Die Kaderbaustellen des FC Bayern: Wo im Winter nachgelegt werden muss

Henry Einck
Trainer Julian Nagelsmann und Sport-Vorstand Hasan Salihamidzic.
Trainer Julian Nagelsmann und Sport-Vorstand Hasan Salihamidzic. / Stefan Matzke - sampics/GettyImages
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Dem FC Bayern München steht für die anstehende Rückrunde alles offen. Julian Nagelsmann und sein Team sind in allen Wettbewerben noch im Rennen. Damit der Kader für die entscheidenden Spiele gewappnet ist, könnte Sportvorstand Hasan Salihamidzic im Winter noch aktiv werden. Wir haben die Baustellen der Bayern mal genauer untersucht.


Julian Nagelsmann führte seine Mannschaft in idealer Ausgangslage in die WM-Pause. Der FC Bayern steht mit 34 Punkten in 15 Spielen an der Tabellenspitze der Bundesliga und ist ins Achtelfinale des DFB-Pokals sowie der UEFA Champions League eingezogen. Trotzdem gibt es noch Baustellen im Kader des Rekordmeisters.

Die WM-Pause hat bei den Bayern personelle Spuren hinterlassen. Rekordtransfer Lucas Hernandez zog sich im Auftaktspiel von Frankreich einen Kreuzbandriss zu. Der Franzose wird bis Saisonende ausfallen. Gleiches gilt für Manuel Neuer. Der Stammtorwart hat sich im Urlaub beim Skifahren den Unterschenkel gebrochen und musste operiert werden.

Die beiden Langzeitverletzungen und die ungewisse Zukunft einiger Bayern-Stars sorgen für Baustellen im Kader. Hasan Salihamidzic ist auf der Suche nach Lösungen und kann ab Januar aktiv werden. Wir zeigen einige Kaderstellen auf, auf die der Manager ein Auge haben sollte.

1. Torhüter

Manuel Neuer fällt bis zum Saisonende aus.
Manuel Neuer fällt bis zum Saisonende aus. / Soccrates Images/GettyImages

Die offensichtlichste Baustelle ist die Torhüterposition. Nach dem Saison-Aus von Manuel Neuer stehen mit Sven Ulreich (34) und Johannes Schenk (19) nur noch zwei Profi-Torhüter zur Verfügung. Ulreich ist ein geeigneter kurzfristiger Neuer-Ersatz, verfügt aber über kein internationales Top-Niveau. Schenk wartet noch immer auf den ersten Profi-Einsatz.

Dass sich die Verantwortlichen des FC Bayern zum Nachbessern gezwungen sehen, kommunzierten sie zuletzt auch öffentlich. Als wahrscheinlichste Option gilt eine Rückkehr von Alexander Nübel (26), der auf Leihbasis bei AS Monaco eine gute Saison spielt. Dafür müssten sich die Klubs finanziell einigen. Eine Rückholklausel existiert nicht. Und auch Nübel selbst müsste dem zustimmen.

Als weitere Optionen galten zuletzt auch Dominik Livakovic (27) von Dinamo Zagreb und Keylor Navas (36) von PSG. Livakovic hat sich mit seinen Leistungen für Kroatien bei der abgelaufenen WM für Höheres empfohlen. Einen Transfer des Kroaten wird es aber wohl nicht geben. Auch, weil man rund zehn Millionen Euro Ablöse zahlen müsste.

Navas ist in Paris nur noch Bankwärmer, stellte sein Können aber zuletzt für Costa Rica wieder unter Beweis. Ein Deal gilt aber als unwahrscheinlich, weil PSG damit die Münchener vor dem Duell in der Champions League stärken würde.

2. Innenverteidigung

Giorgio Scalvini soll bei Bayern auf dem Zetteln stehen.
Giorgio Scalvini soll bei Bayern auf dem Zetteln stehen. / Mattia Ozbot/GettyImages

Das Aus von Lucas Hernandez ist für den FC Bayern doppelt bitter. Denn: Der Franzose agiert in München in einer Doppelfunktion. Jetzt fehlt sowohl in der Innen- als auch auf der Linksverteidigung eine Option.

Aktuell stehen mit Matthijs de Ligt (23) und Dayot Upamecano (24) zwei nominelle Innenverteidiger zur Verfügung. Einzige Option ist Benjamin Pavard (26), der vorrangig als Rechtsverteidiger agiert, selbst aber die innere Position bevorzugt. Ein Back-up in der Innenverteidigung wäre dennoch sinnvoll.

Gehandelt werden aktuell Josko Gvardiol (20) und Giorgio Scalvini (19). Ein Wechsel des RB-Shootingstars im Winter ist ausgeschlossen. Generell müssten die Bayern finanziell an ihre Grenzen gehen. Attraktiver erscheint da eine Verpflichtung von Scalvini. Das Atalanta-Talent wäre wohl für 20 bis 30 Millionen Euro zu haben.

