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Borussia Mönchengladbach

Danke, Oscar! Die zehn Jahre des Schweden bei der Borussia im Rückblick

Christian Gaul
Oscar Wendt schrieb bei der Borussia Geschichte
Oscar Wendt schrieb bei der Borussia Geschichte / PATRIK STOLLARZ/Getty Images
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Nach zehn Jahren bei der Borussia wird der 35-Jährige Oscar Wendt nach der laufenden Saison in seine Heimat Schweden zurückkehren. Somit ist es an der Zeit, sich bei einem Spieler zu bedanken, der den kompletten Gladbacher Weg der vergangenen Dekade mit geprägt hat.


Wie der Verein kürzlich mitteilte, wird man den im Sommer 2021 auslaufenden Vertrag mit Oscar Wendt nicht verlängern. Der schwedische Linksverteidiger wird zu seinem Jugendklub IFK und damit auch in seinen Geburtsort Göteborg zurückkehren.

"Für meine Familie und mich ist es an der Zeit, nach Hause nach Schweden zu gehen. Vermissen werde ich vor allem die Menschen, mit denen ich in den zehn Jahren bei Borussia zusammen gearbeitet, Erfolge gefeiert, Rückschläge kassiert, gelacht und geweint habe - und natürlich die Spiele im vollen Borussia-Park mit den fantastischen Fans, die Borussia immer bedingungslos unterstützen", äußerte sich Wendt nach der offiziellen Verkündung seines kommenden Abschieds.

Bei IFK Göteborg, das in den letzten Jahren immer mehr vom Top-Klub ins Mittelmaß driftete, will der verlorene Sohn für alte Glanzzeiten sorgen. "Ich möchte uns dorthin zurückbringen, wo wir hingehören", lautet die selbst auferlegte Mission des 35-Jährigen.

Als Vorbild könnte er sich gerne seine Zeit in Gladbach nehmen, denn als Wendt 2011 an den Niederrhein wechselte, fand er im Vergleich zum Zeitpunkt seines Abschieds einen anderen Klub vor.

Wendt begleitet den Gladbacher Aufschwung (fast) von Beginn an

Nachdem Wendt die Jugendmannschaften von IFK durchlaufen hatte, feierte er dort im Mai 2006 sein Debüt für die Profis in der Allsvenskan. Kurioserweise war es bislang sein einziges Spiel in der höchsten Liga seines Landes, denn inklusive seinem Mitwirken im UI-Cup kommt Wendt insgesamt auf nur fünf Einsätze für die erste Mannschaft von IFK.

Der Grund dafür war auch, dass der dänische FC Kopenhagen schon länger ein Auge auf den technisch starken Außenverteidiger geworfen hatte und Wendt nur wenige Wochen nach seinem Debüt für IFK im Juli 2006 verpflichtete.

Für die Dänen bestritt Wendt insgesamt 186 Pflichtspiele und sicherte sich in vier seiner fünf Vertragsjahre die Meisterschaft der Superligaen. Als er dann im Sommer 2011 zur Borussia ging, kam er als aktueller schwedischer Nationalspieler zu einem Klub, der in der Vorsaison erst über die Relegation gegen den VfL Bochum den Klassenerhalt in der Bundesliga sichern konnte.

Oscar Wendt
Oscar Wendt startete in Kopenhagen durch / EuroFootball/Getty Images

Am Ende seiner ersten Spielzeit wurde Wendt mit der Borussia Vierter - ein überragendes Ergebnis für den Fast-Absteiger aus dem Vorjahr. Doch Wendt selbst kam dabei auf nur 16 Einsätze, da er sich anfangs hinter dem langjährigen Kapitän Filip Daems einreihen musste.

Auch seine zweite Gladbacher Saison begann schleppend, doch nachdem er am zehnten Spieltag in die Mannschaft rückte, gab er seinen Startplatz kaum noch ab. Insgesamt lief er 2012/13 in bereits 28 Partien für die Borussia auf - die Ablösung von Daems war perfekt.

In die Spielzeit 2013/14 kam Wendt ebenso verspätet, stand aber ab dem sechsten Spieltag immer in der Startelf, bis er sich im Februar 2014 eine schwere Innenbandverletzung zuzog, die ihn für mehrere Monate außer Gefecht setzte. In den folgenden Jahren kam der Schwede jedoch immer jeweils auf über 30 Einsätze, bis ihm der Algerier Ramy Bensebaini in der laufenden Saison endgültig den Rang ablief. Dabei spielte Wendt mit der Borussia jeweils dreimal in der Europa League und in der Königsklasse auf.

Oscar Wendt
Oscar Wendt feierte viele Erfolge mit der Borussia / PATRIK STOLLARZ/Getty Images

Somit lässt sich festhalten, dass Wendt von 2012 bis 2020 ein fester Bestandteil der Gladbacher Mannschaft war, die sich in dieser Zeit vom Abstiegskandidaten zum regelmäßigen Teilnehmer des internationalen Wettbewerbs entwickelte. Auch der letzte ewige Kritiker am "zu langsamen" und "zu pomadigen" Linksverteidiger kann diesen Zusammenhang nicht wegdiskutieren.

Bis hierhin stehen 299 Einsätze für Wendt zu Buche, damit ist er nicht nur Borussias Rekord-Ausländer. Vielmehr befindet er sich in der Gesamtrangliste der Gladbacher Rekord-Spieler auf Rang 17 - passenderweise seine Trikotnummer.

Die 300 wird Oscar Wendt in seiner letzten Gladbacher Saison hoffentlich noch erreichen, bevor er sich zurück nach Schweden begibt. Nach einer Dekade der Erfolge und Rückschläge, einem eigens dem Schweden gewidmeten Song und vielen weiteren Höhepunkte, wird der verdiente Profi wohl leider ohne Fans im Stadion verabschiedet werden müssen.

Wir, die Gladbacher Fans und die gesamte Bundesliga, sagen "Danke, Oscar" für zehn wunderbare gemeinsame Jahre und wünschen dir alles erdenklich Gute für deinen weiteren Weg.

Hejdå och vi ses snart - auf Wiedersehen und bis bald!

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