Hannover 96

Nach Kind-Beben: Droht bei Hannover 96 jetzt das Chaos?

Simon Zimmermann
Martin Kind wurde bei Hannover 96 entmachtet
Martin Kind wurde bei Hannover 96 entmachtet / Pool/GettyImages
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Am Mittwochabend überraschte Hannover 96 mit einem knappen Statement: Martin Kind wurde "aus wichtigen Gründen" als Geschäftsführer des Klubs abberufen. An der Leine droht nun das Chaos.


Der mächtige Klubboss, der seit 1997 (mit einer kurzen Unterbrechung) den Verein anführt, soll mit sofortiger Wirkung entmachtet werden. Ob das so reibungslos funktionieren wird, darf aber bezweifelt werden. Allein die Struktur des Klubs dürfte das verhindern.

Vor 23 Jahren wurde der Lizenzfußball bei Hannover 96 ausgegliedert und der "Hannover 96 GmbH & Co. KGaA" gegründet. Kind übernahm das in mehrere Gesellschaften aufgeteilte Profifußball-Geschäft. Die Management GmbH bestellt in diesem Konstrukt den Fußball-Geschäftsführer, der bis Mittwochabend Martin Kind hieß.

Wegen der 50+1-Regel besitzt der Mutterverein allerdings die Mehrheitsrechte. Dort haben seit 2019 mit Kind-Nachfolger Sebastian Kramer als Vorsitzender Vertreter der Fan-Szene das Sagen. Ihr Ziel: Der Klub sollte wieder demokratischer Aufgestellt werden. Kind hatte einen Prozess der mehrheitlichen Veräußerung des Profifußballs eingeleitet (an ihn und weitere Gesellschafter).

Vor drei Jahren sollte mit dem "Hannover-Vertrag" ein Kompromiss gefunden werden: Der Verein lässt Personal und Politik der Fußballsparte unangetastet. Im Gegenzug wird der marode Breitensport finanziell unterstützt. Kinds Macht hatte aber vor drei Jahren bei dem gescheiterten Versuch Robert Schäfer als seinen potenziellen Nachfolger in der Geschäftsführung zu installieren erste Risse bekommen.

Mit Kinds Abberufung könnten sich aus den Rissen echte Gräben entwickeln. Wie der Unternehmer weiter vorgehen wird, bleibt offen. Faktisch ist er entmachtet und besitzt nur noch unbedeutende Posten rund um den Klub. Möglicherweise könnte Kind sogar juristische Schritte gegen seine Abberufung einleiten.

Heikel würde es werden, sollte Kind und seine Vertrauten ihr Kapital aus dem Verein zurückziehen. Hier bräuchte es Lösungen, um dies aufzufangen. Denn trotz aller Kritik an Kind, hat er den Verein finanziell in seiner Amtszeit seit 1997 am Leben gehalten.


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