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Borussia Mönchengladbach

Matthias Ginter stößt Vaterzeit-Debatte an

Dominik Hager
Matthias Ginter will sich für Profis einsetzen, die in Vaterzeit gehen wollen.
Matthias Ginter will sich für Profis einsetzen, die in Vaterzeit gehen wollen. / Alex Grimm/Getty Images
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Elternzeit ist ein gesellschaftlich kontrovers diskutiertes Thema. Im Bezug auf Fußball war dazu jedoch bislang noch nicht viel zu hören. Nun stößt jedoch Nationalspieler Matthias Ginter eine Debatte an.


Vor gut einem Jahr, im Januar 2020, ist Matthias Ginter Vater eines Sohnes geworden. Mitbekommen hat man davon nicht viel, zumal der Profi-Alltag für den Gladbacher Innenverteidiger schnell weiterging. Dabei hatte der frisch gebackene Vater sogar das Glück, dass sein Kind noch in der Winterpause zur Welt kam und er die ersten Tage mit der Familie verbringen konnte.

Wie es der Zufall so will, konnte der 27-Jährige ab März noch mehr Zeit mit dem Nachwuchs verbringen, zumal die Corona-Pandemie das Fußball-Geschehen lahmlegte. Andere Spieler haben dieses "Glück" nicht und hetzen unmittelbar nach der Geburt ihres Kindes von einer Spielstätte zur nächsten.

Ginter hält Vaterzeit für vorstellbar: "Würde keinen Fußballer verurteilen"

Matthias Ginter würde es gut verstehen, wenn ein Profi dabei nicht mitspielt und mehr Zeit für sich und seine Familie in Anspruch nehmen möchte.
„Ich würde keinen Fußballer verurteilen, der das für sich in Anspruch nimmt“, erklärte der Borusse gegenüber Funke Medien.

Vater zu werden sei das Schönste, was man erleben könne. „Wenn man sich da anschließend mehr Zeit nehmen möchte, dann sollte es, meiner Meinung nach, selbstverständlich sein, dass auch ein Fußballprofi länger bei seiner Familie bleiben kann,“ äußert sich der Abwehrspieler.

Ginter bemängelt: Vaterschaft und Fußball nur schwer zu vereinen

Für Fußballer ist es durchaus ein Problem, zumal in der heißen Saisonphase ein Spiel nach dem anderen stattfindet und man gewissermaßen ständig von Ort zu Ort tingelt.

„Insbesondere wenn wir viele ‚Englische Wochen‘ haben oder ich bei der Nationalmannschaft bin und mehrere Tage oder Wochen unterwegs bin, ist es für meine Frau sehr stressig. Sie ist dann mehr oder weniger alleinerziehend,“ bemängelt der Gladbacher, wenngleich er einsieht, dass andere Berufe sogar noch zeitintensiver seien.

Viele Leute werden dazu geneigt sein zu sagen, dass ein Fußballer dies einfach in Kauf nehmen muss. Schließlich verdient dieser auch das Vielfache eines Otto-Normalverbrauchers. Wie Ginter richtigerweise sagt, gibt es auch zahlreiche andere Berufe, in denen Eltern ihre Kinder kaum zu Gesicht bekommen. Dabei sei allerdings auch gesagt, dass es die Angelegenheit nicht besser macht, nur weil andere das gleiche Problem haben.

Burgstaller warnt: "Elternzeit wäre schwer umzusetzen"

St.Pauli-Angreifer Guido Burgstaller hat zudem noch andere Bedenken, was eine Elternzeit betrifft.

„Das ist bei uns schwierig, weil man eine Menge Kondition verlieren würde und ja auch eine Verantwortung gegenüber dem Verein hat. Elternzeit wäre schwer umzusetzen – und vermutlich würde man auch auf Widerstand stoßen", erklärt Burgstaller, der ebenfalls Vater ist.

Guido Burgstaller
Martin Rose/Getty Images

Es ist natürlich ganz klar, dass weder Verein noch Fans begeistert wären, wenn ein Spieler aufgrund der Vaterschaft gerade in entscheidenden Wochen ausfallen würde. Was den Fitness-Zustand betrifft, gäbe es hingegen trotzdem Möglichkeiten, sich in Form zu halten. Vaterzeit muss schließlich nicht zwangsläufig heißen, dass sich alles 24/7 um die Familie drehen muss. Bei diesem Thema kann es durchaus auch Kompromisse geben, mit denen am Ende beide Seiten zufrieden sind.

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