damit sich das Trio auf der anderen Seite zusammen einspielen konnte. Ein klares Indiz für die weiteren Planungen. Schon jetzt lässt sich sagen: Ohne weitere Transfers, die dann in die erste Elf rücken könnten, ist das Schalkes Wunsch-Dreierkette.


Welche Alternativen gibt es im Kader?

Richtige Alternativen für das angesprochene Trio gibt es eigentlich nicht. Bei der Aufzählung möglicher Spieler für die Abwehrreihe fiel schon auf: Eigentlich sollen sie den Klub verlassen (Nastasic) oder sind woanders eingeplant (Palsson). Viel hing von Sané ab, dazu wäre vermutlich ohnehin noch ein Neuzugang für die Kette angedacht gewesen.

Zur Not könnten neben Palsson auch Omar Mascarell und Florian Flick in die Innenverteidigung rücken. Doch auch dieser Schritt wäre alles andere als problemlos. Mascarell ist ebenfalls ein Abschiedskandidat: er möchte S04 verlassen, möglichst wieder in die Heimat wechseln und verdient auch nicht gerade wenig. Noch ist er aber nicht weg, beim Training schien er sich reinzuhängen. Im Test gegen Zenit enttäuschte er jedoch eher.

Florian Flick
Florian Flick (21) startet mit Schalke in seine erste Profi-Saison / Christof Koepsel/Getty Images

Flick geht in seine erste Profi-Saison. Er ist im defensiven Mittelfeld zu Hause, hat in seinen ersten Einsätzen im vorigen Schlussspurt der Saison gezeigt, dass er auch als Verbindung zur Offensive agieren kann. Den 21-Jährigen direkt von Anfang an in eine ihm unbekannte Rolle drängen zu müssen, das wäre alles andere als hilfreich. Weder für ihn selbst, noch für S04.

Man merkt: Die Knappen sind in der Innenverteidigung auf Kante genäht. Sané fällt zumindest vorerst aus, Nastasic und Kabak sollen gehen. Und schon bleiben eigentlich nur noch Becker, Thiaw und Kaminski übrig. Alle anderen Alternativen wären, und das gilt es an dieser Stelle auch zu betonen, absolute Not-Lösungen - und damit eine Schwächung für das ganze Team.


Die Außenspieler

In der Abwehr nicht zu vergessen: Die beiden Außenspieler. Sie sollen die Offensive zwar möglichst tatkräftig unterstützen, wenn man selbst in Ballbesitz ist. Wenn notwendig sind sie jedoch auch dafür zuständig, aus der Dreier- eine Fünferkette werden zu lassen. Somit gehören sie natürlich auch der Abwehr an.

Auf diesen beiden Positionen sieht es schon etwas entspannter aus. Die beiden Neuzugänge Thomas Ouwejan (auf links) und Reinhold Ranftl (auf rechts) werden die Stammspieler sein. Dafür wurden sie geholt und das hat sich auch in den ersten Tests und den Trainingseinheiten herauskristallisiert.

Thomas Ouwejan
Thomas Ouwejan wird auf der linken Schalker Seite auflaufen / Christof Koepsel/Getty Images

Für beide gibt es zwar äußerst junge, aber immerhin passende Alternativen. Auf der linken Seite steht mit Kerim Calhanoglu einer der spannendsten S04-Youngster zur Verfügung. Besonders gut: Der 18-Jährige (Geburtstag im August) versteht seine Rolle als Links(außen)verteidiger auch offensiv. Er geht die notwendigen Wege gerne mit, kann dabei auch seine Stärken einsetzen. Genau das, was auf dem Papier auch gefordert wäre.

Auf der rechten Seite hat sich Mehmet-Can Aydin bereits einen Namen machen können. Abgesehen vom klassischen Rechtsverteidiger kann der 19-Jährige auf seiner Seite eigentlich alle Rollen einnehmen. Das hilft, wird auch er der erste Einwechselspieler für den rechten Schienenspieler geben. In seinen sechs Einsätzen zum Liga-Ende konnte er durchaus überzeugen. Vor allem sein Einsatz sorgte für positives Feedback.

Kerim Calhanoglu
Kerim Calhanoglu ist eine der jungen Alternativen für die Außen / Christof Koepsel/Getty Images

Auf den Außen hat man somit zwei bereits erfahrenere Spieler, die als klare Stammspieler fungieren werden. Abgesichert von zwei Youngstern, die auf Spielzeit drängen und somit für einen guten Konkurrenzkampf sorgen dürften.


Umbaumaßnahmen und Transfers für die S04-Abwehr

Eines dürfte angesichts der Personallage klar sein: Mit der aktuellen Anzahl an Innenverteidigern kann Schalke die Saison nicht überstehen. Hier und da werden Spieler ausfallen, und wer die Verletztenmiseren der Gelsenkirchener kennt, würde sich wohl etwas wundern, wenn zu irgendeinem Punkt der Spielzeit nicht gleich die ganze Dreierkette ausfallen würde.

Es besteht somit dringender Handlungsbedarf. Eine Variante, den Innenverteidiger-Mangel anzugehen, wäre eine Viererkette. So würde ein zentraler Abwehrspieler frei und zur Alternative werden. Auch das hatte Grammozis bereits trainieren lassen. Dann müssten Thiaw, Becker und Kaminski die beiden freien Positionen unter sich ausmachen, einer würde auf die Bank rücken.

Ohnehin braucht S04 die Option, auch ohne größere Probleme auf die Viererkette wechseln zu können. Je nach Gegner oder Spielverlauf muss eine solche Umstellung möglich sein. Allerdings ist, aufgrund dieser Notwendigkeit davon auszugehen, dass die Viererkette eher als Not-Option antrainiert wird. Somit nicht als nahezu gleichwertige Alternative. Es wird bei der Dreierkette bleiben, diese Planungen können nun nicht mehr über den Haufen geworfen werden.

Dementsprechend braucht es noch Verstärkung. Minimum einen, eher zwei weitere Innenverteidiger. Auf ein (baldiges) Comeback Sanés kann man sich keinesfalls verlassen. Da aber zwei potenzielle Einwechselspieler auf der Bank Platz nehmen müssten - für den Fall der Fälle - wird man um weitere Transfers nicht herumkommen.

Rouven Schröder
Rouven Schröder muss sich auch noch nach Innenverteidigern umsehen / Christof Koepsel/Getty Images

Ein schwieriges Unterfangen: der Kader ist zu groß, Geld nicht vorhanden, Abgänge und dadurch finanzielle Entlastung derzeit nicht in Sicht. Gerüchte zu Innenverteidigern gibt es momentan ebenso wenig. Das hingegen muss anscheinend nichts mehr heißen auf Schalke, wurden die letzten Spieler doch alle ohne Medienwirbel verpflichtet.


Die Schalke-Abwehr zum Saisonstart - zum aktuellen Stand

Ouwejan - Kaminski, Thiaw, Becker - Ranftl

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