VfB Stuttgart

Geisterspiele in Baden-Württemberg? Thomas Hitzlsperger hat Angst um sein Projekt

Dominik Hager
Die Corona-Pandemie könnte auch in Baden-Württemberg zu Geisterspielen führen: Thomas Hitzlsperger sorgt sich um die VfB-Finanzen
Die Corona-Pandemie könnte auch in Baden-Württemberg zu Geisterspielen führen: Thomas Hitzlsperger sorgt sich um die VfB-Finanzen / Matthias Hangst/GettyImages
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Eigentlich haben die Bundesligisten und alle Fußball-Fans gehofft, dass die Zeiten der Geisterspiele längst hinter uns liegen. Am Wochenende musste jedoch RB Leipzig sein Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen ohne Zuschauer verbringen. Ein Szenario, das angesichts der enormen Infektionslage sogar wieder bundesweit droht. Im Bundesland Baden-Württemberg gibt es bereits eine derartige Ankündigung, was der VfB-Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger mit Sorgen entgegennimmt.


Es ist wieder so weit! Die Corona-Zahlen gehen durch die Decke und die Arenen leeren sich zunehmend. Demnach wird bundesweit heftig diskutiert, ob halbvolle oder zum Teil sogar volle Bundesligastadien noch vertretbar sind. Bereits am Wochenende reagierten einige Menschen mit Unverständnis auf die Tatsache, dass 50.000 Menschen das Derby zwischen Köln und Gladbach verfolgen durften. Der heftige Gegenwind ist naheliegend, wenn man bedenkt, dass Menschen sterben, Intensivstationen voll und Pflegekräfte überlastet sind. Wenn dann auf der anderen Seite 50.000 Leute bei einem Fußballspiel feiern und toben, ist dies natürlich ein enormer Kontrast und angesichts der dramatischen Lage ein seltsames Signal.

Auf der anderen Seite fürchten natürlich auch die Bundesliga-Klubs um ihre Wettbewerbsfähigkeit oder gar ihre Existenz. Dabei stellen sie sich verständlicherweise die Frage, ob das Ansteckungsrisiko mit 2G Plus und unter freien Himmel wirklich so groß ist, um eine Rolle als Pandemietreiber zu spielen. Sicherlich hat zu diesem Thema jeder eine andere Meinung und beinahe jede davon ist auf eine gewisse Art und Weise zu rechtfertigen.

Geisterspiele in Baden-Württemberg? "Wäre jammerschade"

Natürlich macht sich auch die Politik Gedanken darüber, welches Risiko vertretbar und welches zu hoch ist. In Baden-Württemberg scheint man zu einer Entscheidung gekommen zu sein.

Aufgrund der steigenden Infektionszahlen hat Regierungssprecher Arne Braun am Sonntagabend Geisterspiele in Baden-Württemberg angekündigt. Für die betroffenen Bundesligisten wie beispielsweise den VfB Stuttgart käme dies einem Horror-Szenario gleich, zumal man ohnehin schon enorme Verluste aufzuarbeiten hat.

"Ich muss sagen, dass Geisterspiele für uns jammerschade wären. Emotional natürlich auch, aber vor allem finanziell", erklärte Hitzlsperger gegenüber SWR Sport.

Hitzlsperger schlägt Alarm: "Geisterspiele sind für uns dramatisch"

Der Verein würde in etwa vier bis fünf Millionen Euro verlieren, wenn die verbliebenen Hinrunden-Heimspiele gegen den FC Bayern und Hertha BSC vor einer Geisterkulisse stattfinden müssten. Dies ist jedoch nur ein Bruchteil von den 80 Millionen Euro, die der VfB seit Pandemie-Beginn verloren hat.

"Das ist enorm. Wir sind ein großer Verein. Wir haben eine große Stadionkapazität und sind auch abhängig von den Ticketing-Erlösen. Wenn die wegbrechen, dann spüren wir das sehr deutlich. Deswegen sind Geisterspiele für uns wirklich dramatisch", so Hitzlsperger.

Am Freitag durfte der VfB immerhin noch 25.000 Zuschauer gegen Mainz 05 in die Arena lassen, was für den VfB-Vorstandsvorsitzenden auch tragbar sei.

"Im Stadion haben sich Geimpfte und Genesene eingefunden, die auch noch negativ getestet waren - und das auch noch unter freiem Himmel. Wir haben die Regeln vorbildlich umgesetzt", erklärte er.

Demnach wünscht er sich, die drohenden Geisterspiele noch verhindern zu können. "Ich hoffe schon, dass wir in den Gesprächen in den kommenden Tagen einen Mittelweg finden", erläuterte er.

Aue-Präsident plädiert auf eine Saisonunterbrechung: Hitzlsperger überrascht

Problematisch ist auch die Tatsache, dass einige Klubs noch vor ausverkauftem Haus spielen dürfen, wohingegen andere schon jetzt vor leeren Rängen antreten müssen. Auf Dauer umschließt dies schließlich sowohl sportlich als auch finanziell eine Wettbewerbsverzerrung. Aues Präsident Helge Leonhardt hat daher bereits am Dienstag gefordert, den Spielbetrieb bis zum Jahresende zu unterbrechen.

Hitzlsperger kann von diesem Vorschlag jedoch wenig abgewinnen. "Das überrascht mich dann doch sehr. Da denke ich zurück an den Anfang der Pandemie. Da hat man sich - unter den 36 Klubs in der ersten und zweiten Liga - auch das Versprechen gegeben, dass wir alles dafür tun, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Natürlich immer unter der Berücksichtigung des gesundheitlichen Aspekts. Aber ich glaube nicht, dass bei den Geisterspielen Infektionen übertragen wurden. Deswegen ist die Forderung eines Zweitliga-Funktionärs überzogen und davon würde ich nur abraten", stellte er klar.

Hitzlsperger will junges VfB-Team zusammenhalten

Der VfB ist demnach bereit sich durchzukämpfen, selbst wenn es in Baden-Württemberg tatsächlich zu einem Fan-Ausschluss kommen würde. Zudem möchte Hitzlsperger auch alles daran setzen, dass der Kern der Mannschaft zusammenbleiben kann und keine Leistungsträger verkauft werden müssen.

"Wir wollen eine junge Mannschaft, die die Fans begeistert. Wir sind mitten in diesem Prozess. Ich glaube, die VfB-Fans können sich an der tollen Mannschaft erfreuen. Wenn wir jetzt Leistungsträger abgeben, wäre das vielleicht das vorzeitige Ende des Projekts. Das will niemand", verdeutlichte er.

Die "oberste Maxime in der nahen Zukunft" sei demnach, neue Erlösquellen zu finden. Gespräche mit möglichen neuen Investoren führten jedoch noch zu keinem Ergebnis. Zwar hat der Verein Krisen-Kredite erhalten, jedoch müssen diese auch irgendwann zurückgezahlt werden. Je länger der Klub mit Zuschauerbegrenzungen zu kämpfen hat, desto schwieriger wird dies folgerichtig auch. Ein neuer Investor würde sicherlich für ein wenig mehr Ruhe und Gelassenheit sorgen.

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