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FC Bayern seit drei Bundesligaspielen sieglos: 7 Gründe für die Mini-Krise

Dominik Hager
Es läuft nicht mehr: Der FC Bayern befindet sich in einer Mini-Krise
Es läuft nicht mehr: Der FC Bayern befindet sich in einer Mini-Krise / Alexander Hassenstein/GettyImages
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"Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt!" - So, oder so ähnlich könnte man den Saisonstart beschreiben, den der FC Bayern in Summe eher mäßig erfolgreich hinter sich gebracht hat. Nach überzeugenden Offensiv-Darbietungen zum Saisonstart und Siegen in der Liga und im Supercup, ging es abgesehen vom 2:0-Sieg in Mailand zuletzt gehörig den Bach runter. In der Bundesliga ist der FCB seit drei Spielen sieglos, was durchaus ernüchternd ist, nachdem man zunächst schon gedacht hat, ohne Robert Lewandowski sogar noch stärker zu sein. Demnach ist es an der Zeit, die Gründe für die Mini-Krise zu durchleuchten.


1. Grauenvolle Chancenverwertung

Möchte man die Gründe für die Punktverluste der Bayern aufführen, muss zu allererst die Chancenverwertung herangezogen werden. Die Partie gegen Gladbach muss man schon fast als Slapstick pur verbuchen. Ein starker Sommer hin- oder her, gegen die Fohlen müssen die Münchner aus 33 Schüssen und zahlreichen Top-Chancen einfach mehr als ein Tor erzielen. Ganz so stark wie gegen Gladbach war die Überlegenheit gegen Union Berlin und den VfB Stuttgart zwar nicht, jedoch verzeichneten die Münchner noch immer 21:7 und 19:7 Abschlüsse. Es kann einfach nicht sein, dass bei insgesamt 73:19 Schüssen in drei Spieln nur mickrige drei Punkte herauskommen. Abgeshen von Jamal Musiala hat derzeit praktisch jeder Münchner Probleme beim Abschluss. Besonders eklatant fallen diese ausgerechnet bei Star-Neuzugang Sadio Mané aus.

2. Zu wenig Bewegung im Offensivspiel

Insbesondere in den ersten Saisonspielen gegen Leipzig oder Frankfurt war es beeindruckend, mit welcher Variabilität und Spielfreudigkeit die Münchner die gegnerischen Abwehrreihen auseinandernehmen konnten. Es schien sogar ein Vorteil zu sein, dass Robert Lewandowski als Fixpunkt fehlt und die Offensivspieler pausenlos rotieren und kombinieren. Bezeichnend war zudem eine enorme Lauffreude, die alle Beteiligten an den Tag gelegt haben und das Angriffsspiel damit unberechenbar machen konnten.

In den letzten Wochen hat man jedoch das Gefühl bekommen, dass das große Anfangs-Feuer ein wenig erloschen ist. Insbesondere gegen Stuttgart war über weite Strecken ein ziemlich statisches Bayern-Spiel zu sehen. Oftmals bewegten sich die Offensivspieler überhaupt nicht, wenn Kimmich oder ein Verteidiger den Ball im Spielaufbau führten. Demnach waren auch kaum mal Pässe hinter die Abwehr möglich. Dem Bayern-Spiel fehlte es klar an Bewegung, Rotation und Leichtigkeit, was für den VfB natürlich ausrechenbar und letztlich ein gefundenes Fressen war.

3. Schwankende Leistungen einiger Offensiv-Akteure

Während in der Anfangsphase insbesondere das Quartett Musiala, Müller, Mané, Müller und Gnabry zu Gefallen wusste, machten auch Sané und Coman mächtig Dampf, nachdem sie von Nagelsmann von Beginn gebracht wurden. Betrachtet man aber die komplette Saison, kann man nur bei Musiala und mit Abstrichen bei Sané von konstant guten Leistungen sprechen.

