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Vierkampf um den Premier-League-Titel: Die englischen Top-Klubs im Power Ranking

Dominik Hager
Wird Manchester City entthront? Uns erwartet ein packender Vierkampf
Wird Manchester City entthront? Uns erwartet ein packender Vierkampf / Michael Regan/Getty Images
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Nach dem klaren Start-Ziel-Sieg von Manchester City in der vergangenen Saison, dürfen wir uns in der laufenden Premier-League-Spielzeit auf einen packenden Vierkampf einstellen. In der Sommer-Transferperiode konnten schließlich die drei Verfolger-Teams Manchester United und der FC Chelsea wichtige Verstärkungen hinzu gewinnen, während beim FC Liverpool Abwehr-Star Virgil van Dijk wieder mitmischen kann. Das Power-Ranking im Kampf um die englische Krone:


4. FC Chelsea

Jorginho, Cesar Azpilicueta, Callum Hudson-Odoi, Tammy Abraham
Mike Hewitt/Getty Images

Das spricht für Chelsea:

Die Blues sind unter Thomas Tuchel definitiv wieder eine ernst zu nehmende Truppe. Dies hat das Team mit dem Champions-League-Triumph und der Aufholjagd in der Liga hinlänglich bewiesen.

Besonders prominent ist das Mittelfeld mit Spielern wie Kanté und Europas Fußballer des Jahres Jorginho besetzt. Mit Romelu Lukaku haben die Londoner zudem einen echten Top-Transfer gelandet. Der Belgier gehört zu den besten fünf Mittelstürmern der Welt und ist der Torjäger, den man zuletzt vermisst hat. Im Vergleich zu Timo Werner ist die Sturm-Kante definitiv ein gewaltiges Upgrade.

Die Londoner können zudem auf eine stabile Defensive und ein enormes Repertoire an Offensivspielern bauen. Den jungen Spielern wie Havertz oder Pulisic ist zudem eine noch bessere und konstantere Saison zuzutrauen.

Das spricht gegen Chelsea:

Es ist kein Zufall, dass die Londoner zuletzt ausgerechnet die Champions League gewinnen konnten. Mit ihrer guten Defensive, gezielten offensiven Nadelstichen und einer gewissen Effektivität haben sie gegen Top-Teams genau die richtigen Qualitäten.

Allerdings fällt es den Blues oft schwerer als anderen Top-Teams selbst die Initiative zu ergreifen. Gegen tief stehende Gegner sind insbesondere die Manchester-Klubs wohl noch eine Ecke stärker. Demnach droht auch den Londonern der ein oder andere Punktverlust gegen schwächere Teams.

Zudem verfügt der Klub auch nicht auf jeder Position über die absoluten Top-Stars. Die Schienenspieler Chilwell und James gehören nicht zur Weltklasse und sind vor allem in der Vorwärtsbewegung nicht sonderlich stark.

Somit wird es in der Chancenerarbeitung auf wenige Spieler ankommen. Sehr viel Last liegt hier beispielsweise auf Mount und Havertz. Spielen die beiden Kreativposten schlecht, hängt auch ein Lukaku schnell in der Luft.

Prognose:

Die Londoner haben trotz Lukaku zu kämpfen und verlieren langsam aber stetig den Kontakt an die Tabellenspitze. Für den vierten Rang reicht es dennoch locker, da die Spurs keine konstante Saison auf Top-Niveau liefern können und der FC Arsenal noch viel weiter dahinter landet.

3. FC Liverpool

Roberto Firmino, Alex Oxlade-Chamberlain, Virgil Van Dijk, James Milner, Andy Roberton
Laurence Griffiths/Getty Images

Das spricht für Liverpool:

Bis auf Wijnaldum sind alle Top-Stars aus den grandiosen Saisons 2018/19 und 2019/20 noch oder besser gesagt wieder beisammen. Zudem sind mit Thiago, Jota und Konaté neue Spieler dabei, die den Kader verstärken können und das zum Teil schon in der Vorsaison getan haben.

