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Vor dem Schlussakt des Länderspiel-Quartetts: Darauf kommt es für Deutschland gegen Italien an

Martin Bytomski
Für Thomas Müller und die Nationalmannschaft geht es erneut gegen Italien
Für Thomas Müller und die Nationalmannschaft geht es erneut gegen Italien / Marvin Ibo Guengoer - GES Sportfoto/GettyImages
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Italien, England, Ungarn, Italien: Mit der italienischen Klammer endet für die deutsche Nationalmannschaft das Länderspiel-Quartett nach dem Saisonende des Klubfußballs. Bislang überwiegen die enttäuschenden Partien: Gegen Italien und Ungarn zeigte die DFB-Elf biedere Kost, nur gegen England begeisterte sie phasenweise. Wir verraten euch, worauf es beim Abschluss am heutigen Dienstag (ab 20.45 Uhr) gegen Italien ankommt.


Fanbegeisterung wecken

Ein Blick ins Ticketportal des DFB macht klar: Es gibt nur noch einzelne Resttickets für das Duell Deutschland gegen Italien. Das ist nicht selbstverständlich, denn häufig blieben in der jüngeren Vergangenheit bei den Partien des einstigen Publikumsmagneten Nationalmannschaft große Lücken im Stadion frei. Dass der Gladbacher Borussia Park gut gefüllt sein dürfte, hat wohl zwei entscheidende Gründe: Die aktuell noch etwas anhaltende Euphorie des Neuanfangs nach zuletzt quälenden Löw-Jahren unter Neu-Trainer Hansi Flick und der mit Italien attraktive Gegner.

Jetzt gilt es für die Jungs auf dem Rasen, das Vertrauen mit einer leidenschaftlich geführten Partie zurückzuzahlen. Idealerweise mit dem ersten Sieg aus dem Länderspiel-Viererlei, zumindest aber mit einer überzeugenden Leistung eines Teams, das sein Herz auf dem Platz lässt. Dann würde die Nationalmannschaft mit einer positiven Grundstimmung in die wohlverdiente Pause gehen.

Lösung für das Angriffszentrum finden

Auf dem Papier ist die Sache recht klar: Timo Werner ist die deutsche Angriffsspitze. Sowohl gegen Italien als auch gegen Ungarn startete der Chelsea-Profi, gegen England durfte sich sein Mannschaftskollege Kai Havertz in vorderster Front versuchen. Nachhaltig empfehlen konnte sich keiner der beiden. Während Werner gegen Ungarn vollends enttäuschte und gegen Italien bestenfalls unauffällig agierte, bot Havertz gegen die Three Lions als falsche Neun immerhin einen kreativen Mehrwert, riss Lücken und machte so der englischen Defensive das Leben schwer.

Will die deutsche Mannschaft allerdings ein ernsthaftes Wort im Rennen um den WM-Titel im Winter in Katar mitsprechen, wird eine qualitativ hochkarätige statt einer Notlösung nötig sein. Da Deutschland aktuell allerdings offensichtlich über keinen Harry Kane, Erling Haaland oder Karim Benzema verfügt, wäre eine Doppelspitze ein denkbares Modell. Diese hätte den Vorteil, dass der Druck nicht allein auf Werner (oder Havertz) lastet. Idealerweise würde der Partner über eine hohe Spielintelligenz verfügen, um den Supersprinter Werner gemäß seiner Stärke in Szene zu setzen. Als Alleinlösung hat sich jedenfalls bislang noch kein deutscher Angreifer nachhaltig empfohlen. Warum nicht Werner und Havertz zusammen als Blues-Brother im Sturmzentrum?

Chef entwickeln

Im deutschen Mittelfeld kann Flick auf drei erfahrene und hoch dekorierte Profis zurückgreifen: Die Bayern Joshua Kimmich und Leon Goretzka sowie Ilkay Gündogan vom englischen Meister Manchester City. Jeder Einzelne des Trios kommt schon wegen seiner Vita für eine Führungsrolle infrage. Goretzka präsentierte sich zuletzt als Formschwächster des Trios. Doch egal wer gegen Italien, beim Länderspiel-Doppelpack im September oder bei der WM aufläuft: Ein Chef wird benötigt.

Idealerweise kristallisiert sich noch ein Leader im Stile eines Michael Ballacks heraus. Der frühere Capitano war der unumstrittene Lautsprecher, Führungsfigur auf und abseits des Platzes. An ihm rieben sich gleichwohl die Gegenspieler als auch die Medien nach schwachen Partien. Eine solche Gallionsfigur mag in fluiden Mannschaftsgebilden nicht mehr gefragt sein - helfen würde sie dennoch. Hätte beispielsweise Kimmich diese Rolle inne - er würde Diskussionen auf seine Person zentrieren und so seine jungen oder formschwachen Kollegen wie Jamal Musiala oder Leroy Sané entlasten. Doch ein Typ wie Ballack ist weder Kimmich, Goretzka oder Gündogan. Am ehesten noch erstgenannter.

Stabiles Defensive-Fundament auf den Außen gießen

Es sei Hansi Flick zugestanden: Auf den defensiven Außenbahnen hat der einstige Löw-Assistent keine hochwertigen Alternativen. Thilo Kehrer und Benjamin Henrichs gehören bei Paris St. Germain bzw. RB Leipzig nicht zum Stammpersonal. Das gilt auch für Henrichs Teamkollegen Lukas Klostermann, der dazu noch vorrangig in der Innenverteidigung zum Einsatz kommt. Nach der erfrischenden Leistung des linken Läufers David Raum bekam der 24-Jährige auch gegen Ungarn das Vertrauen - und enttäuschte wie der Rest der deutschen Auswahl. Dennoch: Es wäre sinnvoll, weiter auf Raum zu setzen. Er besitzt das Potenzial, die linke Seite auf Jahre als Qualitätslösung zu besetzen - trotz aller natürlichen Leistungsschwankungen nach seiner Premierensaison in der Bundesliga.

Bliebe noch die rechte Seite. Hier könnte Flick angesichts der fehlenden Dauerlösung kreativ agieren: Hofmann oder Henrichs als dynamische Offensivlösungen, gegen starke Gegner Klostermann und Kehrer als Stabilisator. Dann wäre nur eine der vier Planstellen nicht fest vergeben. Denn in der Innenverteidigung ist Antonio Rüdiger gesetzt. Neben dem formstarken und aggressiven Leader dürfte Niklas Süle angesichts der nicht fehlerfreien jüngsten Darbietungen von Nico Schlotterbeck die Nase vorn haben. Das wäre ein WM-würdiges Fundament.


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