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HSV-Planungen: Boldts schwieriger Neuanfang mit Rückkehrern und Altlasten

Fahne HSV
TF-Images/Getty Images

Noch steht immer nicht fest, in welcher Liga der Hamburger SV in der kommenden Spielzeit aufschlagen wird. Die Möglichkeit, trotz des sportlichen Absturzes der vergangenen Wochen noch die Relegation zu erreichen, ist immer noch gegeben. Diese mindestens noch bis Sonntagnachmittag anhaltende Unsicherheit bezüglich der Planungen für das kommende Spieljahr macht die Arbeit für Sportvorstand Jonas Boldt natürlich nicht einfacher.

Boldts Kampf mit den Altlasten

Zumal sich Boldt nach Ablauf dieser Saison auch Gedanken über die Altlasten des Kaders Gedanken machen muss. Die negative Konnotation des Begriffes ist gewollt - denn wie sollte man den Umstand sonst beschreiben, dass hinsichtlich der Kaderaufstellung für 2020/21 bereits jetzt hohe (und selbstverschuldete) Hindernisse im Weg stehen. Aufgestellt wurden sie schon vor längerer Zeit.

Ich beziehe mich dabei natürlich auf DAS Sorgenkind schlechthin: Bobby Wood. Auf der nach unten offenen Skala der Erniedrigungen, die der US-Amerikaner hawaiianischen Ursprungs in den letzten Monaten über sich ergehen lassen musste (wohlgemerkt: nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen "Verdienste"), rangiert der gestrige Donnerstag sicherlich ganz weit am Ende. Weil Trainer Hecking nämlich ein Trainingsspiel elf gegen elf anordnete, waren plötzlich zu viele Spieler auf dem Feld. Und so musste Bobby Wood zusammen mit den U19-Spielern Jonah Fabisch und Anssi Suhonen auf einen Nebenplatz ausweichen.

Eine sportliche Zukunft beim HSV hat Wood also ganz offensichtlich nicht mehr. Dumm nur, dass sein Vertrag noch bis zum Sommer nächsten Jahres läuft. Und noch dümmer, dass sich sein Gehalt im Falle einer Rückkehr in die Bundesliga wieder auf rund vier Millionen Euro jährlich erhöhen würde. Viel Geld für eine ungenutzte Kaderstelle. Viel zu viel Geld. Ich wage mal die Prognose, dass man mit dem Geld locker das Gehalt von eineinhalb Pohjanpalos (oder Spieler gleichen Kalibers) bezahlen könnte.

Bobby Wood
Sitzt er seinen Vertrag tatsächlich bis zum Ende aus? Bobby Wood | TF-Images/Getty Images

Das Problem wird sein, einen Verein zu finden, der bereit ist, viel Geld für Woods Gehalt zu zahlen. Doch so viel es auch sein würde - es wäre niemals der Betrag, den Wood zur Zeit in Hamburg erhält. Ergo müsste auch der Spieler mitmachen - und zu einer Verringerung seines Gehalts bereit sein. Ist er das nicht, wird der HSV wohl nicht drumherumkommen, den früheren Union-Stürmer ein weiteres Jahr mit durchzuschleppen. Oder er überredet ihn, einer Vertragsauflösung (mit entsprechender Entschädigung) zuzustimmen. Bitter für einen Verein, der jeden Cent für Neuzugänge gebrauchen kann. Der Aussortierte wird somit zu einer Art Spiegel, der dem Verein dessen teilweise grobe Fehler aus der Vergangenheit vor Augen hält.

Was wird mit dem Quintett der verliehenen Spieler?

Doch auch mit anderen Namen, die in den letzten Wochen und Monaten in Hamburg keine Schlagzeilen lieferten, wird sich Boldt beschäftigen müssen. Es geht - natürlich - um die rückkehrenden Leihspieler. Fünf sind es an der Zahl: Berkay Özcan, David Bates, Manuel Wintzheimer, Jonas David und Aaron Opoku.

Özcan kam beim Erdogan-Klub Basaksehir in 22 Pflichtspielen zum Einsatz. Torvorlagen oder gar eigene Treffer gelangen ihm dabei nicht. Noch ernüchternder fällt der Blick auf die Einsatzzeiten aus. Über die volle Distanz von neunzig Minuten durfte der gebürtige Karlsruher lediglich in drei (von vier) Pokalspielen ran. In der Süper Lig summieren sich die Minuten seiner letzten sieben Spiele auf 63 - was einen Schnitt von neun Minuten pro Spiel entspricht. Das sind sicherlich keine Daten eines unbestrittenen Stammspielers. Das Leihgeschäft mit dem Klub aus Istanbul endet am 27. Juli. Dann wird Özcan nach Hamburg zurückkehren - aber wohl nur, um mit den dortigen Verantwortlichen eine Lösung bezüglich einer definitiven Trennung zu erreichen. Sein Vertrag beim HSV läuft noch bis 2023.

