FC Schalke 04

Kutucu-Leihe bei Heracles Almo im Check - Schalke-Leihgabe hat klaren Zukunftsplan

Yannik Möller
In der Rückrunde läuft Ahmed Kutucu für Heracles Almelo auf
In der Rückrunde läuft Ahmed Kutucu für Heracles Almelo auf / Soccrates Images/Getty Images
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Hier und da hat Ahmed Kutucu sein Können auf Schalke schon aufblitzen lassen, für einen richtigen Durchbruch hat es bisher unter keinem Trainer gereicht. Die aktuelle Rückrunde verbringt er auf Leihbasis beim Eredivisie-Klub Heracles Almelo, wo es für ihn weder richtig gut, noch richtig schlecht läuft. Darüber hinaus: Wie sieht es mit der Rückkehr zu S04 aus, hat er bei den Knappen noch eine Zukunft - insbesondere zur nächsten Saison in der 2. Bundesliga?


Ahmed Kutucu brauchte eine Veränderung

Schon früh galt Ahmed Kutucu bei Schalke 04 als eines der womöglich besten beziehungsweise wichtigsten Nachwuchstalente der letzten Jahre. In der Saison 2018/19, als der Klub dem drohenden Abstieg erst kurz vor dem Ende ausweichen konnte, gab er sein Profi-Debüt in der Bundesliga. Domenico Tedesco, bis in die Rückrunde hinein der ehemalige Trainer, gab ihm direkt mehrere Möglichkeiten, sich zu zeigen.

Im zweiten Einsatz traf er direkt. Auch gegen den FC Bayern konnte er das wiederholen, im DFB-Pokal konnte er ebenfalls treffen und dazu eine Vorlage liefern. Nach seinen ersten 16 Einsätzen bei den Profis in dieser Saison lagen große Hoffnungen auf ihm.

Ahmed Kutucu
Für Schalke kam Ahmed Kutucu auch in der Hinrunde kaum zum Einsatz / Christof Koepsel/Getty Images

Seitdem kam er aber nicht mehr wirklich zum Zug. Unter David Wagner in der Folgesaison war er höchstens Einwechselspieler. Guido Burgstaller war gesetzt, daran gab es trotz Torflaute keinen Weg vorbei. Der gebürtige Gelsenkirchener habe noch "extremst viel" zu lernen, betonte der Ex-Coach. In der Liga bekam er in diesem Jahr nur drei Startelf-Einsätze.

Daran änderte sich auch in der vergangenen Hinrunde nicht viel. Auch unter Manuel Baum war er nicht gesetzt, teilweise sogar bei der U23 im Dienst. 326 Liga-Minuten hatte er im Winter zu verzeichnen. Viel zu wenig, als dass er sich weiterentwickeln könnte. Zumal Schalke über die bis dato letzten zwei Jahre absolut kein passender Ort für ein junges Talent war. Eine Veränderung musste er. So kam die Leihe zu Heracles Almelo in die Eredivisie zustande, wo der 21-Jährige nun die Rückrunde verbringt.


Kutucu will zurück und Schalke helfen

Die Leihe in die Eredivisie ist weder ein großer Erfolg, noch ein großer Flop. Von bislang zwölf Partien in der Liga stand er in elf davon auf dem Platz, einmal fehlte er aufgrund von Muskelproblemen. Was auf den ersten Blick sehr gut und nach wichtiger Spielpraxis aussieht, ist nach genauerem Hinsehen aber auch nicht so wirklich der Fall: Lediglich in drei Spielen stand er in der Startelf. In den restlichen Einsätzen wurde er meist für wenige Minuten eingewechselt.

Ahmed Kutucu
Für Heracles Almelo kam Kutucu zwar oft, aber nie wirklich lange zum Einsatz / ANP Sport/Getty Images

Unbedingt brillieren konnte er dabei zwar nicht, wenngleich er direkt im ersten Spiel sehenswert einen Treffer zum wichtigen 1:0-Sieg vorbereiten konnte. Doch jede mögliche Spielzeit gilt es mitzunehmen.

Er selbst betont im Gespräch mit Tubantia.nl, einem niederländischen Blatt das sich auch genauer mit Almelo auseinandersetzt, den Lernfaktor - auch wenn er nicht so viele Minuten bekommt, wie zuvor erhofft. "Aber ich lerne viel", betont Kutucu, "und das nehme ich mit zurück nach Schalke. Fußball ist in Deutschland anders, in der ersten Liga wird viel weniger der lange Ball gespielt. Man lernt, andere Entscheidungen zu treffen".

Nun steht der Schalker Abstieg in die 2. Bundesliga fest. Für den jungen Angreifer offenbar eher ein Ansporn: "Die zweite Liga ist eine harte Liga, mit guten Gegnern, ähnlich wie die Championship in England. Das ist gut für mich, ich würde gerne mitspielen und in einem Jahr feiern, dass wir wieder in der höchsten Klasse spielen."

