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Highnoon für Fan-Bündnis "Unser Fußball" - Weist es den Weg in eine nachhaltigere Zukunft?

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Fans kämpfen für eine sozialere und nachhaltigere Organisation des Profi-Fußballs | INA FASSBENDER/Getty Images

Viel ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie über den Fußball gesprochen worden. Und über die richtigen Schlüsse, die er aus dieser Krise ziehen sollte. Nachhaltigkeit, Solidarität und ein vernünftiges Wirtschaften stehen dabei ganz vorne auf der Liste der von vielen Seiten herangetragenen Forderungen. Jetzt macht sich auch ein Fan-Bündnis auf, den Fußball nach der Krise gesellschaftlich verantwortlicher und stabiler aufzustellen.

"Unser Fußball" heißt der Zusammenschluss von mehr als 1.000 Fan-Gruppierungen, teilweise aus der Ultra-Szene. Organisiert hat sich das Bündnis während der Hochzeit der hiesigen Corona-Krise, ganz im Stillen und Verborgenen. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Heute ab 12.00 Uhr will sich die Vereinigung nachhaltig Gehör verschaffen, um ihre Forderungen vorzutragen und für ihre Durchsetzung zu kämpfen. Doch welche Forderungen sind das genau?

Vier zentrale Forderungen

Es geht um vier zentrale Punkte:

1. Gerechter Wettbewerb:
Der ist mit dem momentanen System der Verteilung der TV-Gelder nicht gegeben, da die Platzhirsche (Bayern München, BVB) ein Vielfaches erhalten als kleinere Klubs. Ferner soll ein Financial-Fairplay-System eingerichtet werden, ähnlich wie es die UEFA vor einiger Zeit implantiert hat. Auch der Einfluss von Investoren soll beschränkt werden.

2. Vorbildrolle des Fußballs:
Dabei geht es nicht nur um Themen wie den Kampf gegen Rassismus und für mehr Respekt und Toleranz, sondern auch ganz allgemein um ein Handeln, dass sich stärker an ethischen, sozialen und ökologischen Prinzipien orientiert.

3. Transparenz:
Für eine Stärkung der Basisinstitutionen, der Fußballvereine, fordern die Bündnis-Vertreter eine Organisation der Klubs als eingetragene Vereine, in denen die Entscheidungsprozesse transparenter nach außen dargestellt werden sollen.

4. Fankultur:
Auch für sich selbst fordern die Fans eine stärkere Berücksichtigung ihrer Interessen bezüglich der Anstoßzeiten, der Ticketpreise und generell der Förderung ihrer Fan-Kultur.

"Sommerpause muss zu einem Wendepunkt werden!"

Die Organisatoren des Bündnisses rekrutieren sich zu großen Teilen aus dem Ultra-Umfeld des BVB und sehen sich als Vorkämpfer für die Umsetzung von Reformen, die auch schon von Vertretern der DFL, des DFB und einzelner Vereine gestellt worden seien. Geplant ist, der DFL und dem DFB nach Ende dieser Saison eine von allen Bündnis-Partnern unterschriebene Erklärung auszuhändigen. Der Sprecher der Vereinigung, Manuel Gaber, sagte gegenüber der Bild-Zeitung: "Wir müssen die aktuelle Krise als Chance begreifen, um den Fußball grundlegend neu zu gestalten. Die Sommerpause muss zu einem Wendepunkt werden. Verbände und Vereine sind aufgefordert zu handeln und den Fußball neu aufzustellen: basisnah, nachhaltig und zeitgemäß.“ Drohende Untertöne für den Fall, dass die angemahnten Reformen nicht oder nicht schnell genug von den Beteiligten angegangen werden, gibt es (bisher) noch keine.

Wir müssen die aktuelle Krise als Chance begreifen, um den Fußball grundlegend neu zu gestalten.

Manuel Gaber Sprecher "Unser Fußball"

Insgesamt ist der Vorstoß von "Unser Fußball" natürlich nur zu begrüßen. Dass es so wie vor Corona dauerhaft nicht weitergehen konnte, ist mittlerweile einem jeden klar geworden. Welche der vorgetragenen Forderungen sich allerdings auch zeitnah und vollumfänglich umsetzen lassen, und welche sich als Folge von Kompromisslösungen zwangsläufig etwas abschleifen werden, wird man in den kommenden Wochen und Monaten sehen. Gehen beide Seiten ergebnisoffen und mit der Bereitschaft zu Zugeständnissen in die Gespräche, könnte der heutige Tag tatsächlich zum Startschuss für eine nachhaltigere und bessere Zukunft des Profi-Fußballs hierzulande werden.