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FC Schalke 04

Grammozis über seinen Schalke-Plan, die Spieler-Fitness und seine Spielidee

Yannik Möller
Mar 8, 2021, 9:41 AM GMT+1
Dimitrios Grammozis ist noch keine ganze Woche auf Schalke
Dimitrios Grammozis ist noch keine ganze Woche auf Schalke | Pool/Getty Images
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Am Freitagabend stand er das erste Mal für Schalke an der Seitenlinie, nun geht es in die erste volle Arbeitswoche für Dimitrios Grammozis. Der neue S04-Coach hat sich zu seinem ersten Spiel, dem Fitnesszustand seiner Spieler und seiner zukünftigen Spielidee geäußert.

Als erster und einziger der insgesamt fünf Trainer, die Schalke 04 in der laufenden Saison schon an der Seitenlinie stehen hatte, ist Dimitrios Grammozis nicht mit einer Niederlage gestartet. Was sich zunächst nach einem positiven Start anhört, war aber nur das vor allem offensiv ungefährliche 0:0-Remis gegen den Tabellensiebzehnten Mainz 05.

Im Interview mit der Bild äußerte er sich etwas ausführlicher zu dem Spiel, wo er "ein bisschen differenzieren" möchte: "Ich finde, dass wir vor allem in der 1. Halbzeit eine gute Spieleröffnung aus der eigenen Defensive hatten. Was den Spielaufbau angeht, gab es mit der Dreierkette viele Möglichkeiten, vor allem auch über Suat Serdar - das haben wir auch gut gemacht."

Suat Serdar stand gegen Mainz als Zielspieler im Fokus
Suat Serdar stand gegen Mainz als Zielspieler im Fokus | Pool/Getty Images

"Was einfach absolut Verbesserungsbedarf hat, ist das Spiel aus der Mittelfeldzone in die Spitze. Es wird ein Ansatz von uns sein, den Jungs da mehr Lösungsmöglichkeiten mittzugeben, wie sie mehr zu Tormöglichkeiten kommen können", erklärte der Coach zu den seit Längerem vorherrschenden Offensivproblemen. Ohne das Spiel schönreden zu wollen, habe ihm vor allem "die Einstellung der Jungs" gefallen - "die war einfach top".

Grammozis muss seine Spieler fit bekommen - viel Arbeit für "die nötige Intensität"

Ein großes Problem im Duell mit Mainz: Die Fitness der Spieler. Mehrere Krämpfe und das nicht erst kurz vor dem Abpfiff, dazu die übrigen und zahlreichen Ausfälle. "Natürlich hat man gesehen, dass der ein oder andere Probleme hatte. Aber es hat auch damit zu tun, dass es ein hochintensives Spiel war", so Grammozis. Gegenüber Sport1 wählte er dahingehend aber auch klare Worte: "Es sieht nicht schön aus, wenn zwei, drei Spieler auf dem Boden liegen und sich dehnen müssen, um das Spiel durchzustehen."

Das meinte er aber nicht als Vorwurf an die Spieler, schließlich gab es über die letzten Wochen auch mehrere Berichte über Beschwerden aufgrund von einer falschen Trainingssteuerung seitens Werner Leuthard und Christian Gross - beide sind seit einer Woche freigestellt.

"Was in der Vergangenheit passiert ist, kann ich nicht bewerten. Jeder Trainer hat seine eigene Spielidee und lässt auch entsprechend trainieren. Wir werden so arbeiten, damit wir wieder die nötige Intensität für unsere Ideen auf den Platz haben", stellte der gebürtige Wuppertaler in Aussicht. Gleichzeitig sei es aber auch wichtig, die zur Verfügung stehenden Spieler "jetzt hegen und pflegen" zu müssen, schließlich würden weitere Verletzte umso mehr schmerzen.

Dass Grammozis direkt in seinem ersten Spiel einer Reihe an jungen Spielern vertraute, die ihren Weg erst kürzlich aus der Knappenschmiede gemacht haben, war ein klares Zeichen. Dass etwaige Führungsspieler wie Benjamin Stambouli, Omar Mascarell oder Bastian Oczipka nicht in der Startelf standen, stattdessen beispielsweise Bundesliga-Debütant Kerim Calhanoglu, habe aber keine allzu große Bedeutung, versicherte der Trainer.

Debütant Grammozis verhalf auch Kerim Calhanoglu zu seinem Debüt
Debütant Grammozis verhalf auch Kerim Calhanoglu zu seinem Debüt | Pool/Getty Images

"Diese Spieler sind nicht abgeschrieben", betonte er: "Es war eine kurzfristige Spieltagsentscheidung. Grundsätzlich sind wir angetreten, um einen neuen Weg zu gehen und die Knappenschmiede noch mehr einzubinden. [...] Klar ist aber auch: Wir werden keinem jungen Spieler einfach so Einsatzzeiten schenken, sie müssen sie sich verdienen. Wir müssen jede Woche die beste Mannschaft auf den Platz bringen. Das sind wir den Fans schuldig."

"Wir wollen attraktiv sein": Grammozis über den künftigen Spielstil und seine "große Sympathie" zu Schalke

Während der potenziell noch machbare Klassenerhalt eigentlich kein ernstes Thema mehr ist und die Vorschau auf die 2. Bundesliga längst begonnen hat, muss sich Grammozis auch Gedanken über den künftigen Spielstil machen.

Für etwas Kritik bei einigen Fans sorgte die Betonung auf "harter Arbeit" im Spiel, da Schalke ohnehin "kein Tiki-Taka-Klub" sei - sie befürchteten den gleichen destruktiven Stil der letzten Jahre, der derzeit eindrucksvoll in einer total ungefährlichen Offensive mündet.

Gegenüber der WAZ stellte der 42-Jährige diesen Vergleich klar: "Der Tiki-Taka-Vergleich war auf die aktuelle Situation bezogen: Ich weiß natürlich, dass Schalke berühmt ist für seinen Kreisel, mit dem man früher die Abwehrreihen schwindelig gespielt hat. Im Moment ist es aber das Schalke 04, das sich zuerst über harte Arbeit definieren muss und sich hoffentlich wieder entwickelt."

Dimitrios Grammozis war an der S04-Seitenlinie sehr engagiert
Dimitrios Grammozis war an der S04-Seitenlinie sehr engagiert | Pool/Getty Images

Für die nächsten Monate soll es aber einen anderen Plan geben: "Wir wollen in Zukunft keine Mannschaft sein, die nur ackert und Bälle rausschlägt. Wir wollen auch Torchancen kreieren und attraktiv sein für die Menschen, die irgendwann wieder ins Stadion kommen. Das ist unser Auftrag für die Zukunft."

Apropos Stadion: Bei seiner ersten Pressekonferenz bezeichnete Grammozis Königsblau als "Herzensverein", was mit seiner eigenen Vergangenheit zum Klub zusammenhängt: "Als Kind war ich tatsächlich sehr oft im Parkstadion, weil mein Cousin ein total fanatischer Schalker ist. Das Erste, was er gemacht hat, war mir ein Schalke-Trikot zu kaufen. [...] So ging es bei mir früh in diese Richtung, wir haben uns gemeinsam die Spiele angeguckt und man konnte schon von einer großen Sympathie reden."

Während seiner Zeit als aktiver Profi hat sein Fokus natürlich immer auf den jeweils eigenen Vereinen gelegen, allerdings sei "ein Auge von mir" auch währenddessen schon "immer auf Schalke gerichtet" gewesen.

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