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From Zero to Hero: 7 unerwartete Champions-League-Helden

Von Stefan Janssen
Aug 13, 2020, 5:00 PM GMT+2
Divock Origi schoss den FC Liverpool 2019 gegen den FC Barcelona ins Finale - mit seinen ersten beiden Champions-League-Toren
Divock Origi schoss den FC Liverpool 2019 gegen den FC Barcelona ins Finale - mit seinen ersten beiden Champions-League-Toren | Clive Brunskill/Getty Images
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Wenn irgendjemand vor dem Spiel von Paris St. Germain am Mittwochabend gegen Atalanta Bergamo gefragt hätte, wer das Siegtor für PSG schießen könnte, wäre die Antwort wohl Neymar oder Kylian Mbappé gewesen. Eric-Maxim Choupo-Moting hätte ernsthaft wohl niemand genannt - alleine seine Einwechslung hätten nicht wenige angezweifelt. Doch Choupo-Moting traf und wurde zum Helden. Wie den Kameruner gab es in der Vergangenheit mehrere Helden in entscheidenden Champions-League-Spielen, die niemand erwartet hatte. Hier sind sieben von ihnen.

1. Eric-Maxim Choupo-Moting vs. Atalanta Bergamo

David Ramos/Getty Images

Viele Fragezeichen gab es in der Fußballwelt, als Paris St. Germain im Sommer 2018 plötzlich Eric-Maxim Choupo-Moting vom Premier-League-Absteiger Stoke City verpflichtete. Als der dann auch noch ein eigentlich sicheres Tor auf der gegnerischen Linie verhinderte statt es zu erzielen, machten sich endgültig Zweifel breit, ob der Kameruner bei PSG richtig ist. Doch Thomas Tuchel setzte den 31-Jährigen immer mal wieder ein und gab ihm auch das Vertrauen im wichtigen Viertelfinale gegen Atalanta Bergamo. Nachdem er zuvor noch eine ganz gute Kopfballchance hatte liegen lassen, war Choupo-Moting in der Nachspielzeit da und versenkte eine Hereingabe von Kylian Mbappé zum Sieg - nach Ende der regulären Spielzeit lag PSG noch 0:1 zurück. Neymar überreichte Choupo-Moting hinterher seine Auszeichnung zum Spieler des Spiels.

2. Divock Origi vs. FC Barcelona

Clive Brunskill/Getty Images

Seit Divock Origi beim FC Liverpool spielt, kam er über die Rolle des Edeljokers nicht hinaus. Am 7. Mai 2019 bekam er dann im Halbfinale der Champions League gegen den FC Barcelona eine große Chance von Beginn an, weil den Reds mit Mohamed Salah und Roberto Firmino zwei ihrer drei besten Angreifer fehlten. Auch deshalb war die Hoffnung nicht besonders groß, das 0:3 aus dem Hinspiel noch umbiegen zu können, Divock Origi hatte auch noch kein einziges Tor in der Königsklasse erzielt. Das änderte sich aber schon nach sechs Minuten, als der 25-Jährige zum 1:0 traf. Nach einem Doppelpack von Giorgino Wijnaldum brauchte Liverpool in der Schlussphase nur noch ein Tor - und ein Geniestreich von Trent Alexander-Arnold machte es möglich. Seine schnell ausgeführte Ecke landete bei Origi, der zum 4:0 traf und Liverpool ins Finale schoss.

3. Iker Casillas vs. Bayer Leverkusen

Phil Cole/Getty Images

Iker Casillas war beim Finale 2002 noch längst nicht die klare Nummer eins Real Madrids, gegen Bayer Leverkusen stand deshalb auch Cesar Sanchez im Tor. Nach 68 Minuten musste der aber verletzt ausgewechselt werden und Casillas kam ins Spiel - genau in dem Moment, als die Werkself begann, alles nach vorne zu werfen und auf den Ausgleich zu drücken. In der Schlussphase hatte Leverkusen noch viele hochkarätige Chancen, doch Casillas vereitelte einige davon mit glänzenden Paraden und rettete Reals 2:1-Führung über die Zeit. Danach wurde der Keeper zum heiligen "San Iker" und hütete jahrelang unumstritten das Tor der Königlichen.

