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Real Madrid

Éder Militao: Nach zweieinhalb Jahren endlich bei Real Madrid angekommen

Guido Müller
Aus der königlichen Innenverteidigung mittlerweile nicht mehr wegzudenken: Éder Militao
Aus der königlichen Innenverteidigung mittlerweile nicht mehr wegzudenken: Éder Militao / Quality Sport Images/GettyImages
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Geduld zahlt sich am Ende (meistens) aus. Davon können sie nun auch bei Real Madrid ein Lied singen - am besten mit Éder Militao als Protagonisten. Denn der hat bei den Königlichen ein Jahr voller Extreme erlebt und geht in das anstehende 2022 mit der Etikette des Unantastbaren.


Das Panorama hätte vor knapp einem Jahr, im Januar 2021, kaum hoffnungsloser sein können für den 23-jährigen Brasilianer.

Das Team, befehligt von einem ausgepowerten Zinédine Zidane, befand sich damals in einer handfesten Krise. Es war nicht in der Lage, Liga-Kellerkinder wie Elche, Osasuna oder Levante zu schlagen, es verlor den spanischen Supercup (gegen Bilbao) und flog, zu schlechter Letzt, auch noch peinlicherweise gegen den Drittligisten CD Alcoyano aus dem spanischen Pokal (1:2 n.V.).

Verkaufskandidat Éder "Limitao"

Zu diesem Zeitpunkt war Militao einer der wahrscheinlichsten Kandidaten auf einen Winter-Transfer. Das Wortspiel "Limitao" (von "limitado" = limitiert, beschränkt) machte unter den Fans öfter die Runde, als es dem Ex-Porto-Spieler lieb sein durfte.

Immerhin hatten die Königlichen für den Innenverteidiger im Sommer 2019 satte 50 Millionen Euro an die Nordportugiesen überwiesen, um sich die Dienste eines der stärksten Verteidiger der Liga NOS zu sichern.

Doch lange Zeit sah es nach dem klassischen Transfer-Flop aus. In seiner ersten Saison, 2019/20, kam der Brasilianer kaum einmal an den Stamm-Innenverteidigern Sergio Ramos und Raphael Varane vorbei.

Wirklich besser wurde Militaos Situation auch in seiner zweiten Spielzeit zunächst nicht. Trotz der sich häufenden Verletzungen bei Ramos und Varane. Eine im November 2020 eingefangene Corona-Infektionen, sowie eine Rot-Sperre und kleinere Blessuren im Januar dieses Jahres machten die Situation nicht besser für den Südamerikaner.

Ramos-Ausfall ein Glücksfall für Militao

Doch dann kam der 3. April 2021. Ein erneuter Rückfall bei Ramos ließ Zidane beim Spiel gegen die SD Eibar für eine Dreierkette optieren - mit Militao auf der linken Seite. Und von da an verpasste dieser keine einzige Spielminute mehr - und spielte sich kontinuierlich in die Stamm-Elf der Blancos.

Sergio Ramos
Sein langfristiger Ausfall ab dem April öffnete Militao die Türen zur Stamm-Elf: Sergio Ramos / James Williamson - AMA/GettyImages

Zum Vergleich: zwischen seiner Ankunft im Sommer 2019 und besagtem Spiel gegen Eibar bestritt Militao insgesamt 26 Pflichtspiele für Real Madrid - in den etwas mehr als acht Monaten seitdem waren es 39 (von 40 möglichen). Verloren haben die Madrilenen davon nur drei.

Ganz klar: neben dem offensiven Tandem Benzema-Vinicius ist es vor allem dessen defensives Pendant, formiert vom Ex-Münchener David Alaba und eben Éder Militao, das für den derzeitigen Aufschwung des spanischen Rekordmeister maßgeblich verantwortlich ist.

Neunzehn Spiele absolvierten der Österreicher und der Brasilianer gemeinsam - nur eines davon (gegen Sheriff Tiraspol in der Champions League) ging verloren. 15 Siege und 3 Remis zieren die Leistungsbilanz der neuen königlichen Innenverteidigung.

In der heimischen Liga weist nur der traditionell defensivstarke FC Sevilla, mit 13 Gegentoren, eine bessere Bilanz als Real Madrid (16 Gegentore) auf. Bei allerdings auch einem Spiel weniger für die Andalusier.

David Alaba, Eder Militao
Eines der stärksten Innenverteidiger-Gespanne der spanischen Liga: Éder Militao und David Alaba / Denis Doyle/GettyImages

Carlo Ancelotti hat auch eine Erklärung für diese Leistungsexplosion seines einstigen Sorgenkindes parat: "Er ist jetzt fokussierter auf seine Position, hat sich taktisch enorm verbessert. Technisch war er sowieso schon stark. Da ist er top. Zudem ist er gut im Kopfballspiel und extrem stark in den Zweikämpfen. Darüber hinaus klappt die Abstimmung mit Alaba und dem Rest seiner Abwehrkollegen nun immer besser." (via marca.com)

So gut, dass im Bernabéu-Stadion nunmehr kein ungeduldiges Grummeln oder gar offene Ablehnung seitens der Fans zu vernehmen ist, wenn Militao am Ball ist, sondern ihm immer öfter Applaus auf offener Bühne, wie zuletzt beim Champions League-Spiel gegen Inter Mailand, zuteil wird.

Von einem gewissen "Limitao" spricht im Umfeld von Real Madrid nun keiner mehr. Manchmal bedarf es eben nur ein bisschen Geduld.

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