3. Rechtsverteidigung

Benjamin Pavard wird den Vertrag nicht verlängern.
Benjamin Pavard wird den Vertrag nicht verlängern. / ANP/GettyImages

Auch die Rechtsverteidigerposition bereitet Probleme. Die Sport Bild berichtete kürzlich, dass Pavard seinen Vertrag (Laufzeit bis Juni 2024) nicht verlängern wird. Die Bayern könnten noch im Winter reagieren, um eine maximale Ablösesumme zu generieren. Im Gespräch sind unter anderem AC Mailand und Manchester United als Abnehmer.

Auch, wenn Pavard im Winter nicht wechselt, wäre ein Back-up hilfreich. Sofern Bayern keinen Innenverteidiger verpflichtet, müsste Pavard dort wohl häufiger ran. Dann wären Noussair Mazraoui (25) und Josip Stanisic (22) die einzigen Optionen. Bouna Sarr (30) wird nach seiner Knie-OP wohl noch Zeit brauchen.

Gerüchte halten sich sowohl um einen direkten Pavard-Ersatz als auch einen möglichen Back-up vage. Eine Möglichkeit wäre, auf Spieler zu blicken, deren Verträge im Sommer auslaufen. Diogo Dalot (23) von Manchester United und Hector Bellerin (27) sowie Sergi Roberto (30)
vom FC Barcelona wären Kandidaten von internationalem Format.

4. Linksverteidigung

Lucas Hernández zog sich im WM-Auftaktspiel einen Kreuzbandriss zu.
Lucas Hernández zog sich im WM-Auftaktspiel einen Kreuzbandriss zu. / Jean Catuffe/GettyImages

Noch prekärer ist die Situation auf der linken Abwehrseite. Allgemein verfügt der Rekordmeister mit Alphonso Davies (22) nur über einen nominellen Linksverteidiger im Kader. Der direkte Ersatz Lucas Hernandez fällt zudem bis Saisonende aus.

Wenn Davies ausfallen sollte, könnten nur Mazraoui oder Stanisic auf die andere Seite wechseln. Dort spielte Erstgenannter auch für Marokko bei der WM. Darauf scheint Bayern setzen zu wollen. Salihamidzic hatte zuletzt gegenüber dem kicker betont, dass man kein Interesse an einem direkten Hernandez-Ersatz habe.

Dabei wären einige vielversprechende Linksverteidiger durchaus günstig zu haben. Die Verträge von Marcos Alonso (31) vom FC Barcelona und Alex Sandro (31) von Juventus Turin laufen aus. Auch eine Bundesliga-Lösung wäre denkbar. Aarón Martín (25) von Mainz 05 und Jonas Hector (32) vom 1. FC Köln wären als Back-up auf der Position denkbar.

5. Mittelsturm

Der FC Bayern soll sich nach Niclas Füllkrug erkundigt haben.
Der FC Bayern soll sich nach Niclas Füllkrug erkundigt haben. / Stuart Franklin/GettyImages

Bei den Fans des Rekordmeisters sind die Rufe nach einem klassischen Neuner am lautesten. Der Abgang von Robert Lewandowski (34) zum FC Barcelona hat eine große Lücke im Sturmzentrum hinterlassen, die nie ausgefüllt wurde.

Am Anfang der Saison rückten häufig Mané (30), Gnabry (27) oder Müller (33) in die Spitze. Vor der WM-Pause setzte sich Eric Maxim Choupo-Moting (33) als einziger klassischer Neuner im Sturmzentrum durch. Darüber hinaus steht Mathys Tel (17) zur Verfügung, der aufgrund des jungen Alters aber wohl keine A-Lösung ist.

Trotz der Leistungsexplosion von Choupo-Moting werden einige Mittelstürmer mit den Münchenern in Verbindung gebracht. Die Bayern-Verantwortlichen sollen sich unter anderem nach Torjäger Niclas Füllkrug (29) von Werder Bremen erkundigt haben. Zudem werden Harry Kane (29), Marcus Thuram (25) und Dusan Vlahovic (22) gehandelt, deren Verpflichtungen im Winter aber als unrealistisch gelten.


Wie der optimale Bayern-Kader zu Beginn der Rückrunde aussehen könnte

Tor: Manuel Neuer, Alexander Nübel, Sven Ulreich, Johannes Schenk

Innenverteidigung: Matthijs de Ligt, Dayot Upamecano, Lucas Hernández, Giorgio Scalvini

Außenverteidigung: Alphonso Davies, Benjamin Pavard, Noussair Mazraoui, Jonas Hector, Josip Stanisic, Bouna Sarr

Zentrales Mittelfeld: Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Ryan Gravenberch, Marcel Sabitzer

Offensives Mittelfeld: Jamal Musiala, Thomas Müller, Paul Wanner

Flügelspieler: Leroy Sané, Sadio Mané, Serge Gnabry, Kingsley Coman

Stürmer: Niclas Füllkrug, Eric Maxim Choupo-Moting, Mathys Tel


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