Hertha BSC

Kevin-Prince Boateng: Hertha-Anführer als Teilzeitkraft

Nikolas Pfannenmüller
Kevin-Prince Boateng spielt in dieser Saison nicht allzu viel bei Hertha BSC, eine wichtige Funktion hat der Routinier als Sprachrohr dennoch inne.
Kevin-Prince Boateng spielt in dieser Saison nicht allzu viel bei Hertha BSC, eine wichtige Funktion hat der Routinier als Sprachrohr dennoch inne. / Alexander Hassenstein/GettyImages
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Kevin-Prince Boateng wird Hertha BSC fußballerisch wohl nicht mehr in dem Maße weiterhelfen können wie in der Zeit, als er noch ein Jungspund war. Darauf deuten zumindest die ersten Monate der laufenden Saison hin. Boateng ist bei der Alten Dame eine Teilzeitkraft, sein Wort in der Kabine hat aber dennoch Gewicht.


Die Transferhistorie von Kevin-Prince Boateng ist länger als die Speisekarte bei manch einem italienischen Restaurant. Der 34-Jährige hat das Fußballbusiness aus vielerlei Perspektiven erlebt, Titel in unterschiedlichen Ländern bejubelt und ist im Sommer zu seiner Jugendliebe Hertha BSC zurückgekehrt.

Kevin-Prince Boateng hat viel erlebt in seiner Karriere

2007 hatte der gebürtige Berliner die Hertha in Richtung England verlassen. Er unterschrieb damals bei den Tottenham Hotspur, der Startschuss einer Reise quer durch Europa.

Mit der AC Mailand wurde Boateng 2011 italienischer Meister - es war das vorerst letzte Mal, als die Rossoneri den Scudetto in die Höhe recken konnten.

Mit Eintracht Frankfurt holte Boateng in einer Schlüsselrolle 2018 den DFB-Pokal, ein Jahr später wurde seine Vita sogar durch die spanische Meisterschaft garniert. Denn für ein halbes Jahr spielte Boateng auf Leihbasis für den großen FC Barcelona, wenngleich er bei den Katalanen kaum zum Einsatz kam.

Bei der Hertha ist Boateng derzeit nur Teilzeitkraft

Ein wenig mehr Spielpraxis als in Barcelona (vier Pflichtspiele) hat Boateng seit seiner Rückkehr zur Hertha zwar schon aufzuweisen, doch in der Startelf fand er sich in jüngster Zeit kaum noch wieder.

In der Bundesliga beorderte sein Trainer Pal Dardai den Mittelfeldspieler vier Mal in die Anfangsformation, in drei Partien schmorte Boateng aber über die volle Distanz auf der Ersatzbank. Ebenfalls dreimal kam er als Joker ins Spiel - allerdings immer nur von kurzer Dauer.

Boateng spielte in keinem Bundesligaspiel mehr als 60 Minuten, die etlichen strapaziösen Profijahre steckt sein Körper anscheinend nicht ohne Weiteres weg. Das Spiel gegen den FC Bayern München (0:5) verpasste Boateng wegen Rückenproblemen.

In der Tabelle belegt die Hertha nach elf Spieltagen den 13. Platz. Das Team hat immer mal wieder für eine Überraschung gesorgt (wie beim 1:0-Erfolg gegen Mönchengladbach oder beim 2:1-Auswärtssieg in Frankfurt), auf der anderen Seite war man bisweilen auch komplett chancenlos (wie beim 0:5 in München oder beim 0:6 in Leipzig).

Boateng spricht über seine Aufgaben bei der Hertha

Boatengs Vertrag läuft noch bis zum Saisonende. Was danach passiert, ist aktuell offen. Vor dem Derby am Samstag (18.30 Uhr) gegen Union Berlin sprach der 34-Jährige bei Hertha TV über seine Aufgaben in der Mannschaft.

"Mein Job ist, die jungen Spieler so stark zu machen, dass sie Hertha wieder an die Spitze bringen. Leute wie Mittelstädt und Richter drehen auf, ein paar Prozent sind von mir dabei, das macht mich stolz", sagte Boateng.

Boateng machte deutlich, dass er seine Rolle genau kenne. "Manchester United hat Cristiano Ronaldo zurückgeholt, aber der hat sein ganzes Leben dafür gelebt, dass er mit 36 Jahren noch in jedem Spiel ein Tor machen kann. So habe ich ja nicht gelebt", gab Boateng sich selbstkritisch und realitätsbewusst.

Boateng über seine Barça-Zeit, die Liebe zur Hertha und sein Foul an Michael Ballack

Der Halbbruder von Jerome Boateng erzählte auch über sein Intermezzo beim FC Barcelona. "Mein Berater hat angerufen und hat gesagt: Barcelona will mich haben. Ich dachte: Ich hab’s noch drauf", sagte er und fügte im Wissen seiner geringen Einsatzzeit bei den Katalanen hinzu: "Natürlich lief es nicht so, wie ich es mir erhofft hatte, ich habe wenig gespielt. Trotzdem war das mit 32 Jahren eine Riesen-Erfahrung, für so einen Verein zu spielen."

Alle anderen Vereine, für die Boateng im Laufe seiner Karriere gespielt hat, stehen für ihn im Hintergrund, wenn man sie mit der Hertha vergleicht. "Ich habe mir die Fahne tätowiert, weil ich will, dass die Menschen wissen, dass dieser Verein alles für mich ist. Sie haben mir die Chance gegeben, Profi zu werden", bekräftigte Boateng.

In Boatengs Laufbahn gab es jedoch auch Schattenseiten. Sein böses Foul an Michael Ballack im Jahr 2010, das dem damaligen Kapitän der deutschen Nationalmannschaft die WM in Südafrika kostete, gehört zweifellos dazu.

Nicht nur das Foul an sich hat Boateng nach eigenen Angaben zugesetzt, sondern auch die Folgen, wie daraufhin mit ihm umgegangen wurde.

"Mich hat nie jemand gefragt, wie es mir geht. Das war hart. Ich bin in Deutschland aufgewachsen und dann war eine ganze Nation gegen dich - Hass-Nachrichten, rassistische Nachrichten. Sie haben mein Auto zerkratzt und mit Eiern beworfen", sagte der frühere Nationalspieler Ghanas, der zum Zeitpunkt des Fouls an Ballack für den FC Portsmouth spielte.

"Ich bin am Flughafen in Berlin gelandet. Da hat die Polizei meinen Pass genommen und auf den Boden geworfen, als sie gesehen hat, dass ich es bin", erzählte Boateng über die schwierige Phase.

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