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Man United am Boden: So sollte der radikale Umbruch aussehen - ein Kader-Check

Simon Zimmermann
Wer sollte Man United verlassen - und wer soll bleiben?
Wer sollte Man United verlassen - und wer soll bleiben? /
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Nun, es ist leicht, draufzuhauen, wenn jemand am Boden liegt. Doch wir müssen sprechen über einen englischen Rekordmeister, der sich seit neun Jahren (mit dem ein oder anderen Highlight dazwischen - wie dem Europa-League-Titel 2017) quasi im Dauertief befindet. Der nach der Ära von Sir Alex Ferguson seinen Glanz verloren hat. Der seit 2013 auf die 21. englische Meisterschaft wartet.

Und der in dieser Saison häufig ein erschreckendes Bild abgibt!

Manchester United ist raus aus der Champions League. Am Ende hochverdient, muss man sagen. Vor allem die Leistung in Hälfte zwei im Achtelfinal-Rückspiel gegen Atletico Madrid war erschreckend. Ein spielerisches Armutszeugnis, überhaupt keine Durchschlagskraft, pomadige Angriffe - und so überhaupt kein Glaube an die eigene Stärke.

Woher soll der auch kommen, könnte man spöttisch fragen. Teuflisch Gefährliches haben die Red Devils anno 2022 auch unter Ralf Rangnick nur ganz weniges. Wenn der alternde Cristiano Ronaldo mal keinen Dreierpack erzielt, wirkt die Elf hilf- und ratlos.

Zeit für den x-ten Umbruch - aber bitte radikal!

Im Sommer dürfte mal wieder Zeit sein für den x-ten Umbruch nach der Ferguson-Ära. Die Mannschaft ist einfach nicht so zusammengestellt, dass man wirkliche Aussichten auf Erfolg hat. Große Namen: ja - große Leistungen: nein.

Es muss ein radikaler Umbruch und auch ein Umdenken im Klub her. Einfach wird das freilich nicht - schließlich hatte man das in der jüngeren Vergangenheit schon häufiger versucht. Erschwerend hinzu kommt, dass man die erneute Qualifikation für die Königsklasse zu verpassen droht. Dennoch bleibt United einer der absoluten Big Player im europäischen Fußball. Mit entsprechender Anziehungskraft.

Zunächst braucht es einen neuen Übungsleiter. Unter Interimscoach Ralf Rangnick war zwar ein zarter Aufschwung zu erkennen. Nachhaltig verbessern konnte der "schwäbische Professor" die Truppe aber auch nicht. Mauricio Pochettino und Erik ten Hag gelten als Favoriten. Trainer, die bereits bewiesen haben, dass sie etwas aufbauen und ein Team formen können.

Doch wer aus dem aktuellen Team sollte bei diesem Umbruch überhaupt noch mit dabei sein? Ein Kader-Check der Red Devils:

1. Muss gehalten werden

Jadon Sancho
Jadon Sancho erlebt eine schwierige Debüt-Saison / Soccrates Images/GettyImages
  • David de Gea (Vertrag bis 2023)
  • Raphael Varane (Vertrag bis 2025)
  • Jadon Sancho (Vertrag bis 2026)
  • Anthony Elanga (Vertrag bis 2026)

An der bescheidenen Liste lässt sich bereits erahnen, wie es um den United-Kader steht. Im Tor hat David de Gea in dieser Saison bewiesen, dass er einer der wenigen Leistungsträger ist und noch immer zu den Besten seines Fachs gehört. Hier sollte man sich keine Baustelle aufmachen.

In der Abwehr wurde vergangenen Sommer der Coup mit Raphael Varane gefeiert. Der bei Real Madrid so erfolgreiche Innenverteidiger hat die Erwartungen allerdings nicht erfüllen können. Dennoch sollte man ihn der Umbruch-Prozedur nicht opfern, sondern als erfahrenen Mann und potenziellen Abwehrchef halten - auch mit Blick auf die Vertragslaufzeit. Der 28-Jährige ist potenziell ein Innenverteidiger von absolutem Spitzenniveau.

Vorne sollte man Jadon Sancho weiter vertrauen, auch wenn er eine sehr schwierige Debüt-Saison erlebt. Der ehemalige Dortmunder kann ein Spiel an sich reißen und ist mit seinen Dribblings stets gefährlich. Auch Eigengewächs Elanga zeigte bislang gute Ansätze und sollte in Zukunft weiter gefördert werden.

2. Kann bleiben

Marcus Rashford, Renan Lodi
Marcus Rashford steckt im Formtief / Shaun Botterill/GettyImages
  • Dean Henderson (Vertrag bis 2025, Leihe möglich)
  • Aaron Wan-Bissaka (Vertrag bis 2024)
  • Scott McTominay (Vertrag bis 2025)
  • Fred (Vertrag bis 2023)
  • Marcus Rashford (Vertrag bis 2023)
  • Luke Shaw (Vertrag bis 2023)

In Henderson hat man eine starke Nummer zwei. Ihn könnte man - wenn möglich - auch erneut verleihen und so für die Post-de-Gea-Ära aufbauen. Ansonsten kann man auch mit den Außenverteidigern Shaw und Wan-Bissaka weitermachen. Englische Nationalspieler, die zumindest gute Backups wären. Der Brasilianer Fred zeigt im zentralen Mittelfeld immerhin gute Ansätze und verfügt über die nötige Mentalität. Was auch für McTominay gilt, der als Eigengewächs auch für Identifikation sorgt. Als fixe Säulen kann man aber mit beiden nicht planen.

