Klopp im Interview: "Warum solltest du ein Idiot sein?"

Stand Jamie Redknapp Rede und Antwort: Jürgen Klopp
Stand Jamie Redknapp Rede und Antwort: Jürgen Klopp / Chloe Knott - Danehouse/Getty Images
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Elf Jahre, von 1991 bis 2002 spielte Jamie Redknapp für den FC Liverpool. Nach seiner aktiven Zeit wurde zum vielgefragten TV-Experten. Jetzt führte der frühere Mittelfeldspieler für die Daily Mail ein Interview mit dem Trainer der Reds, Jürgen Klopp.

Und der bringt gleich zu Beginn seine aktuellen Sorgen und Nöte zu Wort: "Ich mag die Länderspielpausen nicht. Sie können meine Frau fragen, wie ich gerade aussehe. Es ist eine wirklich nervige Zeit. Für uns war die Unterbrechung alles andere als positiv. Wir haben drei Spieler verloren."

Über die Verletzungen von van Dijk und Gomez

Wie man denn mit einem Anruf mit der schlechten Nachricht (der Verletzung eines Spielers, wie z.B. von Joe Gomez) als Team-Manager umgehe? "Mein Englisch ist nicht gut genug, um zu beschreiben, was da in meinem Kopf vorging. Mein Hauptphysio hat mir sofort berichtet, dass es sehr ernst sei. Keine Hoffnung, dass es sich nur um eine Lappalie handeln könnte. Aber Verletzungen sind Teil des Geschäfts, für Spieler und Manager. Bei Joe war es der Intensität der Saison geschuldet - anders als bei Virgil van Dijk, wo es an einer komischen Entscheidung eines Spielers (Jordan Pickford) lag - und es für mich um so schwieriger macht, die daraus entstandene Situation zu akzeptieren."

Könnten fünf Wechsel dem vorbeugen? "Wir haben hart für eine Winterpause nach einer anstrengenden Saisonphase gekämpft. Eine Woche, in der du einfach mal abschalten kannst und nicht über Fußball nachdenken musst. Wir haben so dafür gekämpft, eine Woche weniger Belastung zu haben. Aber diese Saison ist natürlich nicht normal. Für alle ist es eine harte Zeit, nicht nur im Fußball. Aber es scheint, als habe sich die ganze Welt gedreht und nur zwei Dinge sind gleich geblieben: der Spielplan und drei Auswechslungen. Über diese beiden Sachen müssen wir reden. Auch mit den Fernsehanstalten."

"Als James Bond verdienst du mehr Geld als andere Schauspieler!"

"Die Leute sagen: 'Oh, aber die verdienen doch alle viel Geld!' Aber darum geht es nicht. Sie verdienen viel Geld, weil sie einfach besonders sind. Es gibt Schauspieler, die sehr gut sind, aber nie den James Bond darstellen. Aber als James Bond verdienst du natürlich mehr Geld als andere Schauspieler. Und bei den Fußballern ist es genauso. Es gibt so viele Fußballer - und die besten verdienen am meisten. Das macht sie aber nicht weniger anfällig für äußere Einflüsse. Am Mittwoch hatten wir genau darüber ein Treffen unter allen Managern. Das war so wichtig."

Klopp erwartet offenes Meisterschaftsrennen - mit acht Kandidaten auf den Titel!

Gefragt, wie viele Mannschaften in dieser Saison um den Titel mitspielen werden, antwortet Klopp: "Acht. Ich sehe ein offenes Rennen, und das ist gut so. Daran ändern auch fünf Auswechslungen oder die Tatsache, an einem Sonntag um 12.30 Uhr zu spielen zu müssen, nichts. Ich habe jedenfalls kein Problem mit einem offenen Meisterschaftsrennen."

In den letzten drei Jahren erreichten die Meister jeweils 100, 98 und 99 Punkte. Redknapp wagt die vorsichtige Prognose, dass in diesem Jahr schon 85 Punkte für den Titel reichen könnten. "Jamie", antwortet Klopp, "im Moment ist mir nichts unwichtiger als das. Es sieht tatsächlich nicht danach aus, dass ein Team auf 100 Punkte kommen könnte. Aber was weiß man schon? Wird die Saison so lang wie die vorigen? Oder vier Wochen kürzer? Ich glaube nicht, dass es möglich ist. Selbst 87 Punkte scheinen weit entfernt zu sein."

Kaum Zeit für taktisches Training

Ob er denn zur Zeit überhaupt Zeit finden würde, taktische Dinge mit dem Team zu trainieren? "In meiner Anfangszeit, bei Mainz 05, war der Ablauf: Sonntag das Spiel, Montag Erholung, Dienstag frei, Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Samstag Training und Sonntag das nächste Spiel. Da konntest du an allen Facetten arbeiten. Das ist jetzt komplett anders. An drei dieser Tage spielen wir jetzt. Deshalb war ich auch so glücklich mit dem Spiel gegen Manchester City. Das zu handeln, ist recht tricky. Du brauchst dafür ein Team, das dir zuhört und folgt. Das war so gegen City. Und deshalb war ich so glücklich."

Glücklich ist der deutsche Held von Liverpool (vom roten Teil der Stadt zumindest) auch über den nun über die Bühne gegangenen Umzug vom früheren Trainingszentrum in Melwood in die neue Anlage in Kirkby. "Das ist sehr spannend. Ich habe seit einiger Zeit nicht mehr als Spieler gedacht. Aber als ich die neue Anlage sah, ging mir durch den Kopf: 'Oh Mann, hier hättest du dich auch gerne umgezogen. Und in diesem Pool wärst du auch gerne geschwommen.' Als ich noch Spieler war, gab es keine Pools. Es gab einen Duschraum, der 50 Jahre alt war."

"Sei einfach eine nette Person!"

Was ihn als Trainer so besonders mache? "Ich habe es verstanden, richtig gute Persönlichkeiten miteinander zu verbinden. Ich mag es, zuzuhören. Ich mag es, interessiert zu sein. Und dann bin ich recht gut darin, die Spieler einfach wachsen zu lassen. Das macht mich noch nicht zu einem großartigen Trainer. Aber es hat mich zu dem Trainer werden lassen, der ich heute bin. Das ist der Weg. Ich könnte zwar kein Buch darüber schreiben, wie genau es funktioniert, aber es geht hier einfach um gesunden Menschenverstand. Respektiere die Leute, mit denen du arbeitest, unterstütze sie, so doll du kannst, dann kriegst du auch was wieder. Sei einfach eine nette Person. Warum solltest du ein Idiot sein."