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Borussia Mönchengladbach

Pro und Kontra: Wäre es für Gladbach besser, Europa zu verpassen?

Stefan Janssen
Denis Zakaria (l.) in der Champions League gegen Citys Bernardo Silva.
Denis Zakaria (l.) in der Champions League gegen Citys Bernardo Silva. / Laszlo Szirtesi/Getty Images
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Ob wir wollen oder nicht - ab Sommer startet mit der European Conference League ein dritter europäischer Wettbewerb, in dem auch ein Bundesligist antreten wird. Während Max Kruse von Union Berlin gar keine Lust darauf hat, ist man bei Borussia Mönchengladbach offen für alles: jeder internationale Wettbewerb sei ein Erfolg, stellte Sportdirektor Max Eberl klar. Aber wäre es der Einzug in die Conference League wirklich? Argumente gibt es für beide Seiten.


Pro Conference League: Auswirkungen auf den Kader

Natürlich hat die Europa Conference League jetzt nicht gerade ein gutes Standing. Woher auch? Nicht einmal die Europa League findet große Beachtung, wenn das eigene Team nicht mehr dabei ist. Trotzdem handelt es sich um einen europäischen Wettbewerb, in dem man sich auf internationaler Bühne präsentieren kann. Das dürfte sich auf den Kader der Gladbacher auswirken. Matthias Ginter wird im Sommer bestimmt eher wechseln, wenn die Fohlen gar nicht in Europa spielen. Das gehört zu diesen "Unwägbarkeiten", von denen er zuletzt sprach. Die Conference League ist sicher besser als nichts.

Matthias Ginter
Matthias Ginter. / Christof Koepsel/Getty Images

Ähnlich könnte das Denis Zakaria beeinflussen, der durch die Verpflichtung von Adi Hütter ja vielleicht doch nochmal bleibt. "Es wird hier nichts untergehen, es wird kein dramatischer Ausgang sein, wenn wir Europa verpassen sollten", sagte Eberl zwar am Wochenende bei Sky, doch der Einzug in den Europapokal, egal welchen, hilft.

Er könnte auch jungen Spielern helfen, sich zu entwickeln. Spielern wie Rocco Reitz oder Jordan Beyer, die trotz der Belastung in der Champions-League-Hammergruppe keine Einsatzchancen bekommen haben. In der Conference League könnten sie die Stammspieler entlasten und wichtige internationale Erfahrung sammeln, wenn der Gegner mal etwas kleiner ausfällt. So könnte man aus der Situation, "nur" diesen kleinen, neuen Wettbewerb erreicht zu haben, das beste machen.

Kontra: Die Conference League ist unattraktiv für Spieler, Fans und Verein

Das Teilnehmerfeld der Conference League wird wirklich nicht besonders attraktiv. Die Europa League speckt für den neuen Wettbewerb auf 32 Teams ab, die 16 Teilnehmer, die hinten runter fallen, spielen dann eben unter anderem in den Play-offs der Conference League. Dazu kommen zum Beispiel auch die Verlierer aus der dritten Qualifikationsrunde der Europa League, die bis dato einfach ausgeschieden gewesen wären. Im vergangenen Jahr wären also illustre Namen wie Sheriff Tiraspol, NK Celje, KF Drita oder Suduva Marijampole dabei gewesen.

Die größte Attraktivität kommt durch die Top-5-Ligen, durch die international bekannte Vereine wie eben Borussia Mönchengladbach, Tottenham Hotspur, FC Villarreal oder AS Rom, die dabei sein könnten. Der Großteil des Teilnehmerfeldes ist aber eher uninteressant. Das hat zur Folge, dass Spieler wie Max Kruse ganz offen sagen, dass sie eigentlich gar keine Lust auf die Conference League haben. Damit steht er sicher nicht alleine da. Und auch unter den Fans steht der Wettbewerb nicht hoch im Kurs.

Wie sehr die Vereine finanziell profitieren, ist final noch nicht geklärt. Es dürfte aber weniger Geld geben als in der Europa League, wo die Prämien schon nicht wahnsinnig hoch sind. Dort gab es in der vergangenen Saison für das Erreichen der Gruppenphase ein Startgeld von 2,92 Millionen Euro. Im besten Falle, also wenn eine Mannschaft jedes Spiel in der Gruppe und am Ende auch den Titel gewonnen hätte, wären rund 13,4 Millionen Euro an Prämien drin gewesen. Das Startgeld der Champions-League-Gruppenphase ist schon höher (15,25 Millionen Euro). Gladbach würde finanziell also nicht besonderes profitieren.

Pro: Auch die Conference League wird ihren Charme haben

In Zeiten, in denen die Fußballwelt gegen die Super League rebelliert, weil es doch langweilig ist, wenn jede Woche Real Madrid gegen Manchester City spielt, kann die Europa Conference League genau den Charme verbreiten, den so viele Fußballfans vermissen. Aus Sicht der Borussia kann es doch ganz interessant sein, auf etwas ausgefallenere Gegner zu treffen. Wie wäre es zum Beispiel mit dem aktuell zweiten der albanischen Liga, dem FK Partizani Tirana? Eine Reise ins wunderschöne Air Albania Stadium, sofern dann wieder erlaubt, wäre nicht schlecht.

Und mal ganz im Ernst: Wenn unter der Woche abends das Flutlicht zum Europapokal angeht, dann hat es immer etwas besonderes. Auch die Conference League wird unter gewissen Umständen einen Charme entwickeln können. Und wenn es für die Gladbacher, die zu den Favoriten gehören würden, weit geht und dann doch Klubs wie Tottenham oder Rom warten, wird es sowieso interessant.

Kontra: Für Adi Hütter könnte es schwieriger werden

Mit Adi Hütter bekommt die Borussia im Sommer einen neuen Trainer. Hütter mag zwar ebenfalls durch die RB-Schule beeinflusst sein, doch hat der Österreicher natürlich seine ganz eigene Art, wie er seine Mannschaft spielen lassen will. Darauf müssen sich die Spieler der Gladbacher erst einmal wieder einstellen.

Viel Zeit wird dafür nicht sein. Nach der Vorbereitung würden recht zeitnah die Play-offs der Conference League anstehen und dann, sofern diese erfolgreich sind, die Gruppenphase. Bis Weihnachten gäbe es also acht englische Wochen und sobald die Saison läuft kaum Zeit, groß an taktischen Finessen zu arbeiten. Auch aus Sicht der Belastung wären Pausen unter der Woche nicht schlecht: Schließlich ist das aktuell schon eine wahnsinnig harte Saison, an deren Ende viele Spieler durch die Europameisterschaft nicht viel Urlaub haben werden.

Für Gladbachs neuen Trainer wäre eine ausgeruhte Mannschaft, mit der er unter der Woche in Ruhe arbeiten kann, vielleicht besser als die ständigen Europapokalreisen zu vielleicht eher mäßig interessanten Spielen. Ein Verpassen des internationalen Geschäfts könnte sich unter Umständen also positiv auf die kommende Saison auswirken, so wie es bei Hütters Frankfurtern in dieser Spielzeit der Fall ist.

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