Insbesondere Serge Gnabry, Sadio Mané und Thomas Müller fielen nach einem guten Saisonstart zuletzt in ein Leistungsloch und konnten nur im Pokal gegen Viktoria Köln Scorer erzielen. Von drei solch erfahrenen und hochveranlagten Offensivspielern hätte man sich viel mehr entscheidende Impulse erhofft, wenn es nach vorne mal nicht so lief. Der inzwischen wieder verletzte Coman präsentierte sich auch ein wenig zu wetterwendisch. Während er gegen Bochum grandios kickte, war er hingegen gegen Union ein ziemlicher Ausfall und auch gegen Inter und Gladbach mit Licht und Schatten unterwegs.

4. Individuelle Schnitzer in der Abwehrkette

Der FC Bayern schafft es noch immer nicht, sich in der Defensive schadlos zu halten. Nachdem alle Akteure eigentlich gut in die Saison gestartet waren, häuften sich zuletzt die Fehler. Dayot Upamecano leistete sich trotz überwiegend starker Leistungen erneut entscheidende Schnitzer und auch Alphonso Davies und Matthijs de Ligt sorgten zuletzt mit einem haarsträubenden Fehlpass und einem verursachten Elfmeter für individuelle Fehler. Solche Dinge lassen sich kaum komplett abstellen, jedoch sollten sie nicht ausgerechnet in den entscheidenden Spielphasen passieren.

5. Zu nachlässiges Pressing-Verhalten

Das Pressing ist das A und O im Bayern-Spiel. Wer mit einer solch hohen Staffelung agiert, der muss im Pressing ausreichend Druck erzeugen können. Bereits in der letzten Saison hatte man das Gefühl, dass gerade in den nicht ganz so entscheidenden Spielen hier und da die Zügel geschlafft wurden.

Genau das passiert phasenweise auch in dieser Saison. Mit einem unkonsequenten Pressing leistet man der eigenen Abwehr jedoch einen Bärendienst, da zu viele Bälle durchkommen und schon kleinste Fehler dafür sorgen, dass es vor dem Münchner Tor brennt. Zudem braucht man insbesondere gegen Tief stehende Gegner schnelle Ballgewinne, um mal nicht den ganzen Laden knacken zu müssen. Dies gelang insbesondere gegen Stuttgart zu selten.

6. Konzentrationsschwächen

Die Konzentrationsschwächen treten beim FC Bayern häufig in Spielen zwischen zwei Champions League-Partien auf und waren auch gegen Union und vor allem gegen Stuttgart recht häufig zu sehen. Denken wir nur an den absurden Ballverlust von Kimmich beim VfB-Treffer, der wegen eines leichten Stoßes dankbarerweise nicht gegeben wurde. Auch Alphonso Davies leistete sich zwei eklatante Fehlpässe, von denen einer zu einem Gegentreffer führte. Betroffen ist hiervon aber nicht nur die Abwehr. Auch in der Offensive gibt es zu viele schlampige Pässe und misslungene Ballannahmen, die größtenteils auf die Konzentration zurückzuführen sind. Auch im Abschluss scheint der absolute Fokus oft zu fehlen, wenn man sich die schwache Chancenverwertung ansieht.

7. Robert Lewandowski fehlt

Inzwischen kann man es sich nicht mehr einreden, dass die Bayern-Offensive ohne Robert Lewandowski besser dran ist. Die eiskalten Killer-Qualitäten des polnischen Top-Stürmers fehlen im Sturmzentrum schlichtweg. Man darf sich jedenfalls sicher sein, dass es mit dem Polen nicht drei Bundesliga-Unentschieden in Serie gegeben hätte.

Gerade gegen tief stehende Gegner kann ein Fixpunkt im Strafraum nicht schaden, der Gegenspieler an sich zieht, abschlussstark ist und auch mit dem Kopf für Gefahr sorgt. Lewandowski hat den Bayern zahlreiche Siege gerettet, indem auch in zähen Spielen immer gierig auf Tore blieb und auch mal aus eher aussichtslosen Situationen einen Ball in die Maschen geknallt hat. Man kann rund 40 Saisontore eben nicht so einfach ersetzen. Auch ein Sadio Mané kann das nicht - insbesondere mit seinem derzeit schwächelnden Abschluss.


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