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Neuanfang unter Marco Rose: 4 einstige BVB-Königstransfers können sich wieder in den Fokus spielen

Oscar Nolte
Julian Brandt will sich beim BVB wieder empfehlen
Julian Brandt will sich beim BVB wieder empfehlen / Soccrates Images/Getty Images
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Marco Rose dürfte beim BVB taktisch einiges umkrempeln. Außerdem werden auch personell die Karten unter dem neuen Chef ordentlich durchgemischt. Einstige Königstransfers der Borussia kriegen dadurch die Chance, sich noch einmal in den Fokus zu spielen und für den Verein wieder wichtig zu werden.


Julian Brandt, Axel Witsel, Thorgan Hazard und Emre Can haben beim BVB eines gemeinsam: sie wurden als Königstransfers in Dortmund begrüßt und gefeiert, sind mittlerweile aber auf die ein oder andere Weise etwas ins Abseits geraten. Unter Marco Rose bekommt das Quartett nun einen neuen Anlauf.

1. Julian Brandt

Julian Brandt
Julian Brandt will wieder häufig im BVB-Trikot jubeln / Pool/Getty Images

Zwei Achter finden bekanntlich in Marco Roses Systemen Platz. Die Konkurrenz auf dieser Position ist beim BVB so groß wie extraklassisch.

Als Ausnahmefußballer, der er zweifellos ist, gibt es eigentlich für keinen Trainer ein Vorbei an Julian Brandt. Eigentlich. Denn nach einer bockstarken Debütsaison baute der Blondschopf im vergangenen Jahr deutlich ab und ließ Esprit, Physis und Selbstvertrauen am Ball vermissen.

Das muss Brandt über die Sommerpause in den Griff kriegen. Marco Rose mag Arbeiter und Brandt ist zweifellos ein Spieler, der für sich und die Mannschaft arbeiten kann. In Top-Form ist der flexible Mittelfeldspieler eine Klasse für sich. Und mit Mo Dahoud hat Brandt einen Mitspieler, der in der vergangenen Saison bewiesen hat, dass es möglich ist, sich durch gute Leistungen (wieder) unverzichtbar zu machen.

In diesem Sommer stand (oder steht) Brandt bei den BVB-Verantwortlichen auf der Abschussliste. Offenbar will der Blondschopf aber noch einmal bei Null anfangen und unter Rose wieder zu seiner Form finden. Dass Julian Brandt für die Borussia wertvoll sein kann, steht ja ohnehin außer Frage. Und mit Marco Reus steht eine schwarz-gelbe Ikone faktisch im Spätherbst seiner Karriere - seine Nachfolge ist noch vakant und eigentlich wie auf Brandt zugeschnitten.

2. Axel Witsel

Axel Witsel
Axel Witsel konnte sich bei der EM wieder in den Fokus spielen / Marcio Machado/Getty Images

Für 20 Millionen Euro Ablöse schnappte sich der BVB vor drei Jahren Axel Witsel - ein absoluter Königstransfer, der prompt einschlug wie eine Bombe und der Mannschaft eine ganz neue Qualität verlieh. In seiner Debütsaison war Witsel der vielleicht stärkste Mittelfeldspieler der Bundesliga.

Mit dem Stern von Lucien Favre begann jedoch auch der von Axel Witsel zu sinken. Der Belgier zeigte weiterhin ordentliche Leistungen und blieb unangefochtener Stammspieler, wirkte aber überspielt und uninspiriert. Als sich der Wuschelkopf im Januar diesen Jahres dann auch noch die Achillessehne riss, schien das Ende seiner schwarz-gelben Geschichte greifbar nah zu sein. Zu stark spielte die Konkurrenz auf, zu wenig Hoffnung steckte man darin, dass sich der bereits 32-Jährige von dieser schweren Verletzung körperlich so gut erholen würde, dass er weiterhin auf dem gleichen Niveau bestehen kann.

Bei der laufenden Europameisterschaft feierte Witsel dann jedoch seine Rückkehr mit einem Knall. Für Belgien, die im Viertelfinale gegen Italien ausschieden, überzeugte Witsel mit starken Leistungen, die auch Marco Rose nicht entgangen sein dürften. Empfiehlt sich "Chaloupe" auch in der BVB-Vorbereitung, könnte sein zweiter schwarz-gelber Frühling Einzug halten.

3. Thorgan Hazard

FBL-GER-BUNDESLIGA-BAYERN MUNICH-DORTMUND
Thorgan Hazard könnte zum Sancho-Nachfolger werden / ANDREAS GEBERT/Getty Images

Mit Thorgan Hazard verpflichtete der BVB vor zwei Jahren ganz viel Qualität, Dynamik und Tempo. Seitdem scheint der Offensiv-Allrounder jedoch etwas im Schatten von Jadon Sancho, Marco Reus und Erling Haaland zu stehen.

Das liegt zum Einen daran, dass der BVB seit seinem Wechsel aus Gladbach nicht gerade den feinsten Fußball spielte. Zum Anderen warf Hazard in der abgelaufenen Saison eine langwierige Verletzung zurück, von der sich der belgische Nationalspieler erst erholen musste. Mit dem Wechsel von Sancho zu Manchester United öffnet sich für Hazard eine ganz neue Chance: seine Konkurrenz in den Schatten zu stellen.

Marco Rose hat eine Vorliebe für laufstarke, physisch starke Offensivspieler. Im Pressing und im Flügelspiel ist Hazard eine Waffe; unter Edin Terzic half der Belgier sogar schon als vorgezogener Rechtsverteidiger aus und überzeugte mit einer disziplinierten Defensivarbeit. Hazard könnte der Profiteur vom Trainerwechsel schlechthin werden und beim BVB endlich zur ersten Option im Angriff werden.

4. Emre Can

Emre Can
Emre Can spielte eine durchwachsene Saison mit dem BVB / Pool/Getty Images

Dass Emre Can im Januar 2020 nach Dortmund wechselte, kam schon überraschend. Für den deutschen Nationalspieler, der zuvor bei Liverpool und Juventus spielte, schien der BVB ein kleiner Rückschritt zu sein. Umso frenetischer wurde Can bei seiner Ankunft im Westfalenstadion gefeiert.

Diese Anfangs-Euphorie ist mittlerweile verflogen. Fehleranfällig, überstürzt, ohne Position: Emre Can macht sportlich eine schwere Zeit durch. Verletzungsbedingt musste der Mittelfeld-Motor unter Lucien Favre überall aushelfen und spielte mehr Notnagel denn Führungsspieler. Diesen Umstand kann man Can nicht vorwerfen; zu einer gesunden Entwicklung in der BVB-Mannschaft führte es jedoch ganz und gar nicht.

Klar ist daher: Can braucht eine Position und einen kleinen Neustart. Zumindest Letzterer wird beim BVB mit Marco Rose initiiert. Für den neuen BVB-Coach könnte Can taktisch unfassbar wichtig werden. Zuvor muss sich der Nationalspieler - auf welcher Position auch immer - gegen die starke Konkurrenz durchsetzen und zeigen, dass er nicht umsonst als Königstransfer gefeiert wurde.

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