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Bayern München

So erfuhr Jerome Boateng von seinem Bayern-Aus

Simon Zimmermann
Unwürdig: Boatengs zehn Jahre beim FCB enden im Sommer mit einem faden Beigeschmack
Unwürdig: Boatengs zehn Jahre beim FCB enden im Sommer mit einem faden Beigeschmack / Matthias Hangst/Getty Images
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Der FC Bayern trennt sich am Saisonende von Jerome Boateng. Der Zeitpunkt, an dem der 32-Jährige von Hasan Salihamidzic darüber informiert worden sein soll, dürfte jedem Fan einen Stich ins Herz versetzen!


Hasan Salihamidzic verkündete den Abgang von Jerome Boateng am Ende der Saison bekanntlich kurz vor dem Anpfiff gegen PSG. Der Sportvorstand des FC Bayern sah im Vorfeld des Hinspiels im Champions-League-Viertelfinale offenbar den passenden Moment dafür gekommen, was bereits seit Wochen und Monaten in den Medien spekuliert wurde: Die Zeit des Innenverteidigers beim deutschen Rekordmeister endet nach zehn Jahren.

"Ich habe mit Jerome gesprochen, sein Vertrag läuft aus, er wird auch nicht verlängert", erklärte Brazzo am Sky-Mikrofon. "Ich habe es Jerome erklärt, er hat es verstanden. Er weiß, dass er beim FC Bayern auch durch das große Tor geht, womöglich auch mit Titeln", so der FCB-Sportvorstand weiter.

Salihamidzic erklärte vor dem PSG-Spiel, dass man sich von Boateng trennen werde
Salihamidzic erklärte vor dem PSG-Spiel, dass man sich von Boateng trennen werde / LEON KUEGELER/Getty Images

Ein zweifacher Triple-Sieger, Weltmeister und Stammspieler fast über eine Dekade - sprich, ein hochverdienter Spieler des FC Bayern. Abgespeist kurz vor Anpfiff eines so entscheidenden Spiels. Der Eindruck, dass Boateng in München (abgesehen von Hansi Flick) nicht die verdiente Wertschätzung bekommt, hatte sich nach diesem Brazzo-Interview zementiert. Und war weiteres Zündholz in der Fehde zwischen dem Sportvorstand und dem Trainer. Denn Flick musste sich nach Spielende mächtig auf die Zunge beißen. Schließlich erklärte Salihamidzic auch noch, dass der Boateng-Abgang mit dem Trainer abgesprochen gewesen sei. Dass dem nicht ganz so war, verdeutlichte Flicks Reaktion. Großartig zwischen den Zeilen lesen brauchte man dabei nicht.

Am Tag des PSG-Spiels: Brazzo informiert Boateng von seinem Bayern-Aus

Noch trauriger wird die Entscheidung der Bayern-Verantwortlichen, den auslaufenden Vertrag mit Boateng nicht zu verlängern, wenn man den Informationen von Sport1 Glauben schenkt. Nicht die Entscheidung gegen eine weitere Zusammenarbeit mit dem 32-Jährigen, sondern die Art und Weise, dürfte jedem FCB-Fan einen Stich ins Herz versetzen. Denn, dass man sich trennt, ist legitim und das gute Recht des Klubs.

Doch durch das große Tor kann und wird Boateng gar nicht mehr gehen können. Nicht nach all den Respektlosigkeiten, die er von den Verantwortlichen erfahren hat. Boateng jedenfalls soll erst am Tag des PSG-Spiels von Salihamidzic über sein Bayern-Aus informiert worden sein! Am Morgen nach dem obligatorischen Anschwitzen sei Brazzo auf Boateng zugegangen, um ihn darüber zu informieren.

Warum man einem Spieler solch eine wichtige und aus Boatengs Sicht negative Entscheidung am Tag eines solch wichtigen Spiels mitteilt, bleibt das Geheimnis von Salihamidzic. Die Entscheidung dürfte jedenfalls schon längst gefällt worden sein. Und ein passenderer Zeitpunkt hätte sich mit Sicherheit auch gefunden. Es war, als ob jemand am Geburtstag der Freundin mit ihr Schluss macht.

Dann dies auch noch öffentlich in einem Interview vor dem Spiel - quasi zwischen Tür und Angel - zu verkünden, ist der Gipfel an mangelnder Wertschätzung. Bei einem Spieler wie Boateng hätte man dies in deutlich größerem Stil und mit deutlich mehr Dankbarkeit regeln können.

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