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Florentino Perez keilt gegen Clubs in staatlicher Hand aus: Die Parodie des Wahnsinns

Oscar Nolte
Ausgerechnet Florentino Perez kritisiert die Entwicklungen im europäischen Fußball
Ausgerechnet Florentino Perez kritisiert die Entwicklungen im europäischen Fußball / Soccrates Images/GettyImages
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Florentino Perez hat am Mittwoch gegen Clubs in staatlicher Hand ausgeteilt und vor den Entwicklungen im Fußball gewarnt. Ebenjener Perez wirtschaftet sich mit Real Madrid nicht nur seit jeher in die eigene Tasche, sondern ist zudem auch noch gut Freund mit spanischen Politikern und Einflussnehmern. Eine Parodie des Wahnsinns.


Der Fußball war einmal ein elektrisierender, die Massen begeisternder Sport. Mittlerweile können wir nur noch von einer Kuh sprechen, die bis auf das letzte Iota Milch ausgemolken wird. Mittendrin in diesem Wahnsinn: Scheiche und Staaten, die ganze Vereine kaufen und führen, unlautere Investoren- und Geschäftsbeziehungen und Florentino Perez, Präsident von Real Madrid, der nun die Blöße hat, moralisch gegen die Methoden der Konkurrenz auszukeilen.

Florentino Perez meckert: "Clubs, die Staaten angehören und dir die Spieler nicht verkaufen"

Florentino Perez ist nicht nur als Zepterträger Real Madrids, sondern auch als einer der größten Bau-Unternehmer Europas zu verstehen. Dabei wendet Perez in beiden Branchen das gleiche Modell an: Schulden machen, Risiken eingehen und auf Wert- und Prestigesteigerung spekulieren. Demzugrunde liegen exzellente Beziehungen zu Spaniens Politikern, Einflussnehmern und Geldgebern. In Spanien, so scheint es, ist Florentino Perez unantastbar. Seine Methoden - bis jetzt - auch; obgleich bereits in einigen Fällen der Ethikrat der EU gegen Perez ermittelte.

Im Vorfeld der Mitgliederversammlung bei Real Madrid sprach der 74-Jährige nun über die toxischen Entwicklungen im Fußball: "Wir müssen die Verträge erfüllen und versuchen, gute und die besten Spieler für uns zu gewinnen. Aber man muss sie auch bezahlen können. Heute bietest du 200 Millionen und sie verkaufen dir sie nicht. Wenn Verträge auslaufen, ist es besser, aber im Moment gibt es wahnsinnig viele Klubs, die Staaten angehören und die dir die Spieler nicht verkaufen", kritisierte Perez.

Sorgenvoll beobachte Perez die aktuelle Dynamik im europäischen Fußball, denn es werde "der Moment kommen, in dem Länder die Besitzer der 30 ersten Klubs in Europa sind. Das ist nicht der Grundsatz der Europäischen Gemeinschaft. Ich bin hierhergekommen, um zu kämpfen und ich kämpfe seit meiner Ankunft."

Florentino Perez: Erneute Werbung für die Superliga

Nein, das ist kein Witz. Florentino Perez, der seit Jahren in unlautere Geschäfte um und mit Real Madrid verstrickt ist, Richtlinien von der EU und der UEFA missachtet und - da sind sich die Experten einig - stets in eigenem monetären Interesse handelt, spielt sich als Moralapostel und Galionsfigur gegen die Kapitalisierung des Fußballs auf.

Das Szenario lässt sich ganz einfach auflösen, indem man es umdreht: wäre es Perez, der die Möglichkeit hätte, an den unlauteren Geschäften und Kapitaleinlagerungen von reichen Wüstenstaaten zu profitieren, würde der 74-Jährige diejenigen schelten, die ebendiese Entwicklung verurteilen. Dass Perez mit seinem Bauunternehmen und seinem Verein dem spanischen Staat auf der Tasche liegt, darf auch nicht vergessen.

Es ist eine absurde Parodie des Wahnsinns, die sich Florentino Perez in seiner Funktion als Vereinspräsident eines der traditionsreichsten Vereine der Welt leistet. Und es ist, Verzeihung, eine bodenlose Frechheit obendrein.

Die Plattform seiner Rede nutzte Perez indes auch noch dazu, erneut für die Superliga zu werben, die Real Madrid finanziell sanieren würde und einen neuen Geldhahn für Florentino Perez bedeuten würde. Keine Pointe.

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