Stichwort: Identifikation. Die bringt auch Rashford in großem Maße mit. Allerdings befindet sich der Stürmer in einem erschreckenden Formtief. Aus dem er irgendwann wieder rauskommen wird und potenziell eines der Gesichter des "neuen Man United" werden kann.

3. Bei gutem Angebot verkaufen

Bruno Fernandes
Bruno Fernandes ist häufig ein Klotz am Red-Devils-Bein / Soccrates Images/GettyImages
  • Victor Lindelöf (Vertrag bis 2024)
  • Diogo Dalot (Vertrag bis 2023)
  • Nemanja Matic (Vertrag bis 2023)
  • Bruno Fernandes (Vertrag bis 2025)
  • Jesse Lingard (Vertrag läuft aus)
  • Mason Greenwood (Vertrag bis 2025)

Über eine Trennung stark nachdenken sollte man zumindest bei diesen Herren. Lindelöf ist zwar ein guter Verteidiger, Spitzenniveau konnte der Schwede aber nie nachhaltig nachweisen. Was auch für Dalot gilt. Der Portugiese ist solide - mehr aber auch nicht. Will man ihn dennoch halten, sollte man über einen Verkauf von Wan-Bissaka nachdenken.

Altmeister Matic bringt das Team auch nicht mehr weiter. Lingards Vertrag wird mit Sicherheit nicht verlängert. Ein Sonderfall ist Greenwood, der zwar die nötige Klasse mitbringt, dessen Skandal aber für den Klub eigentlich nicht tragbar ist.

Und da wäre noch der größte Sonderfall im Kader: Bruno Fernandes! Von vielen Fans wird der portugiesische Spielmacher gefeiert. Seine Statistiken sind gut. Doch was bekommt man vom 27-Jährigen tatsächlich (außer Elfmetertore, überspitzt formuliert)? In wichtigen Spielen taucht Fernandes jedenfalls regelmäßig ab. Ein Spiel an sich reißen kann er auch nicht. Häufig sind es einzelne Aktionen, bei weitestgehender Unsichtbarkeit. Auch wenn es überraschen mag: Fernandes ist für United verzichtbar - gerade im Hinblick auf eine neue Ausrichtung!

4. Muss weg

Harry Maguire
Harry Maguire für Man United nicht zum Schotter! / Soccrates Images/GettyImages
  • Harry Maguire (Vertrag bis 2025)
  • Eric Bailly (Vertrag bis 2024)
  • Phil Jones (Vertrag bis 2023)
  • Alex Telles (Vertrag bis 2024)
  • Paul Pogba (Vertrag läuft aus)
  • Juan Mata (Vertrag läuft aus)
  • Edinson Cavani (Vertrag läuft aus)
  • Cristiano Ronaldo (Vertrag bis 2023)

Die längste Liste! Weil es notwendig ist! Fangen wir hinten an: Bailly und Jones haben kein Red-Devils-Format. Punkt. Zumindest, wenn man die Red Devils im Kopf hat, die Titel sammeln wie Autobahnraser Punkte in Flensburg. Selbiges gilt für Alex Telles, der als "Standard-Experte" nicht mal gute Standards schlägt.

Und - so ehrlich muss man sein - auch für Kapitän Harry Maguire. Schwer, dessen Leistungen nicht spöttisch zu beschreiben. Wir versuchen es erst gar nicht. 87 Millionen Euro hatte United 2019 an Leicester City überwiesen. Siebenundachtzig Millionen Euro, meine Damen und Herren! Wenn man Virgil van Dijk auf Wish bestellt... Ernsthaft: Maguire hat einen Wendekreis wie ein 7,5 Tonner. Ist technisch extrem limitiert. Kurzum: Er kann nicht die Lösung als künftiger Abwehrchef sein. Und für alles andere ist er viel zu teuer! (Rafael van der Vaart gefällt diese Einschätzung).

Bleibt noch die Offensive. Matas Vertrag läuft aus, auch der "Matador" Cavani wird sicher gehen. Bei Paul Pogba deutet sich das auch an. Und man muss ehrlich festhalten: Die 105 Millionen Euro für die Rückkehr des Franzosen haben sich nie gelohnt. Pogba kann Weltklasse sein. Leider zeigt er das aber nur im französischen Nationaltrikot.

Ganz zum Schluss kümmern wir uns noch um CR7. Siuuuu, eine Trennung wäre das Beste. Klar, Ronaldo hat einzelne Highlight-Spiele immer noch drauf. Dennoch ist er nicht mehr DER Unterschiedsspieler frühere Tage, der Spiel für Spiel liefern kann. Zudem dient er den Kollegen offensichtlich als Alibi. Gute Stimmung im Team scheint er auch nicht wirklich zu verbreiten. Man sollte sich auch hier eingestehen, dass es keinen Sinn mehr macht - und lieber einen Nachfolger präsentieren, der über die kommenden Jahre die Mittelstürmer-Position prägen kann (Stichwörter: Kane, Haaland).


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