Bundesliga

Das Duell um die Hauptstadt: Wer regiert in Berlin? Union empfängt Hertha

Malte Henkevoß
Wessen Farben werden am Samstagabend die Berliner Fußballszene beherrschen?
Wessen Farben werden am Samstagabend die Berliner Fußballszene beherrschen? / Boris Streubel/GettyImages
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In Berlin wird aktuell vor allem um wichtige Posten geschachert. Die entscheidenden Farben sind dabei die der Ampel, die möglicherweise bald die Regierung in der Hauptstadt stellen wird. Sportlich jedoch geht es an diesem Wochenende lediglich zum zwei Farben. Rot gegen Blau. Ost gegen West. Union gegen Hertha. Und das in einer ausverkauften Alten Försterei! Wer kann das Duell um Berlin für sich entscheiden?


Derbys sorgen immer für den Funken mehr an Energie. Sei es auf der Tribüne oder im Zweikampfverhalten auf dem Feld. Es ist immer ein wenig mehr Zunder drin in diesen besonderen Partien. Da die Mutter aller Derbys mit Dortmund-Schalke dieses Jahr in der Bundesliga nicht stattfinden wird, ist das Duell der beiden Hauptstadtklubs mit Sicherheit eines der interessantesten Nachbarschaftsduelle der Saison.

Die externen Vorzeichen für das Spiel sind definitiv derbyreif, die Anspannung in Berlin vor dem Duell beider Klubs steigt. Dass sich diese auch im Stadion positiv niederschlagen kann, ist in Zeiten Coronas keine Selbstverständlichkeit. Doch berichteten der kicker und städtische Berliner Medien, dass das Derby in Köpenick unter 2G-Bedingungen vor vollem Haus stattfinden kann. Die Alte Försterei wird also zum Berliner Hexenkessel werden.

Die Fans der Eisernen werden in der Alten Försterei definitiv für Hochstimmung sorgen!
Die Fans der Eisernen werden in der Alten Försterei definitiv für Hochstimmung sorgen! / JOHN MACDOUGALL/GettyImages

Die Vorgeschichte des Berlin-Derbys ist dabei interessanterweise sehr ausgeglichen. Insgesamt gab es neun Spiele zwischen den beiden Klubs: vier in der Bundesliga, vier in der zweiten Liga sowie ein Freundschaftsspiel. Die Bilanz: drei Siege für die Hertha, drei Siege für die Eisernen und drei Unentschieden.

Die Bilanz in der ersten Liga seit dem Aufstieg der Unioner 2019 spricht allerdings leicht für die Hertha. Nachdem das erste Bundesliga-Duell an Union ging, konnte Hertha zwei Duelle gegen den Stadtkonkurrenten gewinnen, ehe das letzte Duell an der Alten Försterei ohne Fans 1:1 ausging.

Union mischt die Liga auf, Hertha hinter den eigenen Ansprüchen

Was die sportlichen Ergebnisse in der Liga angeht, hat Union die Hertha tabellarisch abgehängt. Die Köpenicker spielen in diesem Jahr erstmals international in der Europa Conference League. Die Stabilisierung in der Bundesliga ist gelungen, Abstiegskampf ist aktuell kein Thema mehr.

Internationale Gefilde sind für die Hertha momentan mehr Wunschvorstellungen denn Realität, was bei dem Unterschied der finanziellen Aufwendungen beider Klubs doppelt bitter anmutet. Die Leistungen sind zu unstet, um sich im oberen Bereich festzusetzen. Stattdessen grüßt die alte Dame momentan von Platz 13. Ein Erfolgserlebnis beim Stadtnachbarn könnte da durchaus ein wenig Euphorie entfachen

Die Unioner wollen dem Spiel sportlich zwar auch nicht zu viel Bedeutung beimessen, verstehen aber natürlich auch die emotionale Anspannung insbesondere beider Fanlager. Grischa Prömel sagte im kicker-Interview, dass Hertha "eine Mannschaft mit hoher individueller Qualität" sei und sich die Eisernen auf ihre eigenen Stärken konzentrieren müssten. Die Identifikation mit den Fans ist natürlich ein äußerst wichtiger Faktor, weswegen Prömel ergänzt: "Mein Herz in Berlin liegt bei Union".

Wenn der Herthaner Bus am Samstag an der Alten Försterei eintrifft, kann das Stimmungsfeuerwerk beginnen!
Wenn der Herthaner Bus am Samstag an der Alten Försterei eintrifft, kann das Stimmungsfeuerwerk beginnen! / Boris Streubel/GettyImages

Auch auf Seiten der Herthaner wird kein Hehl daraus gemacht, dass das Spiel um die Hauptstadt eine besondere Intensität mit sich bringt. Verteidiger Jordan Torunarigha sagt auf der vereinseigenen Webseite: "Wir müssen gar nicht groß drumherum reden – uns ist bewusst, welche Bedeutung diese Partie für den Club, alle Mitarbeitenden und Fans hat. Genau das müssen wir auf dem Platz zeigen und annehmen: Wir wissen, worum es geht – und werden alles investieren!"

Covid-Ausfall bei den Eisernen, zwei defensive Achsen fehlen der Hertha

Beide Mannschaften haben Ausfälle zu beklagen. Bei Union wird Kevin Behrens nach seinem positiven Covid-19-Test definitiv fehlen. Nach Vereinsinfos gab es neben dem 30-Jährigen jedoch keine weiteren positiven Tests. Max Kruse laborierte unter der Woche an einer Oberschenkelblessur, sein Einsatz ist aktuell noch offen.

Auch bei der Hertha gab es mit Stevan Jovetic einen Corona-Fall, allerdings könnte der Nationalspieler Montenegros nach Genesung wieder im Kader stehen. Schwerwiegend sind hingegen die Rotsperre von Abwehrchef Dedryck Boyata und der Ausfall von Vladimir Darida (Oberschenkelverletzung).

Eine besondere Geschichte betrifft den japanischen Nationalspieler Genki Haraguchi. Der 30-Jährige, der nun die Fußballschuhe für die Eisernen schnürt, spielte zwischen 2014 und 2018 für die Hertha, kam in 105 Pflichtspielen zum Einsatz und erzielte dabei sechs Treffer. Speziell zum Ende hin war Haraguchi bei der Hertha allerdings nicht mehr gefragt, wurde an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen und später an Hannover 96 abgegeben. Seit dieser Saison spielt der Japaner für Union, legte in elf Ligaspielen vier Treffer auf. Seine besondere Geschichte könnte mit einem großen Auftritt gegen seinen Ex-Klub eine interessante Wendung nehmen und ihn, speziell im Osten Berlins zum Matchwinner im Derby machen.

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