4. Sergi Roberto vs. Paris St. Germain

VI-Images/Getty Images

0:4 hatte der FC Barcelona das Hinspiel des Achtelfinals 2016/17 gegen Paris St. Germain verloren, nach gut einer Stunde im Rückspiel stand es aber bereits 3:0 und es sah nach einer gelungenen Aufholjagd aus. Dann schlug aber plötzlich Edinson Cavani für PSG zu - und Barça brauchte weitere drei Tore. Die meisten Trainer würden jetzt vermutlich Stürmer einwechseln, die Katalanen brachten aber Mittelfeldmann Sergi Roberto für Rafinha, während Paco Alcacer auf der Bank blieb. Es sollte sich auszahlen: Nachdem Neymar kurz vor Schluss doppelt getroffen und auf 5:1 gestellt hatte, war es Sergi Roberto, der in der 96. Minute den Ball über die Linie drückte und Barça eine Runde weiter schoss. Es war sein drittes Champions-League-Tor überhaupt - und das letzte bis heute.

5. Felipe Santana vs. FC Malaga

Boris Streubel/Getty Images

Borussia Dortmund war im Viertelfinale 2012/13 schon so gut wie ausgeschieden, als der FC Malaga in der 82. Minute das 2:1 im Westfalenstadion erzielte; das Hinspiel in Spanien war 0:0 ausgegangen. Der BVB brauchte also zwei Tore. In der ersten Minute der Nachspielzeit gelang Marco Reus der Ausgleich, dann brachte Innenverteidiger Felipe Santana das Stadion zum Explodieren! Nach einer Flanke von Robert Lewandowski schoss erst Reus aufs Tor, dann stocherte Santana den mehrfach abgefälschten Ball irgendwie über die Linie und Dortmund ins Halbfinale. Dass der Brasilianer dabei deutlich im Abseits stand - geschenkt.

6. Lars Ricken vs. Juventus

Etsuo Hara/Getty Images

20 Jahre jung war Lars Ricken beim Finale 1997 gegen Juventus, doch er hatte bereits starke Saisons beim BVB hinter sich und in den vorherigen Runden der Königsklasse wichtige Tore erzielt. Trotzdem saß er erst einmal 70 Minuten auf der Bank, was ihm nicht besonders gefallen haben dürfte. Kurz nach dem Anschlusstreffer Juves, in dessen Folge die Italiener den Druck stark erhöhten, kam Ricken dann aber ins Spiel - und traf nur eine Minute nach seiner Einwechslung mit einem traumhaften Schuss zum 3:1. Ein legendäres Tor, dass Ricken endgültig zum Star machte.

7. Lucas Moura vs. Ajax Amsterdam

TF-Images/Getty Images

Erst in seine 26. Champions-League-Spiel für Paris St. Germain gelang Lucas Moura 2015 gegen Malmö sein erster Treffer in der Königsklasse. Auch danach blieb der brasilianische Angreifer auf Europas großer Bühne relativ erfolglos, nur vier Treffer kamen in den folgenden vier Jahren hinzu. Im Mai 2019 brauchte Tottenham dann ein Wunder, als die Spurs im Rückspiel des Halbfinals mit 0:2 bei Ajax Amsterdam zurücklagen. Das Hinspiel ging bereits 0:1 verloren, außerdem fehlte Torjäger Harry Kane. Und plötzlich explodierte Moura, der in den nationalen Wettbewerben regelmäßig traf, auch in der Champions League: Zunächst sorgte er mit einem schnellen Doppelschlag für den Ausgleich, in der 96. Minute gelang ihm dann sogar noch der Siegtreffer. Durch diesen Hattrick beförderte der 28-Jährige Tottenham ins Finale.

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