Nations League

Kaum intensive und ansehnliche Spiele in der Nations League: Alles andere als überraschend

Yannik Möller
Joshua Kimmich
Joshua Kimmich / Alexander Hassenstein/GettyImages
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Einige Zuschauer merken an, dass es bei den aktuellen Partien in der Nations League zumeist wenig intensiv und ansehnlich abläuft. Das ist längst nicht nur, aber auch bei der deutschen Nationalelf der Fall. Angesichts des Turniers und weitere Umstände ist das aber nicht überraschend. Ein Kommentar.


Mannschaften, die sich sonst über einen sehr intensiven Spielstil - etwa durch ein nahezu permanentes Pressing - definieren, denen jene Intensität abgeht. Teams, die normalerweise deutlich besser performen und zurzeit nachlassen. Einzelne Spieler, denen trotz sehr guten, letzten Monaten kaum noch etwas gelingt.

Phänomene, die dieser Tage mehrfach in der Nations League zu beobachten sind. Das bemerken auch viele Zuschauer. Da ergeben die Kommentarspalten in den sozialen Netzwerken ein oftmals geeintes Bild.

Kurzum: Die Luft ist raus.

Die Luft ist raus: Vier Spiele in elf Tagen - und das nach langer Saison

Die Spieler haben eine lange und intensive Saison hinter sich. In manchen Ligen waren die letzten Partien gerade einmal zwei Wochen her, da standen die Profis schon wieder für ihr Land auf dem Platz. Den nahtlosen Übergang im Trainingsbetrieb sollte man dabei auch nicht vergessen.

Abgesehen von den ein, zwei Winter-Wochen, die auch längst nicht in allen Ligen als kurze Verschnaufpause dienen, ist der letzte Urlaub dieser Hochleistungssportler etwa ein Jahr her. Seitdem haben sie Woche für Woche, teilweise auch mehrfach pro Woche, auf höchstem Niveau ihren Sport betrieben.

Die Spieler sind schlichtweg K.O. Das erklärte auch Louis van Gaal am Samstagabend, nach dem 1:1-Remis gegen Polen: "Über die ganze Saison habe ich ein schnelles Passspiel und tolle Dribblings von Jurrien Timber gesehen - das war heute nicht der Fall. Ich bin mir sicher: Er hat nach der langen Saison keine Kraft mehr."

Es ist eine Mischung, die zu wenig ansehnlichen, eher fehlerbehafteten und kaum intensiven Spielen führt. Spieler, die endlich eine Pause brauchen. Dazu ein Wettbewerb, der daher kommt wie ein Freundschaftsspiel-Turnier.

Letzteres ist ein Aspekt, über den sogar manche Spieler und Trainer öffentlich sprechen. "Für mich ist die Nations League nicht wichtig. Wir müssen diese Spiele spielen, aber es fühlt sich an wie ein Freundschaftsspiel", gab etwa Kevin de Bruyne zu. Der Belgier weiter: "Glorifizierte Freundschaftsspiele nach einer langen und anstrengenden Saison. Ich freue mich nicht darauf."

van Gaal war es, der ihm dahingehend zustimmte. "Es ist schwierig, weil man als Trainer das Team kaum eingestellt bekommt und zugleich vier Spiele innerhalb von elf Tagen absolvieren muss. [...] Es ist einfach verrückt, dass sie [die Spieler] so viele Partien innerhalb kürzester Zeit spielen müssen, auch mit Verzögerungen wegen Corona."

Kevin De Bruyne
Kevin De Bruyne kritisierte das 'Nations League'-Konzept / Sebastian Frej/MB Media/GettyImages

Freundschaftsspiele getarnt als 'Nations League'? Spiele mit geringer Bedeutung

Und natürlich haben die beiden Recht. De Bruyne hat das ausgesprochen, was vermutlich zahlreiche Spieler denken. Entsprechend geringer ist nun einmal die Vehemenz, mit der in diesen Wettbewerb gegangen wird.

Ein Wettbewerb, bei dem viele Zuschauer und auch manche Spieler sowie Verantwortliche noch immer nicht wissen, wofür er eigentlich gut ist. Klar: Für TV-Einnahmen und Vermarktung.

Es ist somit alles andere als überraschend, dass wir nicht die besten Duelle zusehen bekommen. Es ist normal, dass historische Duelle - etwa zwischen England und Deutschland - an Wucht verlieren, wenn sie gefühlt in jeder zweiten Länderspielpause stattfinden. Es ist verständlich, dass den Akteuren auf dem Platz früher die Luft ausgeht und ihnen mehr Fehler passieren.

Das alles ist lediglich die Konsequenz der verschiedenen Aspekte, die beim kritischen Blick auf die sportliche Leistung bei der Nations League zu beachten ist.


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