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"Natürlich fehlen uns momentan die Argumente.": Labbadia und Preetz vor dem Aus?

Christopher Kleis
Jan 23, 2021, 10:11 PM GMT+1
Die Luft wird dünn bei Hertha BSC Berlin.
Die Luft wird dünn bei Hertha BSC Berlin. | ODD ANDERSEN/Getty Images
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Hertha BSC Berlin verliert das Topspiel gegen Werder Bremen mit 1:4. Nach der Niederlage gegen die TSG 1899 Hoffenheim die nächste hohe Pleite für die Blau-Weißen. Die Art und Weise ist wieder mal inkonsequent. Die Verantwortlichen müssen sich jetzt den unangenehmen Fragen stellen. Wie soll es jetzt mit Trainer Bruno Labbadia und Manager Michael Preetz weitergehen?

Eine Trennung ist alternativlos

Eigentlich kann es darauf nur ein Antwort geben. Beide müssen gehen. Bruno Labbadia hat schon oft bewiesen, dass er zum Feuerwehrmann taugt. Den VfB Stuttgart, den HSV und den VfL Wolfsburg bewahrte er vor dem Abstieg. Die letzten zwei rettete er sogar in der Relegation. Ein Krisenmanager ohne Frage, aber ist der ehemalige Nationalspieler auch einer für einen längeren Zeitraum?

Guendouzi ganz alleine nach der Niederlage gegen Werder Bremen.
Guendouzi ganz alleine nach der Niederlage gegen Werder Bremen. | Boris Streubel/Getty Images

In Hamburg wurde er in seiner ersten Amtszeit vom Hof gejagt, weil man Europa verpasste. In Wolfsburg war letzte Saison auch nach einem Jahr schon Schluss. Er hatte sich mit Jörg Schmadtke überworfen. Dieses Image des ewigen Retters, der einspringt, wenn ein Verein Abstiegsängste hat, wollte Labbadia nun in Berlin ablegen. Aber ein Blick auf die Statistiken zeigt, dass er dazu nicht taugt.

Bei der Hertha hat er bis zum 17. Spieltag in 28 Spielen an der Seitenlinie einen Punkteschnitt von 1,11 Punkten pro Spiel. Es ist der schlechteste seiner Karriere. Mit so einem Wert kann man die Vorstellungen von Europa, die Investor Lars Windhorst groß verkündet hatte, nicht erreichen. Am Ende zählen die Punkte. Und die reichen momentan nur zu einem Platz kurz vor den Abstiegsrängen. Die Bild titelte schon kurz nach der Pleite gegen Bremen, dass das Labbadia-Aus beschlossene Sache sei.

Michael Preetz muss sich endlich eingestehen, gescheitert zu sein

Die Einkäufe zünden nicht wie gewünscht.
Die Einkäufe zünden nicht wie gewünscht. | Maja Hitij/Getty Images

Manager Michael Preetz muss sich genauso in die Verantwortung für die sportliche Talfahrt nehmen wie der Trainer. Seit mittlerweile 12 Jahren ist er als Geschäftsführer Sport und Kommunikation im Amt. Spielte selbst sieben Jahre lang für die Hauptstädter. Er kennt den Verein vielleicht wie kein anderer und ist dadurch intern unangreifbar geworden, aber die Enthüllungen von Jürgen Klinsmann haben gezeigt, woran das liegt. Preetz erledigt seine Arbeit schlecht und umgibt sich mit ihm loyalen Mitarbeitern.

Das Kapitel Klinsmann ist eine Geschichte für sich. Trotzdem kann man viel daraus mitnehmen. Denn es zeigt, wie gut Michael Preetz als Krisenmanager fungiert. Mit dieser Rolle kommt er nämlich überhaupt nicht zurecht. In seiner Amtszeit gab es zwei direkte Abstiege und viermal war die Hertha in der Gefahrenzone. Eine grausame Bilanz.

Was dazu kommt sind das mangelnde Händchen bei Spielern und Trainern. Insgesamt sieben verschiedene Trainer durften sich in Berlin seit seinem Amtsantritt ausprobieren. Keiner davon ging zum Vertragsende. Auch bei Spielertransfers versagte er in hohem Maße. Unter seiner Führung erwirtschafteten die Berliner bisher ein Minus von 92,36 Mio. Euro. bei dem teure Spieler wie Lukebakio nicht richtig zünden und das Team scheint nicht homogen zusammengestellt zu sein. Rekord-Neuzugang Tousart ist nicht so wirklich angekommen. Es scheint keine richtige Einheit auf dem Platz zu stehen. Für die Kaderplanung ist Preetz verantwortlich und hat ganz klar versagt.

Schon vor dem Spiel gegen Bremen gab es vor dem Stadion Proteste

Die Fans verlieren verständlicherweise die Geduld mit der alten Dame. Schon vor dem Bundesliga-Spiel gegen Werder Bremen versammelten sich mehrere Anhänger vor dem Stadion. Ihre klare Forderung: Weg mit Preetz, raus mit Labbadia. Und wer kann es ihnen verdenken? Die aktuelle Situation ist prekär und muss schnellstmöglich gelöst werden.

Der erste Schritt wäre ein Rücktritt von Michael Preetz. Die Tage von Labbadia in Berlin sind voraussichtlich gezählt. Nun muss der komplette Umbruch geschafft werden. Zunächst damit Hertha in der Bundesliga bleibt und danach nicht von den eigenen Zielen aufgefressen wird. Der Einstieg und das Geld von Lars Windhorst waren eine große Gelegenheit für die Berliner. Aber bisher haben die Verantwortlichen nichts draus gemacht.

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