Vieles spricht für eine wesentlich rundere Saison als die teilweise dramatische Spielzeit 2020/21. Nachdem im Vorjahr quasi die gesamte Innenverteidigung verletzt war, hat Jürgen Klopp mit Van Dijk, Gomez, Matip und Konaté wieder die Qual der Wahl.

Prinzipiell sind die Reds auf jeder Position stark besetzt und haben vom deutschen Coach eine klare Philosophie auf den Weg bekommen. Den Liverpooler Power-Fußball werden wir mit einer stabilen Abwehr im Rücken sicherlich wieder häufiger zu Gesicht bekommen.

Die individuelle Qualität von Salah, Mané oder dem Widergenesenen van Dijk sollte dafür sorgen, dass es für die Reds wieder um die ganz großen Titel geht.

Das spricht gegen Liverpool:

Keiner weiß genau, wie gut die Rückkehrer wirklich wieder drauf sind. Insbesondere Kreuzbandverletzungen beschäftigen Spieler oft noch über Monate oder Jahre hinweg. Ob wir den absoluten Weltklasse-van-Dijk so schnell wieder sehen ist definitiv nicht gewiss. Zudem muss im Mittelfeld die Power von Wijnaldum ersetzt werden, der nach Paris gewechselt ist.

Das nächste ganz große Problem der Reds ist die Chancenverwertung. In der Vorsaison verlor der FC Liverpool regelmäßig Spiele, in denen man die klar besseren Gelegenheiten hatte. Zuletzt zeigte sich das Problem wieder gegen den FC Chelsea. Die Blues konnte das Team von Jürgen Klopp trotz Überzahl und drückender Überlegenheit nicht bezwingen.

Der immer wieder auftretende Chancen-Wucher führt zudem zu häufig zu Punktverlusten gegen kleinere Gegner. Dies kann bei der enormen Dichte in der Premier League zum Problem werden. Ein echter Knipser hätte sicher geholfen, da Firmino nicht mehr die Form seiner besten Tage besitzt.

Prognose:

Der FC Liverpool spielt eine deutlich konstantere Saison als im Vorjahr, lässt aber dennoch im Vergleich zu den Manchester-Klubs zu viele Punkte gegen die Underdogs liegen. Selbst wenn die Reds in den Duellen mit den direkten Konkurrenten abliefern, reicht es nur zu Rang drei.

2. Manchester City

Kevin De Bruyne, David Silva, Oleksandr Zinchenko
Laurence Griffiths/Getty Images

Das spricht für Manchester City:

Als Titelverteidiger sind die Cityzens natürlich der erste Anwärter auf den Meistertitel. Der Klub konnte erwartungsgemäß alle Spieler halten und hat mit Jack Grealish noch einen weiteren Top-Mann hinzubekommen, selbst wenn die Ablöse sicherlich ein wenig übertrieben war.

Von allen englischen Top-Klubs sind die Skyblues vermutlich das am besten eingespielte und am ausgeglichen besetzte Team. Sollte Kevin De Bruyne in diesem Jahr durchgängig fit sein, ist sogar noch ein wenig mehr Konstanz und Kreativität im Offensivspiel zu erwarten.

Hinzu kommt, dass Manchester City die Liga mit wenigen Ausnahmen seit Jahren dominiert und gegen schwächere Teams weniger anbrennen lässt als die Konkurrenz. Mit Pep Guardiola verfügt die Mannschaft zudem einen exzellenten Trainer, der offenbar deutlich besser weiß, wie man nationale als internationale Titel einheimst.

Das spricht gegen Manchester City:

Nach der klaren Meisterschaft aus der Vorsaison könnte die Luft im nationalen Geschäft ein wenig raus sein. Hier wird Guardiola mächtig Arbeit leisten müssen, um seinen Stars das nötige Feuer auf den Weg geben zu können. Wenn es aber einen Coach gibt, dem das gelingen kann, dann ist das zweifellos der Katalane. Trotz allem wird der Fokus in dieser Saison vor allem auf der Champions League liegen. Hier muss nach all den vergeblichen Anläufen endlich der Titel her. In der Liga könnte Guardiola also durchaus häufiger rotieren, was immer eine gewisse Gefahr mit sich bringt.

