Bayern München

Unzufriedenheit & Kritik an Nagelsmann? Die (Stimmungs-)Lage beim FC Bayern

Simon Zimmermann
Der Druck auf Julian Nagelsmann wächst
Der Druck auf Julian Nagelsmann wächst / Alexander Hassenstein/GettyImages
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Die Stimmung an der Säbener Straße könnte besser sein. Drei Remis in Folge verstärken das Grummeln im Luxus-Kader. Wirklich besorgniserregend sollte das aber nicht sein - oder doch? Das Champions-League-Duell gegen Barça am Dienstag könnte zu einer Art Stimmungsbarometer beim FC Bayern - und vor allem für Julian Nagelsmann - werden.


Auf den ersten Blick ist der FC Bayern in der Bundesliga nach einem furiosen Start zumindest in eine leichte Ergebnis-Krise gerutscht. Gleich dreimal in Folge reichte es nur zu einer Punkteteilung: 1:1 gegen Gladbach, 1:1 gegen Union Berlin, 2:2 gegen den VfB Stuttgart.

"Ich habe dem Trainer gesagt: Es ist mir wichtiger, dass wir lieber einmal mehr unentschieden spielen, als dass wir zu viele unzufriedene Spieler haben", erklärte Sportvorstand Hasan Salihamidzic am Sonntag im Sport1-'Doppelpass'.

Brazzo merkte aber auch an: "Wir müssen schon zwei Gänge höher schalten - gegen Barcelona sogar drei, um Spiele zu gewinnen."

Am Dienstagabend (21 Uhr) gastiert der FC Barcelona mit Robert Lewandowski in der Allianz Arena. Die Katalanen sind stark in die Saison gestartet und verfügen ungeachtet der finanziellen Probleme über einen Luxuskader, der gerade in der Offensive überragend besetzt ist.

Die Ergebnisdelle in der Bundesliga kommt den Bayern vor dem Kracher-Duell nicht unbedingt gelegen. Die Frage muss zudem gestellt werden: Ist es mehr als eine "Ergebnisdelle" des Rekordmeisters?

Unzufriedene Spieler im Kader: Hat Julian Nagelsmann ein Problem?

Schon nach dem Sieg gegen Inter wurden Stimmen laut, im Bayern-Kader fange es an zu brodeln. Die ersten Spieler seien unzufrieden, hieß es. Was an sich nicht sonderlich verwundern darf. Schließlich ist das FCB-Aufgebot in dieser Saison in der Breite so gut aufgestellt wie wohl noch nie. Mindestens 17 Spieler haben den Anspruch, als Stammspieler zu gelten. Da braucht man wenig Mathe-Künste um zu verstehen, dass das nicht möglich ist.

"Natürlich findet der Julian seinen Stil gerade. Das ist auch ein Lernprozess. So einen Kader hat er auch noch nicht gehabt", meinte Salihamidzic am Sonntag.

Rotation ist sicher ein Mittel, um alle Spieler bei Laune zu halten. In den großen Duellen wie gegen Barça wollen dennoch alle auf dem Platz stehen. Die große Nagelsmann-Aufgabe in dieser Saison besteht also auch darin, als geschickter Moderator aufzutreten und trotz des großen Konkurrenzkampfes eine Einheit zu formen.

Derzeit scheint dem Bayern-Coach diese Aufgabe etwas zu entgleiten. Die Bild bekräftigt einen Bericht von Sport1, nach dem es unzufriedene Spieler gibt. Und führt weiter aus, dass es in der Kabine einigen Stars "aufstoße", dass es von Nagelsmann nach dem Remis gegen Stuttgart keine Selbstkritik gab. Er müsse sich und seine Taktik ebenfalls hinterfragen, so die Meinung.

Stattdessen bemängelte er fehlende Aggressivität, Risiko und Gier: "Die Aggressivität im Ballbesitz hat ein bisschen gefehlt, einen Tick zu viel Kontrolle, ein bisschen zu wenig Risiko und Gier nach vorne. Wir hatten aber trotzdem drei Riesen-Chancen, wo du ein drittes Tor machen musst - mit Serge, Leroy und Jamal", so Nagelsmann nach dem Spiel.

Wie sehr brodelt es im Bayern-Kader bereits?

Misstöne, Kritik aus der Mannschaft am Trainer und unzufriedene Spieler? Hört sich schon ein wenig nach FC Hollywood light an. Ganz so dramatisch sollte man die Lage an der Säbener Straße aber nicht zeichnen. Im Gegenteil: Die Mannschaft zeigt der zuletzt unbefriedigenden Ergebnisse größtenteils gute Leistungen. Nur die mangelnde Chancenverwertung steht Platz eins in der Bundesliga (noch) im Wege.

Und dass es Spieler gibt, die nicht zufrieden sind, wenn sie auf der Bank sitzen, sollte nicht nur normal sein. Es muss sogar so sein - vor allem dann, wenn man die Namen und die Qualität der Spieler betrachtet, die zuletzt weniger im Einsatz waren.

Duell gegen Barça als Stimmungsbarometer

Gewinnt der FC Bayern dreimal in Folge nicht, sind natürlich alle schnell dabei, Krisenstimmung herbeizureden. Davon kann in München aber noch keine Rede sein. Am Dienstag wartet nun allerdings ein echter Gradmesser für den Stimmungsbarometer. Gelingt ein Heimsieg gegen Barça, darf sich Nagelsmann wieder deutlich gestärkter fühlen.

Gelingt dieser nicht, bleibt abzuwarten, wie es an der Säbener Straße weitergeht. Aus FCB-Sicht ist aber weiterhin angebracht, mit Bedacht an die Situation heranzugehen. Die Saison ist noch sehr lange, die Ziele sind groß. Und wie gesagt: Julian Nagelsmann wird sich daran messen lassen müssen, wie er mit seinem Luxus-Kader umgeht. Das ist für den 35-Jährigen ein "Lernprozess". Seine Lernkurve sollte aber besser recht steil sein, um den hohen Erwartungen in München gerecht zu werden. Und um seine Stars bei Laune zu halten...


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