Frauenfußball

Drei Gründe für Wolfsburgs Sieg gegen Potsdam im Frauen-Pokalfinale

Helene Altgelt
VfL Wolfsburg v Turbine Potsdam - Women's DFB Cup Final
VfL Wolfsburg v Turbine Potsdam - Women's DFB Cup Final / Alex Grimm/GettyImages
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Der VfL Wolfsburg hat das Pokalfinale der Frauen gegen Außenseiter Turbine Potsdam mit 4:0 gewonnen. Potsdam zeigte in Köln besonders in den ersten 25 Minuten einen starken Auftritt, über 90 Minuten waren aber die Wölfinnen überlegen und konnten durch eiskalte Chancenverwertung die Führung ausbauen. Damit machte Wolfsburg nach dem Gewinn der Meisterschaft das Double perfekt.


Drei Gründe für den Wolfsburger Sieg:

1. Ewa Pajors Kopfbälle und Wolfsburgs Abschlussstärke

Ewa Pajor
Ewa Pajor vom VfL Wolfsburg / Christof Koepsel/GettyImages

Mit ihren 1,67 Metern scheint die polnische Stürmerin Ewa Pajor eigentlich nicht wie ein Kopfballmonster, aber der erste Blick trügt. Beim Pokalfinale stellte sie ihre Fähigkeit, sich von den Verteidigerinnen wegzuschleichen, erneut eindrücklich unter Beweis. Potsdam hatte eigentlich den besseren Start erwischt, daher war ihr 1:0 in der 11. Minute nach einer Ecke umso wichtiger für den VfL. Auch ihr 2:0 war ein Wirkungstreffer, da der Underdog nach dem frühen Rückstand nicht aufgab und zu weiteren Chancen kam. Pajor passt mit ihrer Schnelligkeit und ihrem Instinkt für Lücken hervorragend zu dem System von Wolfsburg-Trainer Tommy Stroot und ist seit ihrer Verletzung bereits wieder sehr gut in Form. In den neun Spielen in DFB-Pokal, Champions League und Bundesliga seit dem Comeback erzielte sie 7 Tore und zwei Assists. Auch die anderen Wölfinnen zeigten sich nervenstark, Jill Roord nutzte einen Abwehrfehler aus und Dominique Janssen stellte aus 18 Metern erneut ihre Freistoßstärke zu Beweis. Wolfsburgs Abgeklärtheit und Abschlussstärke zeigt auch, dass sie gegenüber Teams wie Potsdam einen erheblichen Vorsprung in puncto Erfahrung und individueller Qualität haben.

2. Potsdam couragiert, aber nicht effizient

Ewa Pajor, Merle Barth
VfL Wolfsburg v Turbine Potsdam - Women's DFB Cup Final / Alex Grimm/GettyImages

Turbine Potsdam war in den ersten Minuten des Finales klar anzusehen, dass sie einen Plan für das Spiel hatten. Im kompakten 4-4-2 setzten sie vor allem auf offensive Nadelstiche und Konter, was gut funktionierte. Wolfsburg hatte zwar mehr vom Spiel, aber zunächst keine klaren Chancen. Potsdam dagegen hätte in der 8. Minute in Führung gehen können, als Karen Holmgaard gut geschickt wurde und auf den Kasten von Almuth Schult zulief. Die Mittelfeldspielerin zögerte aber zu lange und Wolfsburg-Verteidigerin Hendrich konnte ihr den Ball ablaufen - eine Situation, in der mehr drin gewesen wäre. Das war auch im weiteren Spielverlauf öfter der Fall. Mit präzisen Zuspielen und langen Bällen brachte sich Potsdam immer wieder in aussichtsreiche Positionen, der Abschluss fand dann aber nicht seinen Weg ins Tor. Mal wurde er geblockt (Agrez, 16.), die Stürmerin war einen Schritt zu spät (Plattner, 21.) oder der Ball ging knapp über das Tor (Kössler, 50. und 53.). Eine strittige Entscheidung zugunsten von Wolfsburg brachte Turbine außerdem um einen Elfmeter, als Weidauer beim Stand von 0:1 im Strafraum zu Fall kam. Die Szene war sicherlich diskussionswürdig, aber auch sonst hätte Potsdam als Underdog seine Chancen nutzen müssen. Einen Anteil daran, dass dies nicht gelang, hatte Almuth Schult in ihrem letzten Spiel für den VfL, die eine gute Leistung zeigte und einige gute Chancen vereitelte. Dass Potsdam keine übermäßige Zahl an gefährlichen Situationen gegen den Favoriten bekommen würde, war abzusehen. Letztendlich rächte es sich, dass sie nicht genug aus denen machten, die sie sich herausgespielt hatten. Das Fehlen einer klassischen Nummer Neun seit dem Kreuzbandriss von ihrer Topstürmerin Selina Cerci war auch in diesem Spiel offensichtlich.

3. Potsdam mental und physisch müde

VfL Wolfsburg v Turbine Potsdam - Women's DFB Cup Final
VfL Wolfsburg v Turbine Potsdam - Women's DFB Cup Final / Pool/GettyImages

Es war eine lange Saison für Turbine Potsdam, geprägt von Kampfeswillen und einer sehr direkten Spielanlage, zum Ende der Saison hin aber auch von Verletzungen und Müdigkeit. Die war auch im Pokalfinale zu spüren, je länger sich das Spiel hinzog. Während das Team von Sofian Chahed in dem ersten Teil des Spiels noch viele Laufwege machte und Wolfsburg direkt anlief, war nach dem 2:0 in der 33. Minute bereits ein wenig die Luft raus. Potsdam gelang es immer weniger, sich längere Ballbesitzphasen zu erspielen und sich von dem Druck Wolfsburgs zu befreien. Das lag natürlich teilweise an der spielerischen Unterlegenheit, aber auch an der körperlichen. Die Entschlossenheit, noch einen Sprint hinzulegen, um den Ball vielleicht zu erwischen, oder in den Zweikampf zu gehen, war in der zweiten Halbzeit nur noch wenig vorhanden. Auch mental ist es eine große Aufgabe, ein 2:0 aufzuholen, und für ein Comeback hätte es eine wahrhaftige Energieleistung gebraucht, die nach dem ernüchternden Saisonende Potsdams (0:5-Niederlage in München, Champions League verspielt) nicht mehr drin war. Wolfsburg dagegen präsentierte sich, wie so oft im Pokal, eiskalt vor dem Tor und in den Zweikämpfen präsent und verdiente daher den Sieg.

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