Hertha-Präsident Bernstein: Abrechnung mit ehemaligen Verantwortlichen

Yannik Möller
Kay Bernstein
Kay Bernstein / RONNY HARTMANN/GettyImages
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Seit dem Sommer steht Kay Bernstein Hertha BSC als Präsident vor. Der ehemalige Ultra, dessen Wahl eine große Überraschung war, möchte dem Klub "seine Seele zurückgeben". Auf diesem Weg rechnet er auch mit deutlichen Worten mit ehemaligen Verantwortlichen ab.


Das Image des 'Big City Club' wird Hertha vorerst nicht mehr loswerden. Es war das rückblickend nahezu größenwahnsinnige Projekt der letzten Jahre, angestoßen von Investor Lars Windhorst. Inzwischen hat sich der Verein aber wieder gewandelt. Windhorst ist weg und mit Kay Bernstein wurde im Sommer ein ehemaliger Ultra zum Präsidenten gewählt.

"Das Klub-Establishment hat im Juni mit einem anderen Wahlausgang gerechnet", blickte er nun gegenüber dem kicker auf diese überraschende Wahl zurück.

"Mich haben anfangs nicht alle ernstgenommen. Das hat sich geändert. Und dass ich unterschätzt wurde, war kein Nachteil für mich. Ich wollte und will auf meine Art zeigen, dass ich dieses Amt kann - und dass wir es nur zusammen schaffen, dem Klub seine Seele zurückzugeben", erklärte Bernstein seine große Aufgabe.

Bernstein sieht deutliche Verfehlungen: "Hertha hat sich brutal verhoben"

Doch diese bisherige Wandlung und die Herausforderung, vor der sich der neue Präsident sieht, sind mindestens mittel- bis langfristige Projekte. Die aktuelle Realität heißt Abstiegskampf. Mal wieder.

Ein Resultat der Arbeit der letzten Jahre. Für Bernstein sind die Fehler klar ersichtlich: "Hertha hat den zweiten vor dem ersten Schritt gemacht und sich brutal verhoben." Man habe "zu schnell zu viel" gewollt und sei deshalb auch "zu spät in die Realität zurückgekehrt".

Die Folgen sind noch heute zu sehen. Auch wenn Sandro Schwarz als Trainer bereits Fortschritte mit der Mannschaft hat erreichen können, so ist ein sicherer Platz im Tabellenmittelfeld viel eher Wunsch als Tatsache.

Neben der sportlichen Ausgangslage war und ist auch die Stimmung innerhalb des Vereins ein Aspekt, an dem Bernstein arbeiten muss. "Es ist ein Prozess, der noch nicht beendet ist. Aber wir sind auf einem sehr guten Weg, das Gift rauszubekommen", äußerte er sich auch zum internen Klima. "Ich spüre jetzt, dass es ein immer größeres Miteinander wird. Wir haben ein Wir-Gefühl geschaffen und den Verein wieder geeint."

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Im Sommer wurde Bernstein zum Präsidenten gewählt / RONNY HARTMANN/GettyImages

Kurzfristig geht es für ihn und den Klub allen voran darum, sich finanziell zu stabilisieren. Der Rückzug von Windhorst ist Chance und Gefahr zugleich. "Wir wissen, dass es eine Mammutaufgabe ist, diese Erblast umzudrehen. Aber wir haben die Kraft dafür", zeigte sich der 42-Jährige optimistisch.

Zwar werde man "Kreativität, einen klaren Plan und einen langen Atem" benötigen, doch sei es ebenso wichtig festzuhalten, dass Hertha "keine Liquiditätsprobleme" hat. Diese und die kommende Saison seien bereits durchfinanziert. Und trotzdem: "Wir müssen den Gürtel enger schnallen, ohne uns die Luft abzuschnüren."

Zeitnah soll das Unternehmen '777 Partners' die Windhorst-Anteile übernehmen. Die neue Zusammenarbeit ist zwar noch nicht besiegelt, doch besteht die Hoffnung, dass sie ebenfalls für eine positivere Zukunft sorgen wird.


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