90min
Hamburger SV

HSV: Doppelschlag auf dem Transfermarkt lässt Optimismus wachsen

Guido Müller
Martin Rose/Getty Images
facebooktwitterreddit

Am Ende ging es dann unerwartet schnell. Zwischen den ersten Gerüchten um eine mögliche Verpflichtung von Angreifer Robert Glatzel (27) vom englischen Zweitligisten Cardiff City und der Bestätigung des Deals durch den Hamburger SV waren kaum 24 Stunden vergangen. Und auch Ludovit Reis vom FC Barcelona weilt schon zum Medizincheck in Hamburg.


HSV schließt zwei Lücken

Mit diesen Transfers haben die Hamburger zwei weitere Kader-Lücken geschlossen. Eine hatte natürlich der Abgang von Top-Torjäger Simon Terodde (24 Liga-Tore plus fünf Assists in der vergangenen Spielzeit) in die Offensive der Norddeutschen gerissen.

Die andere, bislang noch eher virtueller Natur, könnte entstehen, wenn die beiden Sorgenkinder David Kinsombi und Jeremy Dudziak doch noch in diesem Sommer den Verein verlassen sollten.

Wobei: Diese potentielle Lücke ist jetzt schon faktisch geschlossen durch die Ankunft von Ludovit Reis. Man könnte in diesem Kontext von einem präventiven Schachzug der Hamburger reden.

Denn selbst wenn das benannte Duo am Ende im Volkspark bleiben sollte, ist damit natürlich noch längst nicht garantiert, dass sie in der kommenden Spielzeit auch endlich ihr ganzes Potential ausspielen.

Beide kamen sie zur Spielzeit 2019/20 zu den Rothosen. Kinsombi eilte damals der Ruf eines der besten Mittelfeldspieler der Zweiten Liga voraus, den er sich durch regelmäßig gute Leistungen bei den Kieler Störchen erarbeitet hatte.

Mit nicht ganz so vielen Vorschusslorbeeren war Dudziak bedacht worden. Dennoch taugten beiden Verpflichtungen dafür, den Optimismus unter den HSV-Fans, nach der ersten Aufstiegs-Enttäuschung, wieder zu erhöhen.

Zwei Jahre später ist nur noch Ernüchterung geblieben. Während Dudziak wenigstens phasenweise zum Stammspieler wurde und seine Scorerwerte aus der ersten Saison beim HSV (drei Tore und zwei Assists in 28 Liga-Spielen) in der vergangenen Spielzeit noch ausbauen konnte (zwei Treffer und acht Vorlagen in 27 Spielen), ist eine solche, wie geringfügig auch immer ausgefallene, Entwicklung bei Kinsombi leider zu keinem Zeitpunkt zu verzeichnen gewesen.

Reis dürfte gleich in die Stammelf rutschen

Man muss kein Hellseher sein, um Ludovit Reis somit in der Pole Position im Kampf um den Platz auf der Acht (oder auch Zehn) zu sehen. Denn den Holländer zeichnet neben seinen technischen Fertigkeiten auch ein immenser Kampfeswille aus.

Ludovit Reis
Vereint Kämpferherz mit technischer Finesse: Ludovit Reis / Martin Rose/Getty Images

Eine Facette, in der sowohl Dudziak als auch Kinsombi durch Abwesenheit brillieren. Das physische Spiel ist so überhaupt nicht ihr Metier. Dumm nur, dass dies genau der Fußball ist, der von 90 Prozent der Zweitliga-Mannschaften praktiziert wird.

Und um nochmal auf Robert Glatzel zurückzukommen: Der (korrekte) Einwand, dass dessen Scorerdaten um einiges unter denen eines Simon Terodde liegen, ist nur bedingt akzeptabel. Denn Glatzel hat durchaus auch Stärken im assoziativen Spiel, die einem Terodde etwas abgehen.

Konkret formuliert: Terodde war und ist ein klassischer Strafraumstürmer. In dieser Kategorie glänzte er auch eine Hinserie hinweg beim HSV.

Mit zunehmender Dauer der vergangenen Spielzeit wurde jedoch auch offensichtlich, was passiert, wenn die Gegner das offensive Schema der Hamburger zu durchkreuzen verstanden.

In der Rückrunde konnte Terodde nur noch sieben Treffer erzielen - einer der Gründe, warum es auch im dritten Anlauf nicht mit dem Aufstieg klappte.

Robert Glatzel bietet da andere Möglichkeiten. Entsprechend ergießt sich sein neuer Trainer Tim Walter schon jetzt in Lobeshymnen auf den früheren Heidenheimer. "Wir wissen, was er kann. Er kann Bälle festmachen vorne, er ist extrem kopfballstark, er ist technisch gut, er kann die anderen Spieler einsetzen und das reißt einfach mit." (Quelle: mopo.de)

Robert Glatzel, Mats Hummels
Robert Glatzel (im Duell mit Mats Hummels) bedeutet gegenüber Teroddes ein spielerisches up grade. / Pool/Getty Images

Gute Transfers - auch unter finanziellen Gesichtspunkten

Und mal losgelöst von den rein sportlichen Aspekten der beiden jüngsten Transfers der Hamburger sei an dieser Stelle auch die wirtschaftliche Komponente lobend hervorgehoben. Glaubt man den kolportierten Zahlen, würden für Glatzel lediglich 900.000 Euro Ablösesumme fällig werden.

Angesichts der aus Karlsruhe verlangten 1,5 bis 2 Millionen, die der KSC für Philipp Hofmann aufgerufen hat, halte ich die nun in Glatzel gefundene Alternative im Gesamtpaket (Alter, fußballerische Stärken, Preis) für die wesentlich bessere Option.

Ludovit Reis soll sogar angeblich für lau kommen. Nur wenn der 21-jährige Niederländer bestimmte Leistungsparameter erreicht, wären Boni-Zahlungen an die Katalanen fällig. Dafür ein Lob an Sportvorstand Jonas Boldt und sein Team.

Transfers wurden wohltuend diskret realisiert

Dazu kommt, dass der HSV es offenbar auch verstanden hat, in der traditionell hochkochenden Hamburger Medienlandschaft (vor allem was den HSV betrifft!), diese Deals heimlich, still und leise - und ohne die ansässige Presse im Vorfeld mit Informationen zu versorgen - über die Bühne zu bringen.

Tatsächlich lässt die gesamte bisherige Personalpolitik meines Herzensklubs die noch vor einigen Wochen gen Null tendierende Lustkurve auf die neue Saison wieder leicht ansteigen. Aber den HSV vor Beendigung einer Saison zu loben, hat in den letzten Jahren nur Enttäuschungen gebracht.

Von daher halte ich es erstmal lieber auch weiterhin mit dem hier so typischen Motto: abwarten - und Tee trinken!

facebooktwitterreddit