Die einzige kleine Schwäche im Kader ist mutmaßlich im Mittelsturm zu finden. Ein Harry Kane hätte dem Team sicherlich gut getan. Das Konzept mit einer falschen Neun funktioniert nicht immer und auch Gabriel Jesus hat den Sprung zum Weltklasse-Stürmer noch nicht ganz geschafft. Der Brasilianer entwickelt sich zudem immer mehr zu einem Flügelstürmer. Einen klaren Knipser sucht man demnach weiterhin vergeblich.

Prognose:

Die Skyblues werden Herbstmeister und spielen bis zum Ende der Saison um den Titel mit. Am Ende ist aber der Lokal-Rivale die entscheidenden Prozent heißer und entreißt dem amtierenden Meister die Trophäe. Am Ende der Saison steht Rang zwei auf dem Tableau, was Pep Guardiola gründlich ärgert.

1. Manchester United

Cristiano Ronaldo
Laurence Griffiths/Getty Images

Das spricht für Manchester United:

Die Red Devils haben sich - nach PSG - vermutlich von allen europäischen Top-Klubs am deutlichsten verstärkt. In der Abwehr konnte das Team aus Manchester mit Raphaël Varane endlich einen zweiten Top-Spieler neben Harry Maguire verpflichten, der dessen Geschwindigkeitsdefizite ausgleichen kann.

Der Ex-Dortmunder Jadon Sancho wird für noch mehr Tempo und Kreativität vom Flügel sorgen und das Offensivspiel mit seinen brillanten Dribblings beleben.

Dank der Rückkehr von Cristiano Ronaldo sollte der englische Rekordmeister zudem auch endlich wieder das Winner-Gen in sich tragen, dass dem Klub in den letzten Jahren sträflich abhanden gekommen war.

Umso heißer dürfte der Vize-Meister aus dem Vorjahr aber auch sein, endlich wieder einen großen Titel abzuräumen. An der Qualität sollte es eigentlich nicht scheitern. Der Klub hat mit Spielern wie Pogba, Fernandes oder Cristiano Ronaldo echte Top-Stars mit dabei und mit Greenwood und Sancho herausragende Talente. Die Mischung zwischen Alt und Jung könnte besser eigentlich nicht sein.

Der Traditionsklub könnte zudem ein Gewinner der Zuschauer-Rückkehr werden. Das Old Trafford wird in den Heimspielen beben, zumal die Fans nach dem Ronaldo-Coup doppelt heiß auf die Saison sein dürften.

Das spricht gegen Manchester United:

Wenngleich David de Gea einen starken Saisonauftakt hatte, dürfen wir nicht vergessen, dass der spanische Torhüter in den vergangenen Spielzeiten recht häufig gepatzt hat. Für einen Meistertitel darf sich der Keeper solche Wackler nicht mehr erlauben.

In der Abwehr besitzen Varane und Maguire zwar definitiv Weltklasse-Potenzial, leisten sich aber auch ab und an Unkonzentriertheiten und unverständliche Patzer. Außerdem fehlt im zentralen Mittelfeld neben bzw. hinter Paul Pogba ein zweiter Top-Spieler. Wenn man bedenkt, dass viele große Spiele im Mittelfeld entschieden werden, könnte das im Kampf um den Titel noch eine Rolle spielen.

Ein weiteres Manko könnte sein, dass sich die vielen Neuzugänge erst einspielen müssen.

Prognose:

Angespornt vom Ronaldo-Transfer spielen die Red Devils eine grandiose Saison. Nach einer noch leicht schwankenden Hinrunde dreht United in der Rückrunde voll auf und eilt unter dem tosenden Applaus der Fans von Erfolg zu Erfolg.

Insbesondere das portugiesische Duo Bruno Fernandes und Cristiano Ronaldo harmonieren prächtig. Am Ende wird das Team nach 2013 erstmals wieder Meister.

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