FanVoice

Englische Premier League: Die Dominanz ist nicht mehr zu stoppen!

Simon Zimmermann
Nach der EM-Enttäuschung ist auf der Insel vor der Premier League - und die verspricht wieder einiges
Nach der EM-Enttäuschung ist auf der Insel vor der Premier League - und die verspricht wieder einiges / GES-Sportfoto/Getty Images
facebooktwitterreddit

Was die Three Lions einfach nicht schaffen wollen, macht die Premier League seit Jahren vor: Titel gewinnen. International ist die englische Elite-Klasse finanziell so rosig aufgestellt wie keine andere der Top-Ligen in Europa. In diesem Sommer setzt sich der Trend fort und veranlasst uns zu einer Beckenbauer'schen Prophezeiung.


"Wir sind jetzt die Nummer eins in der Welt und schon lange die Nummer eins in Europa. Jetzt kommen die Spieler aus Ostdeutschland noch dazu. Ich glaube, dass die deutsche Mannschaft über Jahre hinaus nicht zu besiegen sein wird", erklärte Franz Beckenbauer nach dem deutschen WM-Titel 1990. Und fügte eine Entschuldigung an die Konkurrenz hinzu: "Es tut mir leid für den Rest der Welt, aber wir werden für die nächsten Jahre nicht zu besiegen sein."

Wer will schon einem Kaiser widersprechen? Zumal es in der Tat danach aussah, als ob die deutsche Nationalmannschaft den Weltfußball in den Jahren nach dem dritten WM-Titel dominieren würde. Das Team war mit Topstars gespickt, die Spieler aus der DDR kamen hinzu.

Doch die Beckenbauer'sche Prophezeiung trat nicht ein. 1992 verlor Deutschland das EM-Finale sensationell gegen Dänemark, '94 schied man bei der WM im Viertelfinale aus.

Den Fußball kann man nicht voraussagen - oder mittlerweile doch?

Die Worte des Kaisers haben vor über 30 Jahren eindrucksvoll gezeigt, wie unberechenbar der Fußball sein kann. Doch gilt das in der heutigen Zeit auch noch? Mit Abstrichen: ja! Immer wieder gibt es faustdicke Überraschungen, immer wieder werden wir von fast schon romantischen Underdog-Stories verzückt. Doch es wird merklich weniger. An der Spitze - insbesondere im Klub-Fußball - tummeln sich die immer gleichen Namen.

Die berühmte Schere zwischen Arm und Reich - sie ist im Klubfußball so ausgeprägt wie noch nie. Und droht sich immer weiter zu überstrecken. Deutlich sichtbar wurde das an den Plänen einer Super League, die die Super-Reichen noch reicher machen sollten und den Rest der europäischen Klubs völlig außer Acht ließ.

Nun, diese Pläne sind zwar krachend gescheitert. Eine Art elitäre Super League zeichnet sich aber auch so schon ab. Die Folgen der Corona-Pandemie haben diesen Trend nur noch weiter verstärkt. Gelegen ist diese "Super Liga" nicht auf dem europäischen Festland, wo Großklubs wie Real Madrid, FC Barcelona, Juventus Turin oder der FC Bayern fast schon verzweifelt um den (finanziellen) Anschluss kämpfen. Bei einigen (wie in Katalonien) seit Jahren auf Kosten eines immensen Schuldenbergs.

Gelegen ist diese "Super Liga" auf einer Insel. Genauer gesagt in Großbritannien. Oder noch genauer: in England (erstreckt bis nach Wales). Denn die Premier League bastelt immer weiter am Nimbus der reichsten Liga der Welt.

Premier League marschiert davon: Auf Jahre unbesiegbar?

In diesem Transfer-Sommer wird das deutlich sichtbar. Gezeichnet (angeblich) von Corona, im Wartestand (angeblich) nach der EM, haben die Premier-League-Klubs jetzt schon wieder über 500 Millionen Euro ausgegeben. Und bei dieser halben Milliarde sind die kommenden Transfers von Raphael Varane (50 Millionen Euro Ablöse) und Ben White (rund 58 Millionen Euro) noch nicht mal einberechnet.

Ach ja, Harry Kane und Jack Grealish könnten auch noch dazu kommen. Beide sollen jeweils über 100 Millionen Euro kosten. Und was die Blues für Erling Haaland aufbieten wollen, dürfe hinlänglich bekannt sein...

Die Milliarden-Hürde könnte die Premier League in diesem Sommer angreifen. Die anderen Top-Ligen können davon nur träumen. Zum Vergleich: die Bundesliga gab bislang knapp 290 Millionen Euro aus, die Serie A folgt dahinter mit gut 260 Millionen, vor der Ligue 1 (233 Millionen Euro). Erst auf Rang fünf folgt Spanien, mit fast schon mickrigen 120 Millionen Euro. Auf der iberischen Halbinsel, wo der Transfer-Geldbeutel in den vergangenen Jahren so locker lag, muss gespart werden.

Noch aussagekräftiger sind die Saldo-Zahlen. Also die Summe aus Einnahmen und Ausgaben im bisherigen Transfer-Sommer:

Englische Dominanz im Europapokal über Jahre hinweg garantiert

Ein gutes Beispiel für die finanzielle Ausnahmestellung der Premier League ist auch die geplante Vertragsverlängerung von Man City mit Keeper Ederson. Der Brasilianer steht bei den Cityzens noch bis 2025 unter Vertrag - also noch vier weitere Jahre. Dennoch soll das Arbeitspapier nochmals um drei Jahre, bis 2028 (!), verlängert werden! Die finanziellen Rahmenbedingungen des Kontrakts kann man erahnen.

Die Premier League zieht finanziell allen davon - der Trend droht sich in den kommenden Jahren nur noch zu verstärken. Mithalten können da wohl nur noch einzelne Klubs. Etwa PSG, dank der Kohle aus dem nahen Osten.

Dass sich im vergangen Jahr zwei englische Klubs im Champions-League-Finale duellierten, kann in diesem Kontext nur als Indiz für die Premier-League-Dominanz herhalten. Schließlich gab 2013 ein rein deutsches Endspiel, ohne dass irgendjemand auf die Idee einer Beckenbauer'schen Prognose gekommen wäre. Ein rein englisches Finale gab es aber auch schon 2019 (Liverpool - Tottenham). Blickt man auf die vergangene Europapokal-Spielzeit und schaut man sich die Paarungen im Halbfinale an, wird der Eindruck erhärtet: Jeweils zwei von vier Klubs im Halbfinale der Champions- und Europa League stammten aus der englischen Elite-Liga.

Führt man alle Paramenter zusammen, kann man nur zu einem Schluss kommen: Die englische Premier League wird den Weltfußball über Jahre hinweg dominieren. Garantiert! Franz Beckenbauer würde zustimmen - und hätte dieses Mal recht!

facebooktwitterreddit