Berkay Ozcan
Kommt in der Süper Lig kaum zum Einsatz: Berkay Özcan | Gualter Fatia/Getty Images

Ähnliches, und in noch stärkerem Umfang, gilt für David Bates. Der Schotte bekam während seiner Leihe zum englischen Zweitligisten Sheffield Wednesday so gut wie gar kein Bein auf den Boden. Bis zu seiner Suspendierung durch Garry Monk im vergangenen März hatte Bates nur ein einziges Spiel bestritten: im Vereinspokal. In der Championship, der zweiten Liga Englands, steht sein Arbeitsnachweis bei null. Ab dem 1. Juli wird Bates wieder in Hamburg zurückerwartet. Denn dass die Engländer die Leihe nach diesem Jahr nicht verlängern wollen, dürfte niemand wirklich überraschen. Doch auch der HSV wird für den 23-jährigen Innenverteidiger keine Verwendung mehr haben. Vielleicht verschafft ihm ja der, der ihn einst nach Hamburg lotste, einen neuen Job. Der frühere HSV-Kaderplaner Johannes Spors ist mittlerweile beim holländischen Erstligisten Vitesse Arnheim tätig.

David Bates
Eine Leihe, von der keiner was hatte. Weder David Bates, noch Sheffield Wednesday und auch nicht der HSV! | TF-Images/Getty Images

Anders sieht es bei Manuel Wintzheimer aus. Zwar kann man jetzt nicht behaupten, dass er beim VfL Bochum alles zusammengeschossen hätte, denn dafür sind 3 Tore und 2 Vorlagen (in 20 Spielen) einfach eine zu geringe Ausbeute. Doch nach anfänglichen Startschwierigkeiten scheint der 21-jährige Mittelstürmer zum Ende der Saison immer besser in Fahrt zu kommen. Drei Einsätze über 90 Minuten in den letzten drei Spielen bestätigen diesen Eindruck. Die Bochumer jedenfalls würden die Leihe gerne nochmal über ein Jahr verlängern. Das berichtete zumindest zuletzt das Portal Tief im Westen (via mopo.de).

Wie der HSV plant, ist aktuell natürlich nicht seriös einzuschätzen, zumal die Trainer-Frage bis mindestens Sonntag noch ungeklärt bleibt. Die Tendenz geht wohl dahin, dass der HSV sein Sturm-Talent für ein weiteres Jahr nach Bochum verleiht. Wintzheimer ist noch bis Sommer 2022 an den HSV gebunden.

Manuel Wintzheimer
Kam zuletzt immer besser in Fahrt beim VfL: Manuel Wintzheimer | TF-Images/Getty Images

Gute Chancen auf eine Rückkehr in den Volkspark haben hingegen Verteidiger-Talent Jonas David und Aaron Opoku. David, in der laufenden Saison an den Drittligisten Würzburger Kickers verliehen und mit diesen gerade mitten im Aufstiegskampf steckend, soll wohl zurück nach Hamburg. Bei den Kickers konnte er sich zuletzt eine Stammposition erkämpfen. Ein paar Irritationen gab es vor einigen Wochen, als bekannt wurde, dass die Beraterfirma Keysports Management den Spieler in Holland für den Sommertransfermarkt angeboten haben soll. Ohne das Wissen des Spielers, seines Beraters (Dr. Dieter Gudel) und des HSV! Der HSV plant, den im kommenden Jahr auslaufenden Vertrag mit David zu verlängern.

Jonas David, Henrik Dettmann
Soll im Sommer zurück nach Hamburg: Jonas David | TF-Images/Getty Images

Auch Aaron Opoku will nach seinen starken Auftritten für Hansa Rostock in der dritten Liga im Sommer den nächsten Schritt auf der Karriereleiter gehen. Und der bedeutet: Rückkehr zum HSV. In 33 Spielen gelangen dem gebürtigen Hamburger mit ghanaischen Wurzeln immerhin 5 Treffer und 6 Vorlagen. Dass der HSV auf sein Offensiv-Juwel setzt, zeigt die im Mai erfolgte Vertragsverlängerung bis 2024. Für den Fall des Nicht-Aufstiegs in die Bundesliga ist eine Rückkehr des Stürmers nach Hamburg beschlossene Sache. Sollte der HSV jedoch, wider Erwarten, doch noch die Rückkehr ins Oberhaus schaffen, könnte sich Hansa Hoffnungen auf eine weitere Leihe machen.

Aaron Opoku
Will ab Sommer beim HSV angreifen: Aaron Opoku | Christof Koepsel/Getty Images