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Ballon dOr

So reagiert man in Argentinien auf Messis Ballon d'Or

Nikolas Pfannenmüller
Lionel Messi hat zwei Ballon d'Or-Auszeichnungen mehr als Cristiano Ronaldo.
Lionel Messi hat zwei Ballon d'Or-Auszeichnungen mehr als Cristiano Ronaldo. / Aurelien Meunier/GettyImages
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Lionel Messi hat zum siebten Mal den Ballon d'Or gewonnen, mit seiner Wahl waren allerdings nicht alle Beobachter und Fans einverstanden. Robert Lewandowski hatte das Nachsehen gegenüber dem 34-jährigen Angreifer von Paris Saint-Germain, was auch in dessen argentinischer Heimat nicht völlig kritiklos hingenommen wurde.


Selbstverständlich freuen sich Fußballfans, wenn ein Spieler aus ihrem Heimatland zum besten Fußballer der Welt gekürt wird. Bei Argentiniern könnte mittlerweile womöglich ein Gewöhnungseffekt eingesetzt haben, schließlich hat Messi den Ballon d'Or nach 2009, 2010, 2011, 2012, 2015 und 2019 zum nun siebten Mal gewonnen.

Huldigungen an Messi

Wie reagierte die argentinische Presse auf die nächste individuelle Auszeichnung des Superstars? Einerseits huldigten Zeitungen wie La Clarin ("Lionel Messi gewinnt seinen siebten Ballon d'Or und baut seine Figur in der Fußballgeschichte weiter aus) oder La Capital ("Messi bleibt weiter der beste Fußballer der Welt, er gewinnt seinen siebten Ballon d'Or") dem Nationalhelden.

Bisweilen wurde die Entscheidung der stimmberechtigten Journalisten aber auch kritisch beäugt.

Kritik an der Entscheidung aus Argentinien

Die Zeitung La Nacion titelte: "'Entschuldigung, Robert.' Ein weiteres Mal irrt sich France Football." Der Stürmer vom FC Bayern München erhielt bei der Abstimmung 580 Punkte und landete als Zweiter 33 Punkte hinter Messi. Im Vorjahr war die Wahl aufgrund der Corona-Pandemie ausgefallen. Bitter für den Polen: Er hätte die Wahl damals wie heute gewinnen können.

Im Artikel der La Nacion konnte man den Vorwurf erahnen, dass bei der Wahl mit zweierlei Maß gemessen wurde: "Dass er mit Polen nichts gewonnen hat?", fragte sich die in Buenos Aires beheimatete Tageszeitung und fügte hinzu: "Das hat Lionel Messi nie daran gehindert, seine kolossale Ernte an 'goldenen Bällen' einzufahren."

"Als Messi den Preis 2010 gewann, nahm er ihn fast peinlich berührt vor seinen Mitstreitern Iniesta und Xavi entgegen, die gerade in Südafrika die Welt verzaubert hatten. Es war unerklärlich", schrieb das Blatt.

"Messi ist der Beste aller Zeiten, aber war er der Knaller des Jahres 2021?"

Im Text heißt es weiter, dass Iniesta nie mehr einen Ballon d'Or bekommen werde - und Lewandowski wahrscheinlich auch nicht. "Messi ist der Beste aller Zeiten, aber war er der Knaller des Jahres 2021?", warf die Zeitung eine Frage auf, um sie ohne Umschweife selbst zu beantworten: "Nein, in der Gesamtbewertung" hätte es qualifiziertere Gegner gegeben. "Lewandowski natürlich."

"Konnte Messi seine Verlegenheit nicht verbergen, als Iniesta und Xavi ihn 2010 ansahen, so verbarg er auch jetzt sein Unbehagen nicht und forderte, ja verlangte von France Football geradezu einen Entschädigungsball für den Polen für seine vergangene Saison", schrieb La Nacion und ergänzte: vorwurfsvoll: "Der 'Sammler' hatte etwas in den Händen, das ihm nicht gehörte."

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