Immer wieder Müller: Der wahre Erfolgsgarant des FC Bayern

Florian Bajus
Die verbale Peitsche: Niemand im Estadio da Luz war lauter als Thomas Müller
Die verbale Peitsche: Niemand im Estadio da Luz war lauter als Thomas Müller / Pool/Getty Images
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Aufgrund seiner Glanzleistung gegen den FC Chelsea (4:1) galt Robert Lewandowski als wichtigster Mann des FC Bayern im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Barcelona. Beim bemerkenswerten 8:2-Sieg des deutschen Rekordmeisters stach jedoch vor allem Thomas Müller heraus. Der Raumdeuter ist in der Form seines Lebens - und das nicht nur aufgrund seiner spielerischen Qualitäten.

Müller ist ein besonderer Spieler. Wie gut er wirklich ist, erkennt man größtenteils aber nur anhand der Szenen, in denen er nicht am Ball ist. Oberflächlich blicken Experten und Fans allen voran auf seine nicht allzu stark ausgeprägte Muskulatur und seine teils unorthodoxen Bewegungen, mit denen er irgendwie doch immer Gefahr erzeugt. Wäre er ein eleganterer Spieler, würde er deutlich mehr Lob für seine typischen "Müller"-Tore kassieren. Aber darauf kommt es bei ihm gar nicht an.

Was Müller so gut und zu einem der erfolgreichsten deutschen Fußballer der Geschichte macht, sind seine intelligenten Läufe, mit denen er unzählige Räume eröffnet, seine Galligkeit im Pressing, das er über 90 Minuten konsequent ausführt und nicht zuletzt seine unheimliche Erfolgsgier. Müller hat das Sieger-Gen des FC Bayern nicht nur bloß verinnerlicht, er verkörpert es seit zehn Jahren mit jeder Faser. Bemerkenswert waren im leeren Estadio da Luz nicht die vielen Chancen, an denen er beteiligt war, ebenso wenig waren es seine beiden Tore oder sein konsequentes Anlaufverhalten. Vielmehr war es seine Stimme, von der er fast so viel Gebrauch machte wie von seinen Beinen.

Gegen Barça bot Müller (Mitte) seine beste Leistung in dieser Saison
Gegen Barça bot Müller (Mitte) seine beste Leistung in dieser Saison / RAFAEL MARCHANTE/Getty Images

Müller koordiniert das Angriffspressing, er sagt seinen Mitspielern, was sie in dieser und jener Szene besser machen sollen, er spricht ihnen Mut zu, peitscht sie nach vorne und freut sich nach jedem Treffer mit dem Torschützen, als hätte er den Ball selbst im Netz versenkt. Wo Robert Lewandowski wegen seiner vielen Tore als Zugpferd des FC Bayern gilt, ist eigentlich Thomas Müller der wahre Führungsspieler. Er ist ein Koordinator und Motivator, der selbst keinerlei extrinsische Motivation benötigt. Der Ehrgeiz, diese Gier nach Titeln, sie ist fest in ihm verankert - und sie macht ihn und damit auch all seine Mitspieler besser.

Vom Notnagel zum Unverzichtbaren

Ein besonderer Spieler ist Müller aber auch deshalb, weil er einen Trainer braucht, der mit ihm umgehen kann. Das konnten Luis van Gaal, Jupp Heynckes und Pep Guardiola, und das kann Hansi Flick. Letzterer kitzelt die allerletzten Prozente aus dem 30-Jährigen heraus, der frühere Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft hat ihn nach anderthalb schwierigen Jahren unter Niko Kovac noch einmal besser gemacht.

Der aktuelle Müller ist unverzichtbar für den Erfolg, ein plötzlicher Ausfall würde die Chance auf den Titel extrem schmälern. Sorgen würde er sich wohl aber keine machen, so lässt sich zumindest sein Lob für die Einwechselspieler nach dem Schlusspfiff interpretieren: "Am schönsten ist eigentlich, wenn man sieht, dass die Spieler, die reinkommen, den gleichen Impact haben, die gleiche Freude, die gleiche Arbeitseinstellung" (Sky, zitiert via kicker). Im Halbfinale wird er erneut mit gutem Bespiel vorangehen.

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