Unter dem deutschen Trainer Frank Wormuth hat er zwar nicht allumfänglich das Vertrauen geschenkt bekommen, doch immerhin wurde er nahezu immer eingewechselt. Immer durfte er sich zeigen. Dabei spielte er in der Regel als klassischer Mittelstürmer auf. Teilweise, je nach Spielidee, kann er seine Stärken eher als zweite, etwas zurückgezogene Spitze hinter dem klassischen Mittelstürmer ausspielen. Das scheint sein Ziel zu sein. Sein Plan: Zurück zu Königsblau und den Lerneffekt aus seiner Leihe für sich und den Verein einbringen.


Kutucu sieht seine Zukunft auf Schalke - "Nächste Saison werden wir Meister"

Zur neuen Saison wird Kutucu auch wieder auf Schalke vorstellig werden. Die Frage: Wieder fest, um gestärkt auftreten und bleiben zu können, oder nur vorerst, um sich dann einen neuen Verein zu suchen, um einen Schnitt zu machen?

Gemessen an den Aussagen ist sein Vorhaben klar: Er möchte wieder und weiterhin für S04 auflaufen. Ein erster sehr wichtiger Aspekt, den es im Hinblick auf die kommende Spielzeit zu beachten gilt: Sein Vertrag ist nur bis 2022 datiert. Verlängert er diesen nicht, ist er in etwas mehr als einem Jahr ablösefrei zu haben. Wenn diese Entscheidung schon in den nächsten Monaten stehen sollte, könnte auch ein Verkauf anvisiert werden. Derzeit wird er seitens transfermarkt auf einen Marktwert von zwei Millionen Euro geschätzt.

Ahmed Kutucu
Der junge Stürmer wird zur nächsten Saison wieder auf Schalke aufschlagen / MARTIN MEISSNER/Getty Images

Die Vertragsverlängerung scheint derzeit aber deutlich wahrscheinlicher zu sein. Alleine schon, weil Königsblau auch eine gewisse Kaderbreite in der Offensive braucht. Und das, möglichst ohne Geld auszugeben. Dazu die offensive Ansage des Youngsters:, nachdem er den Abstieg ("Das fühlt sich so schlecht an") verdaut hatte: "Nächste Saison werden wir Meister."

"Wir", sagt Kutucu. Aber: Wird er persönlich in über diese zwölf Monate auch glücklich in Blau-Weiß, und andersherum der Verein auch mit ihm? Mark Uth wird gehen, Goncalo Paciencia ebenso, bei Benito Raman dürfte es auch eher auf einen Abgang hinauslaufen. Halbwegs sicher bleibt nur Matthew Hoppe. Bei Klaas-Jan Huntelaar werden die Optionen gecheckt. Selbst wenn noch ein weiterer Stürmer kommt, was passieren muss und offenbar auch soll, kann Kutucu eine wichtige Rolle übernehmen.

Er kann sowohl als normaler Stürmer, als auch als Antreiber dahinter agieren. Nicht per se als Spielmacher, als Zehner - aber beispielsweise als zweite Spitze. Der Verein möchte unter Sportvorstand Peter Knäbel ohnehin primär auf Spieler aus der Umgebung setzen, auf Identifikation. Da werden sie kein besseres Beispiel finden als diesen Jungen.

Ahmed Kutucu
"Wir werden Meister", gibt sich Kutucu schon jetzt kämpferisch / Christof Koepsel/Getty Images

Von seinen Leistungen her hat er bislang noch nicht konstant überzeugen können. Das kann sich in Liga zwei, in Kombination mit einem guten Spielstil und einer gesunden Atmosphäre innerhalb und um die Mannschaft herum aber ändern. Dass er die Anlagen und Fähigkeiten dazu hat, das sollte klar sein. Er verfügt über einen schnellen Zug zum Tor, er sucht den Abschluss so schnell es geht, wird dabei fast immer gefährlich. Etwas, das Königsblau gut gebrauchen kann. Für den Klub wirft sich Kutucu auch in jeden Zweikampf. Ein nicht zu unterschätzendes Element für die nächste Saison.

"Wir haben eine gemeinsame Familie und das ist Schalke. Wir sagen: 'Einmal Schalker, immer Schalker'", erklärte er im Gespräch.


"Wir kommen aus einer rauen Stadt" - Kutucu distanziert sich von Fan-Attacken auf Spieler und Verantwortliche

Gegenüber Tubantia.nl hat er sich auch zu den Vorfällen rund um die Veltins-Arena in der Nacht auf Mittwoch geäußert, als einige Spieler von Fans angegriffen und gejagt wurden. "Wir kommen aus einer rauen Stadt", weiß Kutucu ganz genau. Er selbst kommt aus Gelsenkirchen, kennt die Stadt bestens. "Sie ist nicht groß, sie ist arm, aber es ist meine Stadt", betont er, während er diese Attacken natürlich verurteilt.

Die Schuld für den Abstieg, den Auslöser für diese Vorkommnisse, sieht er indes nicht bei einzelnen Verantwortlichen: "Da sind alle. Es gab schon fünf Trainer in einer Saison, dann weiß man, dass etwas nicht stimmt. [...] Auch wenn ich hier in Almelo bin, habe ich Mitleid und habe große Probleme mit der Tatsache, dass wir abgestiegen sind."

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