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FC Chelsea

Hat der FC Chelsea genug Geduld mit Werner und Havertz?

Guido Müller
Kämpfen beide noch mit Anpassungsproblemen in London: Timo Werner und Kai Havertz
Kämpfen beide noch mit Anpassungsproblemen in London: Timo Werner und Kai Havertz / Julian Finney/Getty Images
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133 Millionen Euro gab der FC Chelsea im letzten Sommer für die beiden deutschen Nationalspieler Kai Havertz (80 Millionen) und Timo Werner (53 Millionen) aus. Doch so richtig an der Stamford Bridge angekommen sind beide noch nicht. Die Frage: Haben die Blues genug Geduld mit dem Duo?

Die jüngsten Ausführungen von Thomas Tuchel lassen jedenfalls Interpretationsspielraum in alle möglichen Richtungen.

Plant Tuchel auch über den Sommer hinaus mit dem deutschen Duo?

"In den kommenden acht Wochen dürfen wir nur daran denken, wie wir mehr Punkte einfahren und uns in der Tabelle verbessern können. Mehr nicht. Im Sommer werden wir dann genauer nachdenken und überlegen, welche Lösungen die besten für den Kader sind. Ist die beste Option, den Kader beizubehalten? Ist es das Beste, mit diesem Team weiterzuarbeiten? Können wir vielleicht im Training noch etwas verbessern, ob individuell oder im Kollektiv?"

Fragen über Fragen, die Tuchel - für den Moment - unbeantwortet lässt. Und ohne ihre Namen zu nennen, bedarf es nicht viel Fantasie, um diese Worte als subtile "Drohung" in Richtung des deutschen Zweigespanns zu interpretieren.

"Jetzt, im April", so Tuchel weiter (via AS), "sehen wir alle die Statistiken. Und dass den Jungs dieses letzte Quäntchen Selbstvertrauen fehlt, weil sie nicht treffen." Tatsächlich lesen sich die Leistungsbilanzen beider Kicker zwar auf den ersten Blick nicht so schlecht - im Verhältnis zu den für sie ausgegebenen Beträgen jedoch relativieren sich die Zahlen wieder auf ein ernüchterndes Maß.

In der Liga hat Kai Havertz in 23 Spielen erst zwei Tore erzielen und fünf Vorlagen geben können. Etwas besser sieht es für Timo Werner aus, der in insgesamt 29 Premier League-Einsätzen fünfmal traf und neun Tore auflegte.

van der Vaart über Werner: "Wie ein blindes Pferd!"

Dennoch scheiden sich vor allem am früheren Leipziger die Geister. Für Rafael van der Vaart, zwischen 2010 und 2012 für Chelseas Lokalrivalen Tottenham Hotspur in der Premier League aktiv, gibt es deshalb auch keine Diskussion: "Wenn ich Thomas Tuchel wäre, würde ich immer Hakim Ziyech spielen lassen. Er ist die bei weitem beste Option."

Hakim Ziyech, Saul
Ihn würde van der Vaart Werner vorziehen: Hakim Ziyech, hier im Duell mit Atléticos Saúl / Marc Atkins/Getty Images

In der Folge bemühte der Ex-HSV-Star sogar einen "tierischen" Vergleich, um seine Einschätzung zu Werner zum Besten zu geben: "Timo Werner ist sehr schnell, und vielleicht ist er eine gute Wahl bei Auswärtsspielen, wenn die Blues unter Druck geraten. Aber alles was er macht, ist den Kopf zu senken und sich tot zu laufen. Er ist wirklich wie ein blindes Pferd."

Tatsächlich trifft van der Vaart mit seinem Vergleich den Kern, denn Werner lässt seit Jahren einen Fortschritt bezüglich der Kaltschnäuzigkeit im Abschluss vermissen. Was schade ist, denn aufgrund seiner unglaublichen Schnelligkeit erarbeitet sich der Angreifer eigentlich in jedem Spiel genügend Torchancen - nur um sie (viel zu häufig) dann kläglich zu vergeben.

Und ich denke dabei nicht nur an die slapstick-hafte Szene beim WM-Qualifikationsspiel gegen Nordmazedonien. Auch der Spieler selbst ging kürzlich hart mit sich ins Gericht - ohne jedoch die Gründe für seine fehlende Abgeklärtheit vor dem gegnerischen Tor nennen zu können: "Das ist mir in meiner Karriere noch nie passiert. Dieses Jahr wird wohl nicht mehr mein Torjäger-Jahr werden. Nach der Saison werde ich eingehender analysieren, woran es gelegen hat."

Timo Werner, Stole Dimitrievski
Den konnte man eigentlich gar nicht verschießen: Werner lässt gegen Nordmazedonien die Mega-Chance zum Sieg liegen / Boris Streubel/Getty Images

Von Havertz muss bald der nächste Entwicklungsschritt kommen

Bei Kai Havertz wiederum ist der Fall gänzlich anders gelagert. Zwar auch mit einer guten Grundschnelligkeit ausgestattet, ist sein Spiel mehr auf den Ballbesitz und anschließende Verteilung ausgelegt.

In seiner ganzen Art ähnelt er einem Michael Ballack (zwischen 2006 und 2010 bei Chelsea unter Vertrag) ungemein. Nur: Dessen dynamische Vorstöße bis in den gegnerischen Strafraum, idealerweise mit finalem Abschluss (per Kopf oder Fuß) sieht man bei Havertz noch viel zu selten.

Michael Ballack
So liebten ihn die Fans der Blues: Michael Ballack / Mike Hewitt/Getty Images

Mit 21 Jahren ist Havertz allerdings auch noch gute vier Jahre jünger als Werner - und somit in einem Alter, in dem man ihm durchaus noch eine gewisse Entwicklungsphase zugestehen muss. Was mit Abstrichen auch noch für Werner gilt.

Doch ob die von Tuchel ausgegebenen acht Wochen dafür reichen? Obwohl es im Fußball ja mitunter auch ganz schnell gehen kann. Ein Beispiel dafür finden wir in eben diesem Kader des FC Chelsea.

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Tuchels neuer Liebling bei den Blues? Mason Mount meldet immer deutlichere Ansprüche auf einen Stammplatz an / LAURENCE GRIFFITHS/Getty Images

Denn dass Havertz und Werner zuletzt an Protagonismus bei den Blues eingebüßt haben, liegt auch an der hervorragenden Entwicklung eines Mason Mount. Der war schon unter Tuchels Vorgänger Frank Lampard die bevorzugte Personalie - und schickt sich immer mehr an, dies auch unter Tuchel zu werden.

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