Rivalen

Stimmen zu Uniteds Demontage: "Schwärzester Tag, den ich erlebt habe"

Dominik Hager
Was für ein Debakel: Manchester United verliert mit 1:5 gegen den FC Liverpool
Was für ein Debakel: Manchester United verliert mit 1:5 gegen den FC Liverpool / Alex Livesey - Danehouse/GettyImages
facebooktwitterreddit

Der FC Liverpool hat Manchester United mit einem 5:0-Sieg schwer verwundet und noch einige Stockwerke tiefer in die Krise geschossen. Nachdem bei den Red Devils trotz Cristiano Ronaldo und weiteren Top-Transfers zuletzt wenig zusammengelaufen war, dürfte es für alle Beteiligten ungemütlich werden. Der FC Liverpool und Jürgen Klopp befinden sich dagegen natürlich im siebten Himmel.


Es gehört zu den weniger schönen Aufgaben eines Mannschaftskapitäns, nach einer derart deftigen Pleite den Umweg zu den Journalisten einschlagen zu müssen.

United-Kapitän Harry Maguire, der in seiner Karriere schon so einige Höhen und Tiefen erlebt hat, bat nach dem Schlusspfiff zuerst die Anhänger um Verzeihung. "Entschuldigung an die Fans, das ist nicht gut genug. Sie haben mit uns durchgehalten und bis zum Schluss gesungen, und das wissen wir zu schätzen", bedankte er sich.

Eine wirkliche Erklärung zur herben Pleite hatte der englische Nationalspieler allerdings nicht auf Lager.

"Ich werde erst auf meine individuelle Leistung schauen und dann auf die Mannschaft. Ich bin der Kapitän und wir müssen zusammenhalten, wir müssen aufeinander schauen und uns dann im Spiegel betrachten. Ich schaue mir die Jungs jeden Tag im Training an und wir arbeiten so hart wie möglich, aber im Moment ist es nicht gut genug", wird er von BBC-Reporter Shamoon Hafez zitiert.

Solskjaer findet deutliche Worte: "Es war nicht gut genug"

Besonders ungemütlich dürften die nächsten Tage für den ohnehin schon angezählten Coach Ole Gunnar Solskjær werden. Der Norweger fand im Vergleich zu Maguire aber immerhin die deutlicheren Worte.

"Es ist der schwärzeste Tag, den ich als Trainer dieser Spieler erlebt habe. Es war nicht gut genug, weder individuell noch als Team", stellte er fest. "In der letzten Saison haben wir 1:6 gegen die Spurs verloren, aber das ist noch viel schlimmer. Wir müssen so schnell wie möglich darüber hinwegkommen und weitermachen", führte er mit seinem ernüchternden Vergleich fort.

Der Grund für die Niederlage war für den Coach schnell ausgemacht: "Heute waren wir nicht zielstrebig genug im Spiel nach vorne, und wenn man guten Spielern Räume gibt, erzielen sie auch Tore. Manchester United sollte zu Hause immer versuchen, seine Autorität im Spiel zu zeigen."

Ole Gunnar Solskjaer
Eiserne Mine: Solskjaer könnte sein letztes Spiel als United-Coach erlebt haben / Alex Livesey - Danehouse/GettyImages

Wenn man an der Pleite etwas Positives finden möchte, dann ist das sicherlich die Tatsache, dass es jetzt kaum noch böser kommen kann. "Wir sind am Tiefpunkt angelangt, schlimmer kann es nicht mehr werden", befand auch Solskjaer.

Ob er damit Recht behalten wird, ist jedoch eine andere Frage. Schließlich ist er nun einer Entlassung näher denn je. "Ich bin zu weit gekommen, wir sind als Gruppe zu weit gekommen und wir sind zu nah dran, um jetzt aufzugeben", schob er die Frage nach seiner Person allerdings von sich weg.

Demnach möchte der 48-Jährige den Blick nun auch wieder nach vorne richten. "Ich bin natürlich traurig, enttäuscht und wütend. Meine Emotionen spielen keine Rolle, außer der Frage, was wir tun können, um uns zu verbessern und sicherzustellen, dass so etwas nicht wieder passiert. Wir haben große Spiele vor uns, also keine Zeit, um zu schmollen oder sich selbst zu bemitleiden. Wir müssen zusammenkommen", forderte er.

Klopp trotz Gala-Vorstellung zurückhaltend: "Haben Respekt vor den Gegnern"

Trotz einer ähnlichen sportlichen Krise hat der FC Liverpool im Vorjahr an Jürgen Klopp festgehalten. Wenn es noch einen Beweis gebraucht hat, dass diese Entscheidung richtig war, dann war dies wohl der 5:0-Erfolg gegen Manchester United.

"Die erste Großchance hatte United, wo Fernandes normalerweise den Ball aufs Tor bringt. Aber im letzten Drittel haben wir herausragend gespielt. Wir waren unglaublich eiskalt. Unser hohes Pressing war außergewöhnlich. In den Zweikämpfen waren wir voll da und dann schießt du vier Tore. Dann machen wir das 5:0, dann die Rote Karte und dann war klar, dass wir das Spiel nur noch heimbringen müssen", resümierte Jürgen Klopp den günstigen Spielverlauf

"Ein wahnsinniges Ergebnis. Es ist etwas Besonderes, aber wir feiern nicht wie verrückt, wir haben Respekt vor den Gegnern", zeigte sich der Liverpool-Coach nach dem Schlusspfiff zurückhaltend, kann dafür aber seine Freude teilen. "Meine Frau war heute auch hier und ich hoffe, es hat ihr auch gefallen", fügte er hinzu.

Mo Salah drückt die Bremse: "Bekommen dafür auch nur drei Punkte"

Salah
Mo Salah ist derzeit einfach nicht zu stoppen / OLI SCARFF/GettyImages

Einen weiteren Sahne-Tag erwischte Offensiv-Star Mo Salah, der seit Wochen nicht zu stoppen ist. Selbst wenn sich der Ägypter über das tolle Ergebnis freut, will er das Spiel nicht zu hoch bewerten.

"Es ist großartig, wenn man 5:0 auswärts gewinnt. Wir wussten, dass sie kommen würden und alles reinwerfen, um dieses Spiel zu gewinnen. Wir mussten 100 Prozent bringen, um dieses Spiel zu gewinne. Und das haben wir getan. Von Anfang an haben wir unseren Fußball gespielt und sind gut durch die Reihen gekommen. So haben wir einige Chancen kreiert. Ich versuche mein Bestes für das Team zu geben, das ist das Wichtigste. Auswärts mit 5:0 bei Manchester United zu gewinnen, ist etwas Großes, aber dafür bekommen wir auch nur drei Punkte. Wir müssen uns weiter fokussieren auf die nächsten Spiele", mahnte Salah.

Der nächste Stolperstein wartet schließlich schon am Mittwoch, wenn es im League Cup gegen Preston North End geht. United hat hingegen eine Woche Zeit, um von dem denkwürdigen Tag Abstand zu gewinnen. Am kommenden Samstag warten dann ausgerechnet Tottenham Hotspur, das den Red Devils in der vergangenen Saison eine 1:6-Niederlage beigebracht hat. Es kommen also genug negative Gedanken zusammen, von denen sich das Team nun irgendwie befreien muss.

facebooktwitterreddit