"Heuchlerisch, Doppelmoral, Rassismus": Infantinos Rundumschlag gegen die Katar-Kritiker

Daniel Holfelder
Fifa-Präsident Gianni Infantino
Fifa-Präsident Gianni Infantino / Robert Cianflone/GettyImages
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Einen Tag vor Turnierbeginn hat sich Gianni Infantino mit deutlichen Worten gegen die Kritik an der WM-Vergabe nach Katar gewehrt.


Auf einer Pressekonferenz am Samstag in Al-Rajjan beklagte sich der Fifa-Präsident über die vermeintliche moralische Hybris, die die Kritiker der WM-Vergabe an Katar an den Tag legen würden. "Ich denke, was wir Europäer in den vergangenen 3000 Jahren weltweit gemacht haben, da sollten wir uns die nächsten 3000 Jahre entschuldigen, bevor wir anfangen, moralische Ratschläge an andere zu verteilen", sagte Infantino. Diese "Doppelmoral" erleben zu müssen, sei "traurig".

"Wie viele dieser westlichen Unternehmen, die hier Milliarden von Katar erhalten - wie viele von ihnen haben über die Rechte von Arbeitsmigranten gesprochen? Keines von ihnen", fuhr der 52-jährige Schweizer fort. "Wer kümmert sich um die Arbeiter? Wer? Die FIFA macht das, der Fußball macht das, die WM macht das - und, um gerecht zu sein, Katar macht es auch."

Darüber hinaus wies Infantino auf die positive Entwicklung hin, die Katar in Bezug auf die Menschenrechte bereits genommen habe. Weshalb diese Fortschritte nicht anerkannt würden, verstehe er nicht: "Diese Art und Weise, einseitig Lektionen erteilen zu wollen, das ist heuchlerisch."

Auf die Frage nach den vermeintlich gekauften Fans, über die verschiedene Medien in den vergangenen Tagen berichtet hatten, antwortete Infantino: "Im Hinblick auf die gekauften Fans: Wenn einer aussieht wie ein Inder, darf er nicht für England oder Spanien jubeln? Das ist Rassismus!" (Zitiert via Bild-Zeitung)

Die Pressekonferenz hatte der Fifa-Präsident mit folgenden Worten eingeleitet: "Heute fühle ich sehr starke Gefühle, heute fühle ich mich als Katarer, heute fühle ich mich als Araber, heute fühle ich mich afrikanisch. Heute fühle ich mich homosexuell. Heute fühle ich mich behindert, heute fühle ich mich als Arbeitsmigrant."

Er wähle diese Worte, so Infantino weiter, weil er die Situation der Arbeitsmigranten in Katar sehr gut verstehen könne. Seine Eltern seien als Gastarbeiter in die Schweiz gekommen und er wisse noch genau, wie er und seine Familie behandelt wurden. Heute gehöre die Schweiz zu den inklusivsten Länder der Welt. Dieselbe Entwicklung prophezeite Infantino auch für Katar.

Die Pressekonferenz in voller Länge


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