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Kommentar: Der einzige Witz ist die milde Strafe für Jadon Sancho

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Der einzige Witz beim jüngsten Aufreger um BVB-Star Jadon Sancho ist das milde Strafmaß | LARS BARON/Getty Images

Der Tweet ist mittlerweile gelöscht, doch das Internet vergisst nicht. BVB-Star Jadon Sancho bezeichnete die von der DFL gegen ihn und Manuel Akanji verhängte Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro als "absoluten Witz". Der einzige Witz ist jedoch das milde Strafmaß, mit dem der Flügelspieler davonkommt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Jadon Sancho in dieser Saison neben dem Platz auffällt. Diesmal hat der 20-Jährige jedoch eine empfindliche Grenze überschritten. Wie einige seiner Mannschaftskollegen auch, ließ er sich von Star-Friseur Winnie Nana Karkari in seinen eigenen vier Wänden die Haare schneiden. Ein klarer Verstoß gegen das DFL-Konzept, in dem es in den Vorgaben für die häusliche Hygiene klipp und klar heißt: "Keine Besuche empfangen."

Über Wochen hat die DFL akribisch an ihrem Hygienekonzept gearbeitet und Lobbyarbeit hinter den Kulissen betrieben, um den Spielbetrieb wiederaufnehmen zu können. Nach Salomon Kalou und Heiko Herrlich muss die Liga nun gegen ihren dritten Eklat ankämpfen. Kalou wurde nach seinem folgenschweren Livestream von Hertha BSC suspendiert, Herrlich verzichtete nach seinem Einkauf freiwillig auf sein Pflichtspieldebüt als Trainer des FC Augsburg - Sancho und Akanji kommen dagegen mit einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro davon.

Die Fotos, die in den sozialen Medien kursieren, entlarven, wie ernst die Spieler das Hygienekonzept nehmen - nämlich gar nicht. Noch dreister ist es allerdings, dass der Vorschlag des BVB ignoriert wurde, einen Friseur zum Vereinsgelände zu bestellen. Stattdessen wird jemand in die Privatwohnung bestellt - und das Prozedere ohne die zwingend notwendigen Hygienemaßnahmen zur Schau gestellt. Es wäre naiv zu glauben, dass der Mundschutz nur für die Fotos abgenommen wurde. Stattdessen hätten Fotos mit Mundschutz signalisiert, dass man sich wenigstens an diese Maßnahme, die schließlich die gesamte Gesellschaft betrifft, hält.

Sancho selbst setzte dem Ganzen am Freitag auf Twitter die Krone auf. Ein millionenschwerer und hochbegabter Fußballer, der bald für einen absoluten Top-Klub spielen und enorme Geldsummen verdienen wird, kommt mit dieser Strafe noch milde davon. Wie im Falle von Kalou und Herrlich handelt es sich um eine Signalwirkung, mehr aber auch nicht.

Sancho muss sich seiner Vorbildfunktion bewusst werden

Warum also die Aufregung? Offenbar vermutete er, dass die DFL ihn nachträglich für seine Geste beim Auswärtsspiel in Paderborn (6:1) bestrafen wollte. Nach seinem Tor in der 57. Minute zog Sancho sein Trikot aus und präsentierte den Schriftzug "Justice for George Floyd" auf seinem Unterzieh-Shirt. So ehrenwert diese Aktion war, so dumm ist seine Reaktion auf die Geldstrafe. Dieser Vergleich mit Äpfel und Birnen ist schlichtweg grotesk. Sancho sieht seinen Fehler nicht ein und beweist wieder einmal seine fehlende Reife.

Genau wie Kalou hat er seine Vorbildfunktion mit Füßen getreten. Dass er diese Funktion als Person des öffentlichen Lebens innehat und diese auch nicht loswird, wird er in den kommenden Jahren noch lernen müssen. Gewiss sind auch Profi-Fußballer nur Menschen, aber jeder Mensch hat sich an Regeln zu halten; besonders, wenn er in diesen Zeiten das Privileg genießt, seinen Beruf unter strengsten Maßnahmen ausüben zu können. Insofern sollte Sancho einfach akzeptieren, dass er falsch